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Husumer Seglerverein : Der lange Weg in die neue Saison

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Jetzt ist es endlich soweit: Die clubeigene Halle auf der Rödemishallig wird am Sonnabend (12. April) geräumt. Dann kommen die Boote des Husumer Seglervereins wieder ins Wasser. In den vergangenen Wochen hatten die Mitglieder fieberhaft auf diesen Tag hingearbeitet.

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erstellt am 12.Apr.2014 | 08:00 Uhr

Es ist frisch an diesem Morgen. Aber davon merkt Matthias Schenke nichts. Der braune Blaumann schützt ihn vor Wind und Wetter. Außerdem hat der Zahnarzt im Ruhestand bis zum Auftakt der neuen Segelsaison am Sonnabend (12. April) noch alle Hände voll zu tun. Überall am Boden, aber auch an Deck seines aufgebockten Bootes liegen Werkzeug und Material herum. Und in der Messe sieht es aus wie bei Hempels unterm Sofa. „Ob ich das noch schaffe, weiß ich nicht“, sagt Schenke. Aber ins Wasser kommt das Boot auf jeden Fall, selbst wenn der neue Mahagoni-Fußboden in der Messe noch nicht fertig sein sollte . . . „Meine Frau sagt immer: ,Früher hast Du angefangen zu schleifen, wenn die anderen schon beim Lackieren waren. Sollte sich das nicht irgendwann mal ändern?‘ Nun, ich arbeite dran.“

Aber nicht nur Schenke hat in diesen Tagen viel zu tun. Quasi im Minutentakt kommen Club-Kollegen herein, um nach dem Rechten zu sehen. Und vor der Halle sprüht eine Schleifmaschine einen Kranz aus Funken. Simon Zink repariert eine kaputte Schiffsreling.

Um diese Zeit herrscht hier immer Hochbetrieb, erklärt der Vorsitzende des Husumer Seglervereins, Hargen Johannsen. „Die Unterwasserschiffe müssen geschliffen und mit Antifouling behandelt werden, bevor sie in Wasser kommen“, sagt er. „Anders als in der Ostsee fallen die Boote in der Nordsee ja manchmal flach. Deshalb muss unter Wasser alles schön glatt sein: „Aber ein paar Pocken setzen sich trotzdem immer fest.“

Nicht nur das Schiff selbst, auch Motor, Ruderanlage, Masten, Segel und das gesamte Zubehör werden einer eingehenden Prüfung unterzogen und nötigenfalls repariert. „Wenn draußen auf See was nicht funktioniert, ist das immer schlecht“, wissen die beiden Männer aus Erfahrung.

Die meisten der 144 Vereinsmitglieder sind Segler. Es gibt aber auch ein paar Motorsegler. „Und eine relativ große Jugendabteilung“, ergänzt Johannsen, der anders als Schenke gern auch an Regatten teilnimmt. Auf die 45 Boote verteilen sich rund 100 Aktive. „Nicht jeder hier hat ein eigenes Schiff“, berichtet Johannsen.

Schenke schon. Und damit ist er unterwegs, so oft es geht. Meistens allein. „Meine Frau kann das Segeln nicht so gut ab“, sagt er. Damit es auch ohne helfende Hände geht, hat er sein Boot kräftig umgebaut und mit einem Heckstrahler ausgestattet. Aber nicht nur das: Um das Boot bei Manövern im Hafen immer unter Kontrolle zu haben, musste auch noch ein vorderes Querstrahlruder her. „Matthias ist unser Tüftler“, sagt Johannsen, und wie zur Bestätigung zeigt der Clubkollege auf das Heckruder, dass er in Eigenarbeit umkonstruiert und mit einem Klappschwert versehen hat, „weil das Boot so besser geradeaus läuft“. Die anderen freuten sich schon immer über seine Konstruktionen, frotzelt Matthias Schenke.

Wie seine Club-Kollegen bringt auch Johannsen sein Boot Jahr für Jahr auf Vordermann, bastelt aber weniger daran herum. „Bei Regatten müssen ja auch nicht-gleiche Schiffe im Verhältnis zueinander segeln können “, erklärt der Club-Chef. Daher dürften diese Boote nicht nach Gutdünken umgebaut werden.

Dass auf Rödemishallig gerade jetzt so viel los ist, hat aber nicht nur mit dem bevorstehenden „Ansegeln“ zu tun. „Tatsächlich können wir hier im Winter so gut wie gar nichts machen“, erläutert Schenke: „Viel zu kalt. Deshalb schleifen viele ihre Boote bereits im Herbst und andere – so wie ich – eben erst jetzt“, fügt er lachend hinzu.

Und wohin geht’s, wenn die Schiffe endlich im Wasser sind? „Unterschiedlich“, antworten die Segler. „Unser Revier ist das Wattenmeer bis hinauf nach Sylt. Manch einer fahre aber auch bis Helgoland. Und im Sommer gibt es Sammeltouren nach West- und Ostfriesland.“ Zwei Club-Mitglieder hätten sich sogar schon über den Atlantik gewagt. Die Nordsee schätzt Schenke, weil sie wegen der Tide nicht so überlaufen ist.

Hat schon mal jemand den Saisonstart verpasst? Johannsen und Schenke grinsen vielsagend. Manchmal werde es eng, ja, aber in der Regel hätten es bisher immer noch alle geschafft. Und wenn ab 11 Uhr ein Kran die vereinseigene Armada ins Wasser lässt, wird gewiss keiner fehlen – auch, wenn die Club-Mitglieder danach wieder überwiegend allein oder mit der Familie und Freunden in See stechen.

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