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Husumer Nachrichten

24. August 2017 | 07:39 Uhr

Meteorologie : Der Wetterfrosch aus Husum

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Lars Rohwer, 22-jähriger Student, sammelt im Garten seines Elternhauses Wetterdaten. Die Messwerte bilden die Grundlage für Vorhersagen, die der angehende Meteorologe ins Internet stellt.

Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung – unter den regen- und sturmerprobten Nordfriesen eine weitverbreitete These. Das, was Lars Rohwer schon seit Jahren predigt, ist dagegen nicht so geläufig: Maximal für zwei oder drei Tage lässt sich das Wetter vorhersagen. „Gerade an der Küste, da gibt es Seenebel“, beschreibt der 22-Jährige das Problem von Wetterstationen. Der Student der Meteorologie muss es wissen, denn er betreibt selbst ein Global Forecast System (GFS). Seine Erfahrungen teilten auch andere seriösen Kollegen, die ähnliche Anlagen nutzen. „Kein Modell ist für den feinen Nebel konzipiert“, weiß der Husumer Wetterfrosch.

Rohwer studiert in Hamburg und hat im Internet Service-Seiten eingerichtet, die das Wetter an der Westküste prognostizieren. Kurz bevor Tief „Christian“ im Oktober vergangenen Jahres über das Land fegte, ging er online. Die ersten orkanartigen Böen überstand der Windsensor im Garten seines Elternhauses im Niegras sogar trotz eines Sturzes, erinnert sich Rohwer. Ein wenig wehmütig lässt er dabei das defekte Schalenanemometer spielerisch durch seine Finger gleiten. Nachfolge-Orkan „Xaver“ gab im Dezember seiner Station den Rest, wie unschwer an den Bruchstellen und dem verbogenen Gestänge in seiner Hand zu erkennen ist.

Mit www.husumwetter.de hat der künftige Meteorologe ordentliche Besucherzahlen generiert. Deshalb startete er auch eine Seite auf Facebook. „Bisher habe ich 806 Likes“, sagt der Wahl-Hamburger stolz. Jeden Freitag zieht es ihn zurück nach Husum. „Ich muss hier immer die aktuellen Daten überprüfen – und das Equipment.“ Danach fährt er immer zu seiner Freundin nach Flensburg, wo er bereits vor drei Jahren damit begonnen hatte, zwei Semester Elektrische Energiesystemtechnik zu studieren. „Aber das hatte nichts Regeneratives“, erklärt Rohwer, warum er den Studiengang gewechselt hat.

Das Wetter interessiert den ehemaligen Hermann-Tast-Schüler schon seit seinem achten Lebensjahr. Sein Vater brachte ihm seinerzeit einen Satellitenfilm mit, der ihn begeisterte. Fortan legte der kleine Lars über fünf, sechs Monate Protokolle an, in denen er die Wetterlage festhielt. „Seitdem nennen mich alle Wetterfrosch“, sagt er schmunzelnd. Seine Leidenschaft nährte zudem der jährlich stattfindende Hamburger Extremwetter-Kongress. Ein Besuch dort habe ihm „einen Schubs gegeben“.

Eine private Wetterstation in Schobüll stand seiner Anlage Pate. Der Besitzer half ihm, seine Geräte zu installieren. Aus einem virtuell dargestellten Schleswig-Holstein-Netz ging hervor, dass es auf diesem Gebiet in Husum noch keinen privaten Anbieter gab. Rohwers Chance. Er sicherte sich die Rechte und sammelt jetzt im Niegras Wetterdaten.

Von den Messwerten profitieren auch weitere Internetseiten unter seiner Regie. „Wir sind zwar nicht geeicht, aber viele Bauern nutzen beispielsweise www.wetter-sh.de“, betont der angehende Meteorologe, der 20 Jahre seines Lebens in Friedrichstadt verbrachte. Begehrlichkeiten bei großen Energieversorgern wurden bereits geweckt. Rohwers Online-Angebot umfasst auch Videos. „Bei ,Xaver‘ habe ich zwei Stunden in der Kälte gesessen, um Bilder zu machen“, verrät er. Aber verkauft wird noch nichts – der Studienzweck steht im Vordergrund.

Rohwer ist im vierten Semester. Nur zwei weitere Kommilitonen interessieren sich bislang für das Thema Synoptik, also die für eine Vorhersage notwendige großräumige Wetterbeobachtung. Der 22-Jährige verfolgt ein ehrgeiziges Ziel, will vielleicht Meeno Schraders Nachfolger werden. Für den heutigen Donnerstag lautet seine Prognose: „Es wird deutlich wärmer, 16 bis 17 Grad – richtig schön.“ Mitte kommender Woche, so glaubt er, könnte sogar die 20-Grad-Grenze geknackt werden.

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erstellt am 15.Mai.2014 | 13:30 Uhr

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