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Storm-Tagung in Husum : Der nette Herr Storm als Romanfigur

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zum Auftakt der Stormtagung in Husum vom 12. bis zum 14. September erhält Tilmann Spreckelsen den begehrten Storm-Preis. Der 47-Jährige schreibt an einem Kriminalroman, in dem auch der Dichter eine Rolle spielt.

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erstellt am 12.Sep.2014 | 07:00 Uhr

Tilman Spreckelsen ist Schriftsteller und Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seit seiner Jugend interessiert er sich für Theodor Storm. Derzeit arbeitet er an einem Kriminalroman, in dem auch der Dichter eine Rolle spielt. „Nordseegrab“ wird 2015 erscheinen. Anlässlich der internationalen Storm-Tagung in Husum vom 12. bis zum 14. September erhält der 47-Jährige heute den mit 8200 Euro dotierten Storm-Preis.

Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?

Sie bedeutet mir sehr viel – der Preis ist eine große Ehre, es ist wundervoll, ausgerechnet im Namen dieses Autors ausgezeichnet zu werden. Und dass ich die Gelegenheit bekomme, meinen Roman erstmals an diesem Ort vorzustellen, macht mich sehr glücklich.

Wer vor 30 Jahren in Husum zur Schule ging, für den war der „Schimmelreiter“ Pflichtlektüre. Danach hatten alle erst einmal die Nase voll und wollten Moderneres wie Brecht lesen. Wie war das bei Ihnen? Erinnern Sie sich an Ihre erste Berührung mit Storm?

Storm war in meinem Elternhaus durchaus präsent, und ich erinnere mich, dass ich als Schüler einen dieser preiswerten Nachdrucke der Werkausgabe geschenkt bekommen habe, auf schlechtem Papier und Kunstledereinband. Ich habe diese Ausgabe verschlungen und hüte sie bis heute, auch wenn ich beim Schreiben über Storm eher andere Ausgaben benutze.

Was hat uns Theodor Storm heute noch zu sagen?

Storm zu lesen, ist in meinen Augen ein ungeheures Vergnügen, das sich auch beim zigfachen Wiederlesen bestimmter Texte nicht erschöpft. Für mich ist er in gewisser Weise zeitlos, weil er mit seinen Texten nie ganz in seiner Zeit aufgegangen ist. Das heißt aber auch, dass ihn jede Zeit neu entdecken kann und seine Novellen und Gedichte darauf hin befragen kann, was sie mit der jeweiligen Gegenwart zu tun haben. Denken Sie etwa an Novellen wie „Draußen im Heidedorf“, unübersehbar im 19. Jahrhundert und in einer speziellen Landschaft angesiedelt. Und doch so geschrieben, dass man die Grundfragen darin immer auf die eigene Lebenssituation beziehen kann.

In Ihrem Roman lassen Sie Storm wiederauferstehen. Wie kam es dazu?

Ich habe Husum als Jugendlicher und als Student besucht, meist auf der Durchreise, dann lange nicht mehr. Als ich Journalist geworden bin, wollte ich über die aktuelle Storm-Forschung schreiben und bin darum wieder gekommen. Gerd Eversberg hat mir die Schauplätze des „Schimmelreiter“ gezeigt, Christian Demandt hat es mir ermöglicht, manche der Storm-Häuser in Husum zu besuchen. Und irgendwann hatte ich mich in bestimmte Gebäude und Straßen verliebt, ich wollte mir genau vorstellen, wie das Leben zur Zeit des jungen Storm hier war. Wenn Sie einmal an diesem Punkt sind, ist es nicht mehr weit zum Romanschreiben. Im Buch geht es um den jungen Storm und seinen Schreiber Peter Söt. Gemeinsam kommen sie einem vertuschten Verbrechen auf die Spur. Und einem Komplott, bei dem die Husumer Oberschicht mit einem Schlag ausgelöscht werden soll.

Nun werden wir von Mordgeschichten ja geradezu überhäuft. Was unterscheidet Ihren Storm-Krimi von anderen Krimis?

Ich bin kein großer Krimileser – nur die „Maigret“-Romane habe ich verschlungen. In meinem Buch haben die meisten Gestalten Wurzeln in der Wirklichkeit – es hat sie gegeben, oder sie kommen in Storms Novellen vor. Ich habe mir angesehen, was im Sommer 1843 in Husum in der Zeitung stand, habe Reisebeschreibungen über Husum und Umgebung gelesen und natürlich Storms Briefe. Wahrscheinlich geht es in meinem Buch erst mal etwas ruhiger zu als in anderen Krimis. Aber das täuscht.

Und was für ein Storm wird uns da begegnen? Ein knallharter Ermittler oder ein verträumter Dichter-Jurist?

Weder noch, außer ein paar Gedichten hatte Storm damals kaum etwas geschrieben. Eher ein netter junger Anwalt, der sich am Anfang viel mehr für seinen gerade gegründeten Chor interessiert als für den Fall, mit dem er es notgedrungen zu tun bekommt. Aber dann beißt er an.

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