Klosterkultur : Der Job der Klosterhexen

Sie bekleiden das besondere Ehrenamt: (v. oben) Wencke Lass, Boukje Gerdes, Wiebke Momsen, Lara Danielsen sowie Stina Söhl (l.) und Änna Marquardsen (m.).
Sie bekleiden das besondere Ehrenamt: (v. oben) Wencke Lass, Boukje Gerdes, Wiebke Momsen, Lara Danielsen sowie Stina Söhl (l.) und Änna Marquardsen (m.).

Sechs Husumer Mädchen halten eine lange Tradition im Gasthaus zum Ritter St. Jürgen aufrecht.

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21. Februar 2018, 09:11 Uhr

Sie laufen über Stunden mit Schüsseln und Tellern die Treppen hinauf und hinunter, bewirten die Klosterbewohner, bedienen die Herren im Festsaal und sind im wahrsten Sinne „Mädchen für alles“ während der traditionellen Klosterrechnung: Die Klosterhexen „aus gutem Hause“. Speisemeister Kurt Puls erklärt, was das bedeutet: „Wenn in früheren Zeiten die jährliche Rechnungslegung im Kloster anstand, schaute sich die amtierende Speisemeisterin im Kreise der bekannten Husumer um und bat junge Mädchen „aus gutem Hause“, ihr bei der Klosterrechnung zu helfen.“ In der Chronik von 1902 berichtet Magnus Voß von den jungen Damen.

„Sie bedienen die Herren während der Mahlzeiten und schließlich treiben sie zum Abschluss der Klosterrechnung mit den Klosterherren ihren Schabernack“, ist in der Chronik nachzulesen. Doch seither habe sich viel verändert. „Erst ab Februar 1950 wurden die hilfsbereiten Mädchen aus guten Hause offiziell als Klosterhexen bezeichnet“, berichtet die Speisemeisterin Dorothea Puls.

Heute erweise sich das „gute Haus“ darin, dass die Schülerinnen bereit seien, sich ehrenamtlich zu engagieren. „Unsere Schule befreit uns für diesen Einsatz vom Unterricht“, berichtete die 17-jährige Änna Marquardsen. Mit Stina Söhl, Wencke Lass, Boukje Gerdes, Wiebke Momsen, und Lara Danielsen gehört sie zu den fleißigen Klosterhexen. Sie alle besuchen derzeit die Hermann-Tast-Schule. Doch bevor es mit der Klosterrechnung losgeht, werden die sechs Klosterhexen von Bürgermeister Uwe Schmitz mit einer roten Rose begrüßt.

„Mit Zylinder und den Rosen in der Hand stehen wir Spalier und empfangen den neuen Klostervorsteher“, berichtete die 15-jährige Wiebke Momsen. Tatsächlich sind die Tage der Klosterrechnungen für die Hexen sehr anstrengend, bestätigte die 17-jährige Lara Danielsen.

Den ganzen Tag sind sie für die Bewirtung der Klosterherren im Einsatz: Es beginnt morgens während der Sitzung der Herren. „Danach besuchen wir zusammen mit der Speisemeisterin die Klosterbewohner und bringen ihnen Kuchen und heiße Wecken“, sagt Danielsen. Abends während des Klosterfestes bedienen die sechs „Hexen“ die Klosterherren im Festsaal. Speisemeisterin Dorothea Puls weiß um das besondere Engagement ihrer Schützlinge: „Ohne unsere freundlichen Klosterhexen wäre die Klosterrechnung nicht in dieser Form durchführbar“, ist sich die Puls sicher. Abends haben die jungen Helferinnen dann noch ihren großen Auftritt: Nach dem Festmahl eröffnet das Speisemeisterehepaar den Tanz und dann sind die Hexen die Chefs des Abends tanzen mit den Gästen nach ihrer Hexenpfeife.

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