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Zurück in die Vergangenheit : Der Mann vom Dorf mit dem Benzin im Blut

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Adolf Trede betreibt in Osterwittbekfeld ein einzigartiges Tankstellenmuseum mit mehr als 150 Zapfanlagen. Gut die Hälfte von ihnen ist noch voll funktionsfähig. Doch damit nicht genug, es gibt in Osterwittbekfeld auch einige Oldtimer zu bestaunen.

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erstellt am 22.Mai.2014 | 21:00 Uhr

Viele Schleswig-Holsteiner haben noch nie etwas von Osterwittbekfeld gehört. Der Mercedes-Vorstand aber schon, denn der hat sich bereits einmal geschlossen auf den Weg in den kleinen Ort gemacht. Was lockt Industriebosse und Autofreunde in den hohen Norden? Darauf gibt es nur eine Antwort: Adolf Tredes Zapfsäulen-Museum. Zwar gibt es viele Sammler historischer Tankstellen, doch was der heute 78-jährige Adolf Trede im Laufe der Jahre gesammelt hat, sprengt bei weiten den üblichen Rahmen. Schließlich finden sich in seinem Museum mehr als 150 Zapfsäulen, von denen immerhin noch gut die Hälfte voll funktionsfähig ist. Kein Wunder, ist der rüstige Rentner doch in seinem aktiven Arbeitsleben Fachmann für Tankanlagen gewesen. Nicht nur für die kleinen Zapfsäulen, sondern auch für die auf den Flugplätzen der Bundeswehr.

Ein kurzer Blick in sein Museum lässt die Augen eines jeden Sammlers leuchten, denn es finden sich nicht nur die ersten Zapfsäulen aus der Zeit, als das Automobil langsam die Straßen eroberte – wie etwa eine englische Einkolben-Handpumpe – sondern natürlich auch das typische Tankstellen-Zubehör. Dazu gehören Fahnen, Ölkannen, Eimer, Zündkerzen und natürlich auch Zweitaktmischer. Eben alles, was der Autofahrer seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts vorfand, wenn er sein Fahrzeug auftanken ließ. Besonders faszinierend: Die Kraftfahrer der frühen 20er und 30er Jahre konnten vielfach noch selbst die Güte ihres Kraftstoffs mischen, beziehungsweise auf Wunsch zusammenstellen lassen. Zwei Handpumpen, später auch elektrische, sorgten für jeweils fünf Liter Benzin und Benzol, die in ein Schauglas liefen. Je nach der Güte des verlangten Superbenzins, wurden dann die Stoffe zusammengeführt. Außer einem kleinen Warnhinweis, dass im Umkreis von fünf Metern nicht geraucht werden durfte, wurde aber nicht weiter auf die gesundheitlichen Gefahren der Benzoldämpfe hingewiesen.

Adolf Trede liebt seine Zapfsäulen. „Die deutsche Wiedervereinigung war geradezu ein Geschenk für mich“, gesteht er freimütig, denn viele seiner Schätze hat er aus Ostdeutschland geholt. So fand er unter anderem eines seiner schönsten Stücke, wie er selbst sagt, in einem Hinterhof in einem Hühnerstall. „Da waren sogar noch die Glaskolben intakt, allerdings war das Blech doch schon ziemlich durchgerostet.“ Für den gelernten Kraftfahrzeugmechaniker keine große Sache, denn auch mit Metall kennt er sich aus. Zudem hat er in seiner 35-jährigen Sammlerzeit viele Zapfsäulen in einem so desolaten Zustand gefunden, dass sie ausgeschlachtet wurden, sein Ersatzteillager also schier unerschöpflich zu sein scheint.

Kaum hat sich die Tür des Museums geöffnet, liegt ein ganz leichter Hauch nach Benzin in der Luft, allerdings so schwach, dass der Besucher schon eine feine Nase haben, oder aber sich in das Innenleben einer Säule vertiefen muss – auch das ist möglich, denn es gibt auch zwei „Skelette“ zu sehen. So können die mechanischen Zählwerke genau in Augenschein genommen werden. Und Adolf Trede räumt mit einem sich hartnäckig haltenden Gerücht auf. „Die Anlagen waren nur ganz schwer zu manipulieren. Ich habe da eigentlich nie etwa gefunden, schließlich war ich auch für das Eichen zuständig.“ Einmal allerdings, erzählt er, hätte ein Tankstellenbesitzer zu manipulieren versucht, doch das sei nicht so richtig gelungen, denn er hatte direkt die Zahlen am Zählwerk übermalt.

Bis zu zehn Stunden am Tag werkelt der Wittbeker an seinen Zapfsäulen herum. Doch die vergangenen Wochen hat er sein großes Hobby ein wenig vernachlässigen müssen. Der Grund: In seinem kleinen Wald hat Orkan „Christian“ viele, viele Bäume umgeworfen. „Da musste ich mich erstmal drum kümmern, ich bin eigentlich mehr im Wald als in meiner Werkstatt“, erzählt Adolf Trede.

Der Nordfriese, der auch leidenschaftlicher Jäger und Trapp-Schütze ist, reist sehr viel, denn immer wieder werden ihm Hinweise auf Kostbarkeiten aus längst vergangenen Tankstellenzeiten zugetragen. Selbst renommierte Museen haben sich schon bei ihm bedient, besser bei seinem großen Fundus. Doch ganz ohne sein Hobby geht es nicht, denn seine Werkstatt ist so gut ausgerüstet, dass er dort nahezu alle Arbeiten an „Wracks“ verrichten kann, so dass sie später wieder wie neu aussehen. „Eigentlich sind die Zapfsäulen aber sehr robust“, verrät Trede, sie sind fast immer mit einer harten Emailleschicht versehen und wiegen zwischen 150 und 200 Kilogramm. „Also sehr stabil.“ Bei den etwas neueren Säulen wurde hingegen schon Aluminium eingesetzt, so dass sie leichter sind. Viele Bauteile haben sich in den Jahrzehnten kaum verändert, wie die Pumpen und die Gasabscheider, die die Luftblasen entweichen lassen, damit der Kraftstoffstrom nicht beeinträchtigt wird.

Feste Öffnungszeiten hat das Tankstellenmuseum in Osterwittbekfeld nicht. Interessenten sollten sich daher bei Adolf Trede unter Telefon 04845/277 oder E-Mail Adolf.Trede@t-online.de anmelden.

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