Marschbahn nach Sylt : Der lange Weg zum zweiten Gleis

Den durchgehend zweigleisigen Ausbau der Marschbahn wünschen sich die Interessenvertreter der Region.
Den durchgehend zweigleisigen Ausbau der Marschbahn wünschen sich die Interessenvertreter der Region.

Berlin will zeitnah entscheiden, ob der Marschbahn-Abschnitt Niebüll-Klanxbüll in den Vordringlichen Bedarf aufsteigt.

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24. Januar 2018, 14:00 Uhr

Niebüll | In Berlin ist man dran an dem für Nordfriesland so wichtigen Thema: In der Bundeshauptstadt wird zurzeit intensiv untersucht, ob der durchgängige zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke zwischen Niebüll und Klanxbüll in den „Vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans 2030 aufsteigen kann. Bisher rangiert die Ausbaustrecke im Zuge der Marschbahn lediglich unter „Potenzieller Bedarf“.

Der Leiter der Abteilung Grundsatzangelegenheiten im Bundesverkehrsministerium, Dr. Gerhard Schulz, hat dem Kreis Nordfriesland jetzt mitgeteilt, dass die Bewertung des Projektes „zeitnah“ abgeschlossen werden soll. Ein konkretes Zeitfenster nennt er in seinem Schreiben im Auftrag des Bundesministers an Kreispräsident Heinz Maurus und Landrat Dieter Harrsen allerdings nicht. Entscheidende Kriterien bei der Einstufung des Projektes werden letztlich eine nachgewiesene Wirtschaftlichkeit des Infrastruktur-Vorhabens und die sogenannte verkehrliche Erschließungswirkung sein – aus nordfriesischer Sicht vor allem die Anbindung der Insel Sylt.

Im neuen Bedarfsplan für die Bundesschienenwege steht in Berlin freilich eine Vielzahl weiterer noch offener Vorhaben des „Potenziellen Bedarfs“ auf dem Prüfstand. Deshalb hatten das Land Schleswig-Holstein und der Kreis Nordfriesland zuletzt noch einmal nachgelegt, um dem Anliegen der Region Nachdruck zu verleihen. So beschloss der nordfriesische Kreistag in seiner Sitzung am 15. Dezember einstimmig einen offiziellen Antrag an Bundesregierung und Bundestag, den Ausbau der Bahnstrecke Niebüll-Klanxbüll in der Bedarfs-Skala des Bundes aufsteigen zu lassen. Zu diesem flankierenden Vorstoß hatte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) den Kreis Nordfriesland ausdrücklich ermuntert.

Bei einer Sondersitzung des Kreistages Ende November hatte er zuvor unter dem Eindruck der nicht enden wollenden Verkehrs-Misere an der nördlichen Westküste angekündigt, seitens des Landes die zweieinhalb bis drei Millionen Euro teuren Vorplanungen für den zweigleisigen Ausbau auf dem Streckenabschnitt Niebüll-Klanxbüll selbst anzuschieben und vorzufinanzieren (wir berichteten). So soll die Umsetzung des Projektes nun endlich vorangebracht werden, nachdem sich in der Vergangenheit viele Jahre lang in punkto zweigleisiger Ausbau der gesamten Marschbahn und deren Elektrifizierung nichts wirklich Bahnbrechendes getan hatte. Dem Kreis Nordfriesland hat Minister Buchholz überdies ans Herz gelegt, sich ebenfalls finanziell an den Planungsleistungen zu beteiligen. Denn das, so sein Credo, würde – wohl auch in Berlin – „als ein positives Signal gesehen werden“.

In dieser Frage steht die Nagelprobe allerdings noch bevor. Zuletzt ließen sich die Mitglieder des Kreis-Wirtschaftsausschusses zunächst noch einmal auf den Stand bringen, welche Anregungen andere Akteure für diese Thematik haben, wie die gemeinsame Initiative der Norddeutschen Eisenbahngesellschaft Niebüll GmbH (NEG) und der Insel- und Halligkonferenz: Neben einer vollständig zweigleisigen Strecke zwischen Niebüll und Klanxbüll soll zwischen Westerland und Niebüll eine Oberleitung für den elektrischen Bahnbetrieb geplant werden. Auf Sylt ist ein Autoverlade-Terminal im Bereich des NEG-Güterbahnhofs Tinnum angedacht. Untersucht werden soll auch die Frage, wie die Elektrifizierung via Oberleitung ab Niebüll auf dem Festland fortgeführt werden kann.

NEG-Geschäftsführer Ingo Dewald verwies auf einen entsprechenden Antrag, der dem Kreis vorliegt, und erklärte in der Runde im Husumer Kreishaus: „Das Ziel heißt Baurecht, und wenn es dann da ist, wird’s auch Geld geben.“ Probleme hält er für lösbar: „Funktioniert das auch mit dem Autozug? – ich behaupte Ja!“ Da bei dem Projekt auch eine Reaktivierung der Bahnstrecke Niebüll-Flensburg – dort fährt heute ein Schnellbus – im Raum steht, stellte Landrat Dieter Harrsen flugs klar, dass die Beschlusslage des Kreistages in Sachen Marschbahn eine andere ist: „Der Kreis Nordfriesland sieht die Priorität bei einer durchgehenden Zweigleisigkeit und Elektrifizierung.“ Dahinter steht die Sorge, dass eine neue Bahnverbindung über Flensburg zu Lasten der Marschbahn südlich von Niebüll gehen könnte.

Manfred Uekermann, CDU-Fraktions-Chef und Vorsitzender der Insel- und Halligkonferenz, verwies denn auch auf die klare Beschlusslage, die Marschbahn stärken zu wollen: „Vordringlich ist immer noch der zweigleisige Ausbau ab Niebüll, aber wir müssen uns auch mit Niebüll-Flensburg auseinandersetzen.“

In den Themenkomplex spielt überdies noch die Tatsache hinein, dass der Kreis nach dem erklärten Willen aller Kreistagsfraktionen zur Wasserstoff-Modellregion werden möchte. Dadurch eröffnen sich Zukunftschancen – nicht nur auf der Straße, sondern womöglich auch auf der Schiene. Harrsen formuliert es so: „Beim Thema Wasserstoff ziehen wir alle an einem Strang und in die gleiche Richtung.“

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