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Landesbetrieb für Küstenschutz : Der Schafberg soll weg – und Westerhever ist sauer

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Gemeinde wurde nicht über die Planierung des Schafbergs im Vorland informiert und lässt nun rechtliche Schritte prüfen.

von
erstellt am 29.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Westerhever | Für großen Unmut haben Pläne des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) in Westerhever gesorgt: Im Vorland soll der Schafberg abgetragen werden. Er wurde 1941 südöstlich vom Leuchtturm errichtet, als Zufluchtsort für Schafe bei Hochwasser. Außerdem befand sich dort eine Tränke. Die Gemeinde hatte sich vor fünf Jahren darum bemüht, den Schafberg unter Denkmalschutz zu stellen, hatte aber vom Landesamt eine Absage erhalten, weil der kleine Hügel noch zu jung ist (wir berichteten). Was Bürgermeister Olaf Dircks zusätzlich jetzt „sehr, sehr geärgert“ hat, wie er in der jüngsten Gemeindevertreter-Sitzung sagte, ist die Tatsache, dass der LKN nun Fakten geschaffen hat, ohne die Kommune vorab zu informieren oder einzubeziehen. Westerhever will rechtliche Schritte prüfen lassen.

Wie Dircks in der Zusammenkunft erklärte, war er am 25. April vom LKN zu einem Gespräch wegen des Schafbergs eingeladen worden. Das habe am 3. Mai dann stattgefunden, neben drei Vertretern des LKN und ihm habe für Westerhever noch Gemeindevertreter Karsten Alberts teilgenommen. „Es hatte ja schon Anzeichen gegeben, dass der Schafberg abgegraben werden sollte“, so Dircks weiter. „Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass uns bei dem Gespräch ein rechtskräftiger Plan vorgelegt würde – ohne vorher die Gemeinde zu beteiligen.“ Dabei sei das Vorland seiner Ansicht nach Hoheitsgebiet der Kommune. 25  000 Kubikmeter Erde sollen bewegt und dabei gemeindeeigene Wege benutzt werden. „Das soll nun geschehen, ohne das wir vorher informiert wurden, das ist sehr, sehr bedauerlich“, so Dircks. Was ihn und die Gemeindevertreter noch mehr verärgert ist, dass die Widerspruchsfrist zu dem Planfeststellungsverfahren schon am 15. April abgelaufen war. So gehe man nicht miteinander um, waren sich alle einig.

Zum Hintergrund erklärte er, dass das Projekt eine Ausgleichsmaßnahme für den Deichbau Halebüll-Nordstrander Damm sei. Dafür sollen in Westerhever 8,9 Hektar Salzwiese geschaffen werden. Der Schafberg solle abgetragen werden, um die Gefährdung der Vogelwelt durch Raubtiere zu verringern. 5000 Kubikmeter Boden würden nach seinen Informationen zum Verschließen von kleinen Gräben (Grüppen) in dem Bereich verwendet. Denn das Gelände soll vernässt werden. 20  000 Kubikmeter sollen voraussichtlich zur Verstärkung der Leuchtturm-Warft genutzt werden. Bereits im Herbst seien im Bereich des Wegs zum Leuchtturm zwei Durchlässe verschlossen worden, um die Auswirkungen auf die Betonstrecke zu testen. Einer sei bereits wieder geöffnet worden, der andere werde folgen, weil zu viel Wasser auf dem Weg gestanden hätte.

Inzwischen habe er ein weiteres Gespräch mit LKN-Chef Johannes Oelerich und Frank Barten, Geschäftsbereichsleiter Küstenschutz und Häfen, geführt. Es gäbe die Möglichkeit, dass ein Planverfahren freiwillig wieder geöffnet werde, wenn ein Fehler unterlaufen sei, so Dircks. „Aber das wird in unserem Fall nicht stattfinden.“ Denkbar sei jetzt auch, eine andere Fläche vorzuschlagen. Einig war sich die Runde, dass das Projekt Gemeindeeigentum und auch den Küstenschutz gefährde. „Wir müssen auch überlegen, was dieses Vorgehen für die künftige Zusammenarbeit mit dem LKN bedeutet“, so Kay Dircks. Das Gremium beschloss, rechtlich prüfen zu lassen, welche Möglichkeit die Gemeinde hat, die Maßnahme zu verhindern. „Und wir sollten auch überlegen, wie wir künftig mit unseren Pflichten im Bereich Vorland umgehen, wenn wir dort keine Rechte haben“, sagte der Bürgermeister abschließend. Schließlich sei sie für den Brandschutz und die Wegeunterhaltung zuständig.

Nach den Karten des Innenministeriums gehöre das Vorland nicht zur Gemeinde, sondern sei Landesgebiet, erklärt LKN–Chef Johannes Oelerich dazu auf Anfrage. Daher sei die Gemeinde formal auch nicht beteiligt worden. Die Frage der Zugehörigkeit sei im Planfeststellungsverfahren sehr wohl geprüft worden. Allerdings sei das Thema auch nicht im Arbeitskreis Westerhever, in dem LKN und Gemeinde zusammenarbeiten, angesprochen worden, denn dort sei das LKN durch andere Mitarbeiter vertreten. „Das ist unglücklich“, gab Oelerich zu. „Aber da es jetzt dummerweise so ist, wie es ist, müssen wir bei der Umsetzung das Gespräch suchen“, betonte er. „Wann immer wir einen Schritt in dieser Angelegenheit gehen, werden wir den Amtsdirektor von Eiderstedt und den Bürgermeister informieren.“ Das habe er in einem Gespräch mit beiden zugesichert.

Mit einem Beginn der Arbeiten am Schafberg und im Vorland rechnet er nicht mehr in diesem Jahr.

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