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Husumer Nachrichten

24. September 2017 | 03:31 Uhr

Wohnraum für Flüchtlinge : Der Turm muss weg

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Bau von Flüchtlingshäusern auf der Neuen Freiheit in Husum ist mit Problemen behaftet. Der Übungsturm für Windkrafttechniker ist im Weg, und der Boden trägt nicht richtig.

von
erstellt am 13.Mai.2016 | 07:00 Uhr

Rechnungsprüferin Rita Petroll fand im Bauausschuss deutliche Worte: „Ich fordere eine Wirtschaftlichkeitsberechnung des Projekts, sonst hat der Kämmerer jedes Jahr ein dickes Defizit.“ Gemeint war der Bau von zwei Wohnhäusern nach dem Kieler Modell auf der Neuen Freiheit, die für Asylbewerber genutzt werden sollen. Nur kommen gar nicht so viele, wie ursprünglich angenommen – zumindest derzeit nicht. „Aber wir dürfen dort in den ersten fünf Jahren nur Flüchtlinge unterbringen, sonst gibt es keine Förderung“, warnte Petroll. Soll heißen: Die Stadt bleibt dann auf den Kosten für die Häuser sitzen, die nach der fünfjährigen Erstnutzung als Ergänzung für das zu knappe Wohnraumangebot in der Storm-Stadt dienen sollen.

Es soll ja gebaut werden. Aber: Das ursprüngliche Vorhaben, dort drei dieser weitgehend genormten Häuser mit Schlichtwohnungen hochzuziehen, hat die Verwaltung bereits ad acta gelegt. „Wir reden jetzt nur noch von zwei Häusern“, erläuterte Thomas Borowski vom Gebäudemanagement der Stadt den Ausschuss-Mitgliedern. Die Ausführungsplanungen seien vorbereitet, das Vergabeverfahren könne im Juni oder Juli beginnen. Allerdings gebe es da ein 63 Meter hohes Problem: den Übungsturm für das Sicherheitstraining von Windenergietechnikern, der 2005 zwischen der Neuen Freiheit und dem Theodor-Schäfer-Werk errichtet wurde. „Bevor wir bauen können, muss der Turm weg, denn ein Rückbau mit Großkränen wird schwer, wenn die Häuser erst einmal stehen“, erläuterte Borowski. Der war ohnehin für 2019 geplant, da dann die Förderung für die Anlage auslaufe. „Aber da der Turm schon gar nicht mehr genutzt wird, kann man ihn bereits jetzt ohne Einbußen wegnehmen.“ Dafür gebe es auch eine Zusage seitens der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein, der der „Spargel“ gehört. „Bisher allerdings nur mündlich.“

Was die Häuser selber angehe, will Husum einen Sonderweg einschlagen. „Wir möchten die Bauten mit Walmdächern ausrüsten und Abstellräume unter dem Dach einrichten, statt die Gebäude zu unterkellern – das wird billiger“, so Borowski. Im Erdgeschoss würden die Häuser mit 23,8 mal 16,5 Meter Grundfläche über vier Wohnungen verfügen, im ersten und zweiten Stock über jeweils fünf. Ein Aufzug könne später im Rahmen der Nachnutzung eingerüstet werden, Balkone auch. Betreuungsräume seien ebenso wenig vorgesehen wie Gemeinschaftsräume. „Aber Betreuer könnten die einzelnen Ein-Zimmer-Wohnungen belegen, die es jeweils im ersten und im zweiten Stock gibt.“ Ansonsten hätten die Wohnungen jeweils zwei Zimmer – und eine sogar drei.

Errichtet werden müssten die Häuser allerdings auf Pfählen, die zehn bis zwölf Meter in den Untergrund zu treiben seien, denn die Bodenverhältnisse der Neuen Freiheit seien schlecht. „Das Gutachten hat ergeben, dass eine konventionelle Gründung die Häuser gar nicht tragen könnte.“

Bei den Stellflächen habe man zurückhaltend geplant, so der Bauamts-Mitarbeiter weiter. „Statt 28 analog zu den Wohnungen sind nur 13 vorgesehen, plus Fahrradparkmöglichkeit im Norden und Müllbereich im Süden der Häuser.“ Das allerdings sahen die Ausschussmitglieder nicht als Problem an: „Da ist ja noch die unbebaute Fläche, die für das dritte Haus vorgesehen war“, so Dr. Ulf von Hielmcrone (SPD). „Zudem ist ja der gesamte Rest der Neuen Freiheit als Parkfläche ausgelegt.“

Wie sich die Flüchtlings-Situation auch entwickele: „Ich bin froh, dass wir diese Planungen haben und aus der Schublade ziehen können, wenn es erforderlich wird und die Fördermittel da sind“, so Peter Empen (SPD). Sollte die Stadt aber ohne diese Mittel bauen, würde sie nach der eindringlichen Mahnung von Rita Petroll wohl Probleme bekommen.

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