zur Navigation springen

Jaap Terheggen : Der Mode-Designer wird Jura-Student

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Husumer Jaap Terheggen präsentiert seine neue Kollektion und verabschiedet sich ins Jura-Studium – aber gewiss nicht für immer. Die neuen T-Shirts bleiben seiner Vorliebe für maritime Themen treu.

von
erstellt am 27.Jul.2017 | 14:00 Uhr

Nein, vorerst wird aus Jaap kein Joop. Aber das war auch von Anfang an klar. Jaap Terheggen liebt Mode, aber davon leben zu wollen – so kurz nach dem Abi und einer ersten, allerdings recht erfolgreichen Kollektion –, dafür ist er dann doch zu realistisch. Allzu weit von seiner Passion entfernen möchte sich der junge Husumer aber auch nicht. Deshalb hat Terheggen, dessen Großmutter Gisela im elterlichen Betrieb (bei Harald Jürgens auf der Neustadt) noch selbst Herrenmode an den Mann brachte, zunächst ein Semester Betriebswirtschaft studiert. „Aber das war nichts für mich“, räumt er ein und will in Hamburg einen neuen Anlauf wagen. Diesmal soll es Jura sein. Auch so ein Fach, das man für vieles gebrauchen kann, nicht zuletzt in der Modebranche – und sei es nur, um die eigenen Kreationen vor dem Zugriff anderer zu schützen.

Während des Studiums will er seine wahre Leidenschaft allerdings erst einmal ruhen lassen. Dann ist nur studieren angesagt. Aber ganz ohne Mode – das ist für einen wie Jaap Terheggen kaum vorstellbar. Und das sieht man ihm auch an: stylische Brille, modisches T-Shirt und flotte Sneaker an den Füßen, das ist Jaaps Art, in Erscheinung zu treten. Und doch: Das, was an Mode auf dem Markt ist, gefällt ihm nicht immer und überall. Vier Jahre ist es jetzt her, dass er diese negative Feststellung in positive Energie umgewandelt und selbst Kleidung zu entwerfen begonnen hat. Seine Heimat – der Norden – schwang dabei immer mit, und der Name seines Labels geht zwar ursprünglich auf einen Rap-Song zurück, darf aber auch als Leitmotiv seiner inneren Einstellung gewertet werden: „All Good Everything“ heißt es, was zu Deutsch so viel wie „Alles gut – alles“ bedeutet. Wirklich alles? Jaap kann und will nicht klagen: Die „Abverkaufszahlen“ bei C. J. Schmidt, das seine „Good-North“-Kollektion vor einem Jahr spontan ins Sortiment aufgenommen hatte, seien sehr positiv, sagt er.

Dass auch die Modeschöpfung selbst vor modischen Schwankungen nicht gefeit ist, zeigen die neuen Kreationen des Husumers, der großen Wert darauf legt, dass seine Kollektionen nicht unter menschenunwürdigen Bedingungen in China oder Bangladesch produziert werden, und in Portugal eine Textilmanufaktur nach seinen Vorstellungen gefunden hat. „Der Markt entwickelt sich derzeit stark in Richtung Limitierung“, erläutert Jaap. Das komme seiner Art zu arbeiten sehr entgegen. Tatsächlich hat er diesmal nur zwei T-Shirts mitgebracht, eines mit einem maritimen Streifenmuster, das andere von edel-schlichtem Weiß. Und tatsächlich gehen vom einen ganze 25 und vom anderen 75 Exemplare in den Verkauf. Jaap ist sich durchaus bewusst, dass das „ein künstlicher Hype ist, dass solche Labels quasi davon leben, dass ihre Ware permanent ausverkauft ist, aber  .  .  .“ Den Rest des Satzes spart er sich.

Bei so geringen Stückzahlen genießen Jaaps Entwürfe selbst in Portugal keine oberste Priorität. Im Gegenteil: „Ich hätte die Sachen gern schon früher gehabt“, sagt er, „aber andere, größere Aufträge gingen vor.“ Mehr noch: Am Ende hat er die Stoffe nehmen müssen, der übrig waren. Und das reichte gerade für die besagten Stückzahlen. Aber um Masse ging es Jaap Terheggen noch nie. Er will Qualitätsware auf den Markt bringen. Und das scheint ihm auch zu gelingen. In Hamburg habe er nicht zuletzt durch den Internet-Verkauf (E-Commerce) viele neue Leute kennengelernt und schon so etwas wie eine kleine Fangemeinde aufbauen können, berichtet er.

Aber das alles ist mal eben nebenher nicht zu machen. Zwar hat Jaap inzwischen eine Gesellschaft gegründet, und die soll auch erhalten bleiben, „damit ich jederzeit reagieren kann“. Doch das ist ja nur ein formaler Akt und der eigentliche Aufwand weit größer: Entwürfe, Stoffauswahl, Vorkasse für die Produktion, Vermarktung etc. pp. Mit einem Vollstudium passt das nicht zusammen, hat Jaap Terheggen für sich erkannt und beschlossen, dass seine Modeschöpfungen vorerst zurückstehen müssen. Aber ganz und gar wird er sicherlich nicht davon lassen können.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen