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Kinderfest Bredstedt : Der Luftballon-Start ist Geschichte

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach Kritik durch Naturschutzvereine verzichtet der Bredstedter Handwerkerverein erstmals seit 57 Jahren auf den Luftballon-Wettbewerb. Dieses Jahr sollen stattdessen Tauben fliegen.

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2016 | 10:00 Uhr

Am 6. Juli 1959 sind beim Bredstedter Kinderfest erstmals die bunten Luftballons in den Himmel gestiegen – jetzt, 57 Jahre später, ist damit Schluss.

Seit Jahren schon gibt es Kritik an derartigen Aktionen. Auch an die Stadt Bredstedt und den Handwerkerverein als Veranstalter des Kinderfestes waren immer wieder Einwände herangetragen worden. Im vergangenen Jahr hatte Timo Viertel als neuer Vorsitzender des Handwerkervereins Post vom Eiderstedter Verein „Küste gegen Plastik“ bekommen, der sich gegen die Plastikverschmutzung der Meere einsetzt: „Verzichten Sie doch bitte darauf, auf dem Kinderfest Luftballons steigen zu lassen“, schrieb die Vorsitzende Jennifer Timrott damals.

„Es ist immer wieder erschreckend, wie viele Luftballon-Reste man hier auf den Halligen und an der Festlandsküste im Flutsaum findet. Diese Ballons und ihre Fragmente stellen für Meerestiere eine große Gefahr dar. Sie können mit Nahrung verwechselt werden – mit tödlichen Folgen. In den Ringelbändern, mit denen der Ballon gehalten wird, verheddern sich Tiere und kommen darin um.“

Die Ballons verbleiben in jedem Fall mehrere Monate in der Umwelt, sagt Timrott. „Im Meer kann es noch deutlich länger dauern, weil niedrige Temperaturen und wenig Sonneneinwirkung den Zerfall noch einmal stark verlangsamen.“ Die Bänder, an denen die Gewinnkarten befestigt wurden, sowie Kunststoff-Ventile aus Plastik benötigten zudem noch deutlich längere Zeiträume, um abgebaut zu werden. Sie zerfallen erst nach vielen Jahren in Mikroplastik und bilden eine große Gefahr für eine Vielzahl von Lebewesen. „Und dann landen sie mit dem Fisch auch wieder auf unserem Teller“, so die Umweltschützerin.

Der Luftballon-Wettbewerb war ursprünglich zum 100-jährigen Bestehen des Handwerkervereins eingeführt worden. Laut dem Protokollbuch des Kinderfest-Veranstalters wurde in der Sitzung des 30. Juni 1959 beschlossen, dass die Schüler für den nächsten Umzug mit einem heliumgefüllten Ballon sowie einer daran befestigten Karte ausgestattet werden sollten, um diese vom Marktplatz aus starten zu können. Auf der Karte wurden zuvor der Name des jeweiligen Kindes vermerkt sowie der Zweck der Aktion beschrieben. Die Rücksendungen aus den am weitesten entfernten Orten gewannen: Für Platz eins gab es zwölf Mark, für den zweiten Platz acht Mark und fünf Mark für den Drittplatzierten – jeweils für Kind und Finder.

Nach der Kritik hat der Vorstand des Handwerkervereins nun einstimmig beschlossen, künftig auf den Start zu verzichten, sagt Timo Viertel. Auch die Stadt unterstützt diesen Entschluss. „Es fehlen letztendlich Argumente, bei den traditionellen Luftballons mit Bindfaden zu bleiben“, sagt Bürgermeister Knut Jessen. Stattdessen sollen in diesem Jahr Brieftaubenzüchter nach Bredstedt kommen und dort mehrere Hundert Tauben in den Himmel steigen lassen. „Sobald sie in der Luft sind, drehen sie eine Runde und dann sind sie auch schon wieder weg“, erklärt Sönke Petersen, Vorsitzender des Regionalverbands der Taubenzüchter. Sorgen, dass Tiere in der Stadt zurückbleiben könnten, müsse sich deswegen niemand machen.

Ansonsten werde sich im Vergleich zum Vorjahr wenig am diesjährigen Kinderfest ändern. Der Sonnabend (16. Juli) beginnt mit den Spielen für die Schüler, abends soll es erstmals wieder eine öffentliche Helferparty geben. „Für die Zukunft kann ich mir an den Abenden auch ein Open Air mit Musik vorstellen“, sagte Viertel bereits im vergangenen Jahr.

Am Sonntag wird dann zum zweiten Mal ein Kunsthandwerkermarkt veranstaltet, nachmittags startet der Umzug mit dem Brieftauben-Start und am Abend wird das Fest mit dem traditionellen Bunten Rasen enden. Das gesamte Programm folgt.

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