Oster-Ohrstedt : Der Mann für hoffnungslose Fälle

Für Arno Belasus war die Restaurierung dieser beiden Stühle eine besondere Herausforderung.
Für Arno Belasus war die Restaurierung dieser beiden Stühle eine besondere Herausforderung.

Im Schleswiger Kloster tauchten Stühle aus der Zeit Napoleons auf – ihr Zustand war erbärmlich, doch Arno Belasus macht aus ihnen wieder Schmuckstücke.

shz.de von
14. Februar 2018, 12:00 Uhr

In Fachkreisen gilt Arno Belasus als Spezialist für hoffnungslose Fälle. Und fast aussichtslos erschien auch die Wiederherstellung von vier sehr alten Stühlen, die Priörin Ina von Samson-Himmelstjerna im Keller des Schleswiger Sankt-Johannis-Klosters entdeckte.

„Die Restaurierung dieser Stühle war ein Auftrag ganz nach meinem Geschmack“, sagt der Raumausstattermeister aus Oster-Ohrstedt lächelnd. „Da ich früher sehr häufig für europäische Königshäuser tätig war, habe ich eine besondere Affinität zu solchen Möbelstücken“, verrät der 72-Jährige, der kurz vor seinem 50-jährigen Betriebsjubiläum steht und erzählt, dass er sich mit echter Begeisterung an diese Arbeit gemacht hat – und das, obwohl die Stühle bei ihrer Ankunft in seiner Werkstatt in einem ganz erbärmlichen Zustand waren. Das Holz wirkte schimmelig, und die edlen, roten Bezüge rissen schon bei der geringsten Berührung. Darauf zu sitzen, kam nicht mehr in Frage.

Von der Priörin erfuhr er, dass die Stühle einst als Spende des Klosters in Preetz nach Schleswig gekommen waren. In Preetz vermutet man, dass sie aus der Zeit von Königin Luise von Preußen (1776-1810) und Napoleon Bonaparte (1769-1821) stammen. „Also sind sie tatsächlich weit mehr als 200 Jahre alt“, fühlte sich Belasus in seiner fachkundigen Einschätzung bestätigt und auch darin, dass es sich ursprünglich um Kirchenmobiliar gehandelt haben muss: „Darauf lässt das angedeutete Kreuz im Stuhlrücken schließen“, erklärt er.

Acht Wochen lang hatte er gut damit zu tun, die Sitzflächen nach alter Handwerkskunst neu zu polstern. So wie es früher üblich war, wurden die Federn sorgfältig gegurtet und geschnürt. Dann kam schützender Leinenstoff darüber und schließlich die Polsterung, die meist aus Flachs, Palmfaser oder Rosshaar besteht. Zahllose feine Nähte belegen, dass der Fachmann alles fein säuberlich per Hand vernäht hat, Stich für Stich. Das schmeichelt auch der Optik des edlen roten Mohairstoffs, mit dem die Sitzflächen und Armlehnen neu bezogen wurden. „So, wie ich die Stühle jetzt aufbereitet habe, halten sie locker noch einmal 20 bis 30 Jahre“, davon ist Arno Belasus fest überzeugt.

Und weil er niemals halbe Sachen macht, hat er die Polster zusätzlich mit einer goldbedampften Borte verziert, das Holz mit Schellack auf Hochglanz poliert und zudem edle Kordeln angefertigt, mit denen die Stühle „gesperrt“, also bei Bedarf vor einer allzu intensiver Nutzung geschützt werden können. Dennoch sollen sie im Kloster nicht nur zum Anschauen da sein: „Zu besonderen Anlässen wollen wir die Stühle auch benutzen“, versprach Ina von Samson-Himmelstjerna bei einer spontanen Stippvisite in Oster-Ohrstedt und freute sich über die gute Nachricht, dass die Schmuckstücke so gut wie fertig sind. Der Restaurator wird sie persönlich nach Schleswig bringen, um zu sehen, welch zusätzlichen Glanz „seine“ Stühle dem Kapitalsaal des Klosters verleihen werden.

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