Regenwasserrohre am Limit : Der Untergrund ist ganz passabel

Immer wenn in Friedrichstadt Straßen repariert werden, schaut wenn möglich auch der Wasserverband Norderdithmarschen nach seinen Wasserleitungen.
Immer wenn in Friedrichstadt Straßen repariert werden, schaut wenn möglich auch der Wasserverband Norderdithmarschen nach seinen Wasserleitungen.

Das Frisch- und Abwassernetz unter der Friedrichstädter Altstadt wird peu à peu bei Bedarf erneuert, denn das Rohrsystem ist nicht so marode, wie viele Friedrichstädter befürchtet haben.

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08. Januar 2015, 10:00 Uhr

Ein einfacher Dreh oder ein einfaches Drücken reicht im Regelfall aus, dann strömt sauberes Trinkwasser aus dem Wasserhahn. Darüber, wo das Abwasser bleibt, denkt der „normale“ Verbraucher kaum nach, denn schließlich landet es ja in der Kläranlage. Das ist zwar auch so in der Altstadt von Friedrichstadt, doch dort, so der Geschäftsführer des Wasserbeschaffungsverbandes Norderdithmarschen, Michael Schoop, sei es schon ein wenig komplizierter. Denn gerade die enge und alte Bebauung in der Altstadt verursacht bei anstehenden Reparaturen Kosten, die bis zum Fünffachen über denen in der Fläche liegen.

Daher schließen sich die Wasserversorger im Regelfall auch immer den Straßenbauern an. „Wenn eine Straßenreparatur oder die eines Bürgersteigs in der Altstadt ansteht, dann sind meistens auch wir mit von der Partie“, sagt Schoop. Zwar lassen sich die Rohrleitungen auch mit einer Kamera untersuchen, doch eine äußere Inaugenscheinnahme sei immer auch von Vorteil. Das Rohrleitungskataster in Friedrichstadt sei nahezu abgeschlossen, immer wieder würden die Leitungen von innen gefilmt und dann das Material ausgewertet. „So schlecht wie immer behauptet wird, sieht das Netz in der Altstadt aber nicht aus.“ Daher plant der Wasserbeschaffungsverband auch nicht die komplette Erneuerung des alten Rohrsystems. Immer dann, wenn eine Reparatur anstehe, dann werde natürlich auch gleich neues Material eingebaut. Der Großteil der Ab- und Frischwasserrohre im Untergrund der Stadt bestehe nämlich aus Faserzement. Dieser Baustoff sei früher Standard gewesen und habe sich bewährt. Doch heute verwende man Kunststoff. Die Rohre müssten nicht mehr so dicke Außenwände haben, und die Lebenserwartung sei länger.

Beim Austausch von Rohren im Untergrund könnten oftmals die Querschnitte, verringert werden, da längst nicht mehr so viel Wasser anfalle, sagt Schoop. „Die Spitze des Verbrauchs hatten wir zwischen 1985 und 1987. Heute seien manche Querschnitte eher zu groß“, sagt der Ingenieur.

Anders sehe es aber bei der Regenwasserleitung aus. Es sei richtig, dass die Starkregen in jüngster Zeit zugenommen hätten und nach allen Prognosen noch weiter zunehmen werden, so der Geschäftsführer. Daher könne auch rechnerisch kein wirklich sicheres Maß gefunden werden. „Wenn wir heute ein dem jüngsten Extremregen angepassten Rohrquerschnitt einbauen, dann ist er womöglich schon beim nächsten Jahrhundertregen wieder zu klein“, beschreibt Schoop die Situation. Extremereignisse, stellt der Verbandschef fest, seien nicht kalkulierbar.

Wichtig für Schoop ist es aber, das der Verband immer rechtzeitig vor geplanten Baumaßnahmen unterrichtet wird, denn nur dann könne ein Plan aufgestellt werden, schließlich würden neben den Frisch- und Abwasser- , auch noch die Regenwasserleitungen liegen. Hinzu kämen Gasleitungen, Kommunikations- und Stromkabel. Sinnvoll sei es, immer nur einmal zu buddeln. Das spare nicht nur Kosten, sondern schone auch die Nerven der Anlieger und aller Versorger. Für das neue Jahr, so Schoop nach einem Blick in den Jahresplaner und Friedrichstadts Bürgermeister Eggert Vogt übereinstimmend, sei keine größere Straßensanierung in der Stadt vorgesehen. Die nächste falle erst wieder 2016 an, dann aber außerhalb der eigentlichen Altstadtgrenze.

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