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Inseln und Halligen : Der schnelle Draht durchs Wattenmeer

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Landesregierung will den nordfriesischen Inseln und Halligen bei Breitbandausbau und Digitalisierung helfen.

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2017 | 15:30 Uhr

Nordfriesland | „Die Gäste kommen an – und das zweite, nach dem sie fragen, ist das Passwort fürs Internet“, hat die Bürgermeisterin der Gemeinde Utersum auf Föhr, Göntje Schwab, festgestellt. Schnelles Internet ist auch für die Inseln und Halligen ein bedeutender Standortfaktor. Aber nicht nur im Wettbewerb um Urlauber ist es von Vorteil, so die Geschäftsführerin der Insel- und Halligkonferenz (IHKO), Natalie Eckelt, sondern auch in anderen Bereichen wie der Telemedizin und E-Learning-Angeboten.

Dass der Breitbandausbau nicht nur in Metropolregionen wichtig ist, weiß auch die Landesregierung in Kiel – und unterstützt die Inseln- und Halligen dabei, ein flächendeckendes schnelles Internet zu schaffen und über die Digitalisierung neue Perspektiven zu eröffnen. Auf der jüngsten IHKO im Kieler Landeshaus haben Bildungsministerin Karin Prien, Digitalisierungsminister Robert Habeck und Hans-Joachim Grote, der für die ländlichen Räume zuständige Innenminister, die Bedeutung und Notwendigkeit einer flächendeckenden Breitbandversorgung auf den Inseln und Halligen unterstrichen.

Digitalisierungsminister Habeck erklärte, die Inseln und Halligen seien oft Brennglas der Herausforderungen im ländlichen Raum insgesamt: „Demografischer Wandel, wirtschaften mit der Natur, Schaffung gleicher Lebensverhältnisse, Schule, medizinische Versorgung – alles ist hier schwieriger zu gewährleisten. Andererseits sind sie eben auch Testlabore für die Zukunft. Wenn es auf den Inseln und Halligen funktioniert, dann funktioniert es überall.“ Laut Habeck bietet die Digitalisierung neue Möglichkeiten, innovative Lösungen zu finden – von der Telemedizin über den Tourismus bis hin zu intelligenten Logistikkonzepten zur Versorgung. „Halligen und Inseln können auch ein Ort werden, an dem sich Kreativität entfaltet und wo Co-working-Plätze entstehen“, sagte der Minister weiter.

So soll nach den Plänen der Landesregierung im ersten Quartal kommenden Jahres das Projekt HallogEMed starten, um die medizinische Versorgung der Bewohner mit Hilfe von Telemedizin zu verbessern. „Es ist ein Pilotprojekt, das Schule machen wird“, sagte Habeck zu der Initiative, die gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium entwickelt wurde und die von Innen- und Gesundheitsministerium zusammen finanziert wird. Dabei werden auf Hallig Hooge die geschulten Ersthelfer beispielsweise EKG-Daten eines Patienten an ein medizinisches Beratungsteam auf dem Festland senden und in Echtzeit beraten. Dies könne die Entscheidung erleichtern, ob der Rettungshubschrauber geschickt werden muss oder die Fähre am nächsten Morgen genommen werden kann, sagte IHKO-Geschäftsführerin Eckelt.

Innenminister Grote machte bei der Konferenz noch einmal deutlich, dass eine flächendeckende Breitbandversorgung in ganz Schleswig-Holstein das Ziel sei. Dies werde mit der Breitbandstrategie 2025 verfolgt und mit Förderprogrammen unterstützt. Unter anderem konnte Grote bereits Zuwendungsbescheide für den Breitbandausbau in Höhe von etwa 4,6 Millionen Euro für Pellworm und Föhr/Amrum übergeben. „Beim Aufbau der Infrastruktur müssen wir einfach kontinuierlich am Ball bleiben und die Glasfaser in die Erde und an die Häuser und Gewerbeliegenschaften legen. Für die Entwicklung der ländlichen Räume im Allgemeinen und erst Recht für die Zukunftsfähigkeit der Inseln und Halligen ist das von absolut herausragender Bedeutung“, so Grote. Unter anderem für die Tourismus-Standorte sei ein schnelles Internet heutzutage schon Standard und müsse angeboten werden, erklärte der Minister. In diesem Zusammenhang lobte er eine in diese Richtung gehende Studie der Aktiv-Region Uthlande.

Für Bildungsministerin Karin Prien sind die Digitalisierung und eine flächendeckende Breitbandversorgung auch für Schulen von entscheidender Bedeutung: „Die Schulen auf den Inseln und Halligen haben es früh verstanden, die Arbeit mit digitalen Medien im Unterricht einzusetzen. Beim E-Learning hatten sie sogar eine ,Pilotfunktion‘ in Schleswig-Holstein: Schon 2009 hat das Land auf den Halligen das erste E-Learning-Projekt gestartet, und inzwischen ist E-Learning an den Halligschulen fest etabliert.“ Das Prinzip beim E-Learning ist Prien zufolge gerade für die kleinen Halligschulen eine riesige Chance, denn angesichts der geringen Schülerzahlen sei es schlichtweg unmöglich, immer und für jedes Fach eine entsprechend ausgebildete Lehrkraft für die Insel oder Hallig zu finden und fest einzusetzen. „Die moderne Technik macht es möglich, dass eine Lehrerin, ein Lehrer vom Festland aus Kinder und Jugendliche auf einer Insel oder einer Hallig unterrichtet“, so die Ministerin.

Zuletzt investierte das Land rund 3,5 Millionen Euro in den Ausbau des Glasfasernetzes auf Föhr, Amrum und Pellworm. Entsprechende Förderbescheide hatte Innenminister Grote Ende August überbracht. Das neue Turbo-Internet auf den Nordsee-Inseln werde dazu beitragen, den Wirtschafts- und Lebensraum langfristig zu stärken, sagte er seinerzeit. Jetzt, zum Abschluss der 40. Mitgliederversammlung der Insel- und Halligkonferenz in Kiel, erklärte der Innenminister: „Ländliche Entwicklung, Breitband-Infrastruktur, Digitalisierung – das sind die Stichworte, die diese Landesregierung bewegen. Seien Sie sicher: Wir ziehen am selben Strang und in die gleiche Richtung. Wir sind uns über Ihre Probleme im Klaren. Und wir sind bei der Lösung der Probleme an Ihrer Seite.“

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