Teichbesitzer aus Arlewatt : Der mit den Kois schmust

Der Tierfreund füttert die Kois im Wasser.
Der Tierfreund füttert die Kois im Wasser.

Michael Kurt aus Arlewatt gesellt sich täglich zu seinen 100 Fischen, um sie zu füttern, zu schmusen und zu schützen. Denn die Schnüre um den Teich sollen den Fischreiher zwar abhalten, aber der Vogel ist listig.

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26. Juli 2015, 12:00 Uhr

Ein Fischerdorf im Landesinneren. Unweit der nordfriesischen Westküste sicherlich nicht ungewöhnlich. Nur geht es in Arlewatt nie um den Fang, ausschließlich um die Zucht. Mittlerweile haben Birgit und Michael Kurt schon 20 Jahre ihren Teich als Hobby. Jedoch ist dem 55-Jährigen noch immer nicht klar, welcher seiner Fische männlich und weiblich sind. „Und die Kois fressen den Laich auf“, erklärt der Vater zweier erwachsener Söhne schon gar nicht mehr ungläubig. „Es ist für die eine Delikatesse“, schiebt der passionierte Zierfisch-Besitzer hinterher. Zutraulich steckt er dabei seine Finger ins Wasser. Ein Schwarm von Kois und Goldfischen schwimmt seiner Hand entgegen, um sie zu liebkosen. Kurt beschreibt, dass die Fische ihm folgen wie ein Hund, wenn er um den Teich geht oder ihn über die Brücke überquert. Er muss es wissen, denn er hatte jahrelang einen Schäferhund.

Vielleicht ist es die ruhige Art, die sowohl Birgit als auch Michael Kurt ausstrahlen. Täglich geht er mit seinem Neoprenanzug in den Teich, um die Fische zu füttern und um mit ihnen zu „schmusen“, beschreibt er strahlend die gegenseitige Zuneigung. Seine 49-jährige Frau wacht genauso über die etwa 30 Kois – davon zwölf große – ungefähr 80 Goldfische und zwei Störe. Zwar haben beide akribisch Schnüre um den Teich gespannt, um den Fischreiher fernzuhalten, aber der Vogel ist listig. „Der Fischreiher ist der größte Feind der Teichbesitzer“, erklären beide. Aus ihrer Erfahrung wissen sie, dass zu 80 Prozent der Vogel gewinnt. „Der macht den ganzen Teich leer – bis auf den letzten Fisch“, mahnt Michael Kurt.

Jedoch gibt es in den Osterdörfern mehrere Teichbesitzer, die sich gegenseitig warnen – speziell in Arlewatt. „Die Alarmierung folgt per Telefon“, erklärt Birgit Kurt, die stundenweise an der Fensterscheibe wacht, um dem Fischreiher zu signalisieren, dass er dort keine Chance hat.

Vor fünf Jahren als der lange, harte Winter Nordfriesland unter einer Schnee- und Eisdecke begrub, verloren die Kurts 90 Prozent ihrer Fische. „Ich war zu blauäugig“, gibt der Verkaufsleiter eines Lebensmittelgroßhandels auf Eiderstedt zu. Er hatte seinen Teich mit Schnee aufgeschüttet, damit es die Fische wärmer haben. Doch somit nahm er ihnen jeglichen Sauerstoff und das Licht. Nun haben sie eine Teichheizung, die zusätzlich verhindert, dass das gesamte Gewässer zufriert. Ein Loch bleibt frei. Die Wasserqualität sei wichtig für Kois. Deswegen nehmen die Kurts Wasser aus der Leitung, Brunnenwasser sei nicht geeignet. „Aber das Wasser ist nicht das teuerste, sondern der Strom“, betont die pharmazeutisch-technische Assistentin, weil eine Pumpe unentwegt 12    000 Liter Wasser fördert. Dieses Gerät wird für den 30   Quadratmeter großen Teich benötigt, um es sauber zu halten, vor Algen zu schützen. „Außerdem scheiden die Fische ihr Fressen innerhalb einer Stunde wieder aus“, betont Kurti, wie er nicht nur von Freunden genannt wird, sondern sich auch am Telefon meldet. Auch das UV-Licht leuchtet von April bis Oktober 24 Stunden täglich. In den anderen Monaten bilden sich keine Algen, weiß das Ehepaar aus Erfahrung, und die Fische wollen ihre Ruhe haben: „Die sind im Dämmerzustand.“ Außer die Störe, die müssen auch im Winter gefüttert werden. Aber auch dann fressen die Kois nichts. Sobald sich die Temperaturen verringern, kreisen die Kois nicht mehr wie gewohnt, erklärt Kurt. Hingegen springen sie in lauen Sommernächten sogar aus dem Wasser und schnappen nach Fliegen sowie Mücken.

Wie der Fischreiher auf die Kois lauert. „Der hat uns schon an die 1500 Euro geraubt“, beziffert der gelernte Schriftsetzer und Groß- und Außenhandelskaufmann den Verlust in Zahlen. In zwei Dekaden hat die Kurts ihr Hobby hingegen schon eine Summe im fünfstelligen Bereich gekostet. Dennoch werden weiterhin gern die zusätzlichen monatlichen Kosten gezahlt, damit auf ihrem gemeinsamen Weg die Zucht von Kois irgendwann doch noch gelingt. „Aber dafür benötigen wir noch einen weiteren Teich“, erklärt Kurt abschließend, um den trächtigen Fisch von der habgierigen Meute zu isolieren. Und dann trägt das Fischerdorf zurecht seinen Namen.

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