zur Navigation springen

Planungsraum I unter einem Hut : Der lange Weg zum besten Fahrplan

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg arbeiten mit der Stadt Flensburg an einem gemeinsamen Nahverkehrskonzept.

von
erstellt am 16.Mai.2017 | 16:00 Uhr

Selbst logisch denkende Menschen stehen vor einer echten Herausforderung, wenn es darum geht, für eine ambitionierte Modelleisenbahn mit einer Handvoll Haltestellen, Gegenverkehr und drei Abstellgleisen einen funktionierenden Fahrplan zu erstellen. Was zurzeit in den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg sowie in der Stadt Flensburg unter dem Namen Regionaler Nahverkehrsplan erarbeitet wird, ist dagegen eine ganz andere Hausnummer.

Es geht eigentlich „nur“ darum, „eine ausreichende Grundmobilität aller Bevölkerungsgruppen zu gewährleisten“ und die Attraktivität des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) so zu steigern, dass eine „sinnvolle Alternative zum motorisierten Individualverkehr angeboten werden kann“. Das alles natürlich barrierefrei (bis 2022 sollen alle Haltestellen für jeden erreichbar sein), ökologisch korrekt, unter Einbeziehung des Schülerverkehrs, der Interessen aller betroffenen Gemeinden und der jeweiligen „wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit“ der drei ÖPNV-Träger.

Zwar gibt es bereits Verkehrspläne in den beiden Kreisen und in Flensburg, auf die man aufbauen könnte – die allerdings sind in diesem Fall nur bedingt hilfreich, denn durch die geplante Verzahnung werden viele der bisher geltenden Regelungen verändert.

Im Prinzip soll der Busverkehr in drei Kategorien aufgeteilt werden: Die am höchsten frequentierten und wichtigsten Linien zwischen den Städten bilden das Grundgerüst. Dabei handelt es sich unter anderem um die Verbindungen zwischen Niebüll, Husum, Flensburg, Handewitt, Schleswig und Kappeln, aber auch eine Linie zwischen Husum, Tönning und St. Peter-Ording.

Dazu sollen regelmäßig Busse etwa jeweils zwischen Nordfrieslands Kreisstadt und Nordstrand, Hattstedt (über Wobbenbüll), Hollingstedt (via Wittbek und Ostenfeld) oder Erfde (über Schwabstedt) fahren. Verknüpfungen von Leck und Schafflund über Achtrup, Ladelund und Medelby sowie Bredstedt und Flensburg mit Halt in Joldelund und Lindewitt sind in diesem Zusammenhang kreisübergreifende Beispiele für das Konzept auf Netzebene zwei.

Es folgt ein Geflecht von Nebenstrecken, das alle größeren Orte in den beiden Kreisgebieten abdeckt. Ergänzt wird das Angebot auf der sogenannten dritten Ebene unter anderem durch Sammeltaxis und Rufbusse.

Nach Monaten zäher Arbeit an dem Konzept kamen jetzt die zuständigen Ausschüsse der beiden Kreise und der Stadt im Flensburger Rathaus zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Einziger Tagesordnungspunkt: die Diskussion und die Genehmigung des 500 Seiten starken Entwurfs. Als Grundlage dienen auch 160 weitere Seiten, auf denen Gemeinden, Ämter, Verbände und Parteien ihre Kritik und ihre Anregungen auflisten.

Neben der Komplexität der Aufgabe, die Bedürfnisse und Besonderheiten von drei Gebietskörperschaften bestmöglich miteinander zu verzahnen, lässt sich dem Schriftstück vor allem eines entnehmen: Es gibt noch jede Menge Gesprächsbedarf. Wenn es um Details geht, wird denn auch darauf verwiesen, dass der Regionale Verkehrsplan lediglich „Mindestbedienvorgaben definiert, die als untere Grenze anzusehen und Ergebnis der Berücksichtigung unterschiedlicher Kriterien sind“.

Das macht insofern Sinn, als es eine Reihe von verkehrspolitischen Zielsetzungen gibt, die unter einen Hut gebracht werden müssen. Schließlich wurde ja auch schon in der Vergangenheit auf diesem Gebiet gearbeitet. Allein in Nordfriesland haben sich daraus einige Grundsätze für die Weiterentwicklung des ÖPNV ergeben – wie zum Beispiel weniger CO2- Ausstoß, eine weiterhin von Elternbeiträgen befreite Schülerbeförderung oder die Verbesserung der touristischen Infrastruktur.

  Erstellt hat das Konzept zum Regionalen Nahverkehrsplan die Iges GmbH mit Sitz in Berlin – ein führendes Institut, wenn es darum geht, Analysen für Infrastruktur zu erstellen. Der Auftragnehmer hat den Planungsraum 1 komplett unters Mikroskop gelegt und dafür ein umfangreiches Paket von Empfehlungen geschnürt. Dazu gehört unter anderem die Prüfung, ob sich die Region nicht besser an die Hochschuleinrichtungen anbinden ließe, indem man einzelne Fahrten der Regionalbusse aus Nordfriesland über den Bahnhof in Flensburg zum dortigen Campus verlängert.

Ein weiterer Handlungsschwerpunkt liegt darauf, die Nachfrage bei der kreisübergreifenden Schülerbeförderung zu bündeln – durch eine Verknüpfung mit den Linien höherer Netzebenen über Zubringerbusse. Außerdem ist davon die Rede, den Komfort zu verbessern: Dazu sollen an wichtigen Haltestellen der kreisübergreifenden Linien überdachte Wartestände und Sitzgelegenheiten eingerichtet werden.

Alles in allem gibt es für alle Beteiligten noch viel zu tun, bevor das Konzept realisiert werden kann. Eines der Hauptprobleme ist dabei die besagte Schülerbeförderung: Die Schließung von kleinen Schulen, veränderte Schülerzahlen und zunehmender Nachmittagsunterricht erschweren eine zuverlässige und langfristige Planung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen