Die Folgen des Dauerregens : Der Keller wird zum Feuchtgebiet

Die meisten Keller neigen irgendwann zu Leckagen, weiß Kai Petersen.
Die meisten Keller neigen irgendwann zu Leckagen, weiß Kai Petersen.

Die großen Regenmengen der vergangenen Monate setzen nicht nur den Bauern zu: Auch die Bausubstanz leidet. Vor allem Schimmelbildung kann für Haus und Menschen zur Gefahr werden.

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04. Februar 2018, 18:00 Uhr

Gefühlt ist gefühlt. Aber manchmal eben auch mehr. Drei Tage Regenwetter am Stück zum Beispiel mögen Menschen zu der voreiligen Annahme verleiten, dass es den ganzen Sommer über gegossen hat. Und manchmal stimmt das gefühlte Wetter sogar mit der Realität überein. Das scheint auch jetzt gerade der Fall zu sein. So sieht es jedenfalls Kai Petersen. Der Mann ist Experte für Feuchte, und die gibt es derzeit zuhauf, vor allen in Kellern. Kein Wunder: Seit Juni 2017 hat es kaum jemals mehr als drei regenfreie Tage am Stück gegeben. „Und das Wasser muss ja irgendwo hin“, sagt der Chef von Isotec Husum, einem Unternehmen, das sich auf die Beseitigung von Schimmel- und Feuchtigkeitsschäden sowie auf Gebäudetrocknung und Bautenschutz spezialisiert hat.

Über einen Mangel an Aufträgen kann sich Petersen derzeit nicht beklagen. Aber noch größer ist die Zahl derer, die seinen und den Rat seiner Mitarbeiter suchen, weil ihre Häuser dem Wasserdruck nicht mehr standhalten. Denn lange nicht jede Anfrage ist mit einem Auftrag verbunden. Wie sagt Petersen: Die neue Küche zeigt man Besuchern lieber als eine sanierte, vormals nasse Kellerwand.

„Was die Situation so zuspitzt, lässt sich längst auch an trockenen Tagen gut beobachten“, ruft der Experte Felder und Flüsse ins Bewusstsein, die seit Wochen überflutet oder bis oben hin voll sind. „Das Wasser kann nicht absickern. Gleichzeitig wächst der Druck von unten“, sagt er mit Blick auf steigende Grundwasserspiegel. Hinzu komme, dass die Außenabdichtungen vieler Häuser, die vor den 1980er Jahren gebaut wurden, ihren Zenit überschritten haben und erste Leckagen aufweisen.

„Sie müssen sich das wie eine alte Jeans vorstellen“, beschreibt Petersen die Situation. Mit der Zeit wird das Gewebe fadenscheinig und reißt. So verhält es sich auch mit der Außenhaut eines Hauses.“ Aber nicht nur alte Häuser sind von Feuchte betroffen. Auch bei Neubauten werden immer wieder Fehler gemacht, die teilweise kostenintensive Sanierungen nach sich ziehen. „Vor einiger Zeit hatten wir einen Fall auf Eiderstedt“, sagt Petersen. „Da wurde ein neuer Estrich geschüttet, aber anschließend nicht richtig gelüftet. Die Feuchtigkeit zog nach oben und nistete sich in den Dachbalken und der Dämmung ein.“ Ergebnis: Schimmelbildung. „Und am Ende mussten die komplette Dämmung wieder herausgerissen und sämtliche Holzbalken umfangreich saniert werden.“ Ein Schaden von 20 000 Euro.

Überhaupt: „Schimmel ist das Zauberwort – allerdings eines, von dem keinerlei Zauber ausgeht“, sagt Petersen. Im Gegenteil: Ist er erst einmal im Haus, lohnt es sich, der Sache auf den Grund zu gehen. Es gibt tausende Arten von Schimmelpilzen“, so der Fachmann. Und das Dumme ist: „Er verbreitet sich wie der Samen einer Pusteblume.“ Mit anderen Worten: Wer ihn abzureiben versucht, bewirkt womöglich das genaue Gegenteil. Der Fachmann wird dagegen versuchen, ihn dort, wo er auftrifft, abzuschotten. „Übrigens“, sagt Petersen unvermittelt, „was viele Spark nennen, ist auch nichts anderes als Schimmel. Für beide gilt, dass sie im Haus nichts zu suchen haben und weg müssen.“

Eine Mär sei auch, dass Feuchte den Mauerstein auflöse. „Das nicht“, erläutert er, „aber es löst Salze heraus, die zu Ausblühungen am Putz führen und je nach Luftfeuchte und Wärme eine Schimmelbildung nach sich ziehen können.“ Wen das ewige Feudeln nicht stört, der mag das eindringende Wasser gelassen hinnehmen, doch wer den Keller als Lagerstätte für Holz, Kartons oder andere organische Materialien nutze, der müsse damit rechnen, dass er früher oder später ein Schimmelproblem bekomme. „Außerdem gibt es toxische und karzenomische, also krebserregende Schimmelpilze, die auf jeden Fall entfernt werden sollten. Doch wichtiger noch, als den Schimmel zu beseitigen, sei es, seinen Ursachen auf den Grund zu gehen. „Aber das ist manchmal selbst für Experten wie mich gar nicht so einfach“, räumt Petersen ein.

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