Hattstedt : Der Kampf gegen die Miniermotte

Im Astwerk der Rosskastanien locken die installierten Miniermotten-Fallen die Männchen an.
Im Astwerk der Rosskastanien locken die installierten Miniermotten-Fallen die Männchen an.

In Hattstedt werden derzeit Fallen mit Lockstoffen in die Kastanien gehängt. Auch Einwohner können sich beteiligen.

shz.de von
13. April 2018, 11:00 Uhr

Die Bekämpfung der Miniermotte oder auch Blatttütenmotte (Gracillariidae), deren Larven das Blattwerk der Rosskastanien zerstören, scheint fast so aussichtslos, wie der Angriff auf die sprichwörtlichen Windmühlenflügel. Bereits seit sechs Jahren beteiligt sich die Gemeinde Hattstedt mit dem Ausbringen von Lockstoff-Fallen an der Behandlung der befallenen gemeindeeigenen Bäume. Erste Erfolge sind dabei zwar zu verzeichnen, doch um eine flächendeckende Verringerung des Befalls zu erreichen, ist ebenso private Initiative gefordert.

„Wir bieten die Fallen auch für Einwohner an, die ihre Kastanien schützen wollen“, erklärt Gemeindearbeiter Bernd Feierabend. „Sieben Privatleute machen bereits mit. Aber es wäre natürlich wünschenswert, dass sich noch weitere Eigentümer beteiligen. Wer Interesse hat, soll einfach bei mir auf dem Bauhof vorbeikommen. Ich habe noch einige auf Vorrat.“

Die Kosten für eine wiederverwendbare Falle bezifferte er mit rund 30 Euro. Für den Lockstoff kommen noch einmal 16 Euro pro Jahr hinzu. Dieser wirkt artspezifisch und ist für den Menschen völlig ungefährlich und geruchsneutral. „Die Fallen sollten jedoch nicht nur in befallenen, sondern auch in gesunden Bäumen ihren Platz finden. Denn die Tiere bewegen sich in zusammenhängenden Baumbeständen. Außerdem haben wir festgestellt, dass die Motten gerne in alte Bäume gehen“, erläutert er.

Die Fallen werden in der Regel im April in das Astwerk gehängt und verbleiben dort bis September. „Kontrolliert, gesäubert und nachgefüllt werden müssen die Kunststoffbehälter alle vier bis sechs Wochen“, erklärt Feierabend zur Handhabe. Sinn der Fallen sei der Wegfang der Miniermottenmännchen, um so die Population über das Jahr zu verringern. „Wo die Fallen hängen, helfen sie. Die angelockten Männchen können sich auf der glatten Oberfläche des Trichters nicht halten. Sie rutschen in den, mit Wasser und einem Schuss Spülmittel gefüllten Fangbehälter und verenden dort. Im Ergebnis geht die Menge der Larven stetig zurück. Das kann man am Blattwerk im folgenden Frühjahr gut beobachten“, führte er aus.

Das Laub befallener Bäume sollte im Herbst allerdings nicht auf dem eigenen Komposthaufen landen, sondern in der gemeindlichen Kompostieranlage entsorgt werden. Denn die September-Generation überwintert im Puppenstadium im Fall-Laub. „Die Temperaturen im normalen Hauskompost reichen mit 30 bis 40 Grad zum Abtöten der Larven nicht aus. In der Kompostieranlage erreichen wir 60 bis 80 Grad. Diese Wärme überleben weder die Miniermottenlarven noch andere Schädlinge“, erklärt Bernd Feierabend.

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