Zum letzten Mal in Hattstedt : Der Kasper geht in den Ruhestand

Annette Schuberack  mit der schlauen Biene.
Annette Schuberack mit der schlauen Biene.

Regelmäßig versetzt die Polizeipuppenbühne Mädchen und Jungen in schleswig-holsteinischen Kitas in Erstaunen. Doch im Zuge von Einsparungen sollen die Stellen gestrichen werden.

shz.de von
23. Mai 2015, 14:00 Uhr

Die Beamtinnen Annette Schuberack und Kirsten Pautzke versetzten mit ihrer Polizeipuppenbühne die Mädchen und Jungen der Hattstedter Kita Arche Noah ins Staunen. Zum letzten Mal.

Regelmäßig kämpft der Verkehrskasper zwar in schleswig-holsteinischen Kindertagesstätten gegen Rüpel im Straßenverkehr. Doch im Zuge der von der Landesregierung beschlossenen Einsparungen, sollen bei der Polizei Stellen gestrichen werden (wir berichteten). Und darunter sollen sich auch die Beamten befinden, die derzeit samt Puppenbühne und Kasper durchs Land reisen, um in Kitas und Schulen Verkehrsunterricht zu geben.

In dem Theaterstück, dass die beiden Polizistinnen in Hattstedt zeigten, haben die Kinder mit Hilfe von Frosch Paul gelernt, wie eine gefährliche Straße überquert wird, dass der Junge Rudi seinen Roller vermisst und die Ratte Hans-Dieter daran erinnert werden muss, dass es nicht erlaubt ist, fremde Sachen mitzunehmen. Ferner sei jeder dafür verantwortlich, seinen Müll nicht in der Umwelt zu entsorgen, betonten die Darstellerinnen. Und die Kita-Kinder bekamen von der schlauen Biene Unterstützung, die den Mädchen und Jungen mit Rat und Tat zur Seite stand.

Nach der Frühstückspause ging es in den Praxistest, und die Kinder konnten gleich ihr Erlerntes an einer Straße mit den beiden Polizistinnen ausprobieren. Denn gerade Kindergartenkinder seien oft unvorsichtig im Straßenverkehr, wüssten die Beamtinnen aus ihrer Erfahrung. Sie boten sogleich den Vorschulkindern an, Verkehrssituationen zu üben.

„Die Kinder waren mit viel Begeisterung und Freude dabei“, resümierte die Kita-Leiterin, Carmen Gabriel, abschließend. Die beiden Beamtinnen hätten sie jederzeit mit eingebunden, freute sich die Leiterin: „So konnten die Kinder aktiv an den Problemlösungen mitarbeiten und werden sicher viele wichtige Erfahrungen mitnehmen.“

Mit Bedauern teilte Oliver Tschoppe von der Elternvertretung Schleswig-Holsteins – der auf Einladung der Polizeidirektion Flensburg an der Aufführung in der Kita Arche Noah teilgenommen hatte – der Leiterin Carmen Gabriel im Anschluss der Veranstaltung dann aber mit, dass die Puppenbühne in dieser Form nicht mehr in Hattstedt auftreten wird: „Zum Mai 2016 wird sie eingestellt“, berichtet er enttäuscht. Beide sind sich sicher, dass es sich bei einer solchen Entscheidung, um ein verkehrtes Signal aus der Politik in der Präventionsarbeit handele und den Kindern damit ein wichtiges Übungsfeld genommen würde.

Für die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist ein Ende der Verkehrserziehung per Puppe kein Tabu mehr, wie bereits im vergangenen Jahr der GdP-Landesvorsitzende Manfred Börner mitgeteilt hatte. Börner machte allerdings deutlich, dass er Stellenkürzungen grundsätzlich für falsch halte. Zudem lobte er die Arbeit der Beamten in der Verkehrserziehung ausdrücklich: „Sie ist ein großer Erfolg, gerade was die Nachhaltigkeit betrifft.“ Dennoch: So gut die Arbeit auch sei, sie gehöre nicht zu den Kernaufgaben der Polizei, so Börner seinerzeit.

Die Diskussion um den Verkehrskasper ist nicht neu. Zwei Mal gab es in den vergangenen zehn Jahren bereits Überlegungen, die Puppe abzuschaffen: 2004 und 2010. Doch massive öffentliche Kritik verhinderte das Vorhaben.

Nun also der erneute Angriff auf den Verkehrskasper – und das vor dem Hintergrund, dass die Zahl der bei Verkehrsunfällen verletzten Kinder zwischen sechs und zehn Jahren weiterhin steigt. Laut Verkehrssicherheitsbericht heißt es: „Die Präventionsarbeit muss weiterhin konsequent fortgesetzt werden.“

In den vergangenen Jahren haben die Puppenbühnen häufig mehr als 20.000 Kinder erreicht und sie für das richtige Verhalten im Straßenverkehr sensibilisiert.



zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen