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Münzprägung im Herrenhaus : Der Husumer Taler kehrt zurück

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vom Original gibt es weltweit nur noch elf Exemplare – jetzt erlebt die numismatische Kostbarkeit eine Wiederauferstehung. Bernd Biermann sorgt für eine Nachprägung im Herrenhaus.

Es sind nicht nur die berühmten Persönlichkeiten wie der Dichter Theodor Storm, die Husum ihren Stempel aufgedrückt haben. Auch in anderen Bereichen hatten die Husumer die Nase vorn – und vieles davon ist in weiten Teilen der Bevölkerung völlig unbekannt. Wie zum Beispiel der Husumer Taler: Auf dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holsteins war er die erste geprägte Talermünze.

Das ist allerdings schon lange her. „1522 ließ Friedrich I., Herzog von Schleswig und Holstein und gleichzeitig König von Dänemark und Norwegen, diese Münze im sogenannten Herrenhaus in Husum prägen“, weiß Dr. Rüdiger Articus. Als Kenner der Husumer Geschichte hat er zum Thema des Talers schon so einige Forschungen veröffentlicht.

Das blieb auch Bernd Biermann nicht verborgen. Als der vor drei Jahren das Herrenhaus erwarb, las er sich gründlich in die Historie des Gebäudes ein. „Meine Idee war es, diese hochinteressante Geschichte der Münzprägestätte in die Gegenwart zu holen“, so Biermann. Nicht nur Articus, auch Uhrmachermeister Peter Koch und Bürgervorsteher Peter Empen zeigten sich von dieser Idee begeistert. Mit einer Nachprägung des Talers sollte das Herz der ehemaligen Münzprägestätte wiederbelebt werden.

Doch für die Herstellung eines Prägestempels wurde als Vorlage eine Originalmünze benötigt – und die musste erst gefunden werden. „Bekannt war, dass dieser Taler zu den seltensten numismatischen Stücken weltweit zählt“, berichtet Biermann. Nur noch elf Exemplare gibt es auf der Welt.

Zu seiner Überraschung musste er aber gar nicht lange suchen. Denn nur gut 500 Meter vom Herrenhaus entfernt liegt im Rathaus wohlbehütet und gesichert eine der Originalmünzen von 1522. Sie ist Teil der beeindruckenden Bürgermeisterkette, die zu besonderen Anlässen vom Bürgermeister und vom Bürgervorsteher getragen wird. Wie sie dort hinkam, verrät die Rückseite der eingefassten Münze: „Den echten Husumer Silbertaler von 1522 schenkte Husums Ehrenbürgermeisterin Frau Irene Thordsen“, ist dort eingraviert.

Mit hochauflösenden Fotos beider Münzseiten und Zeichnungen erging der Auftrag an den Münzmeister Gert Maleschek in Wien, einen Prägestempel herzustellen. „Vor gut einem halben Jahr habe ich den 33 Kilogramm schweren Prägestock dann im Wiener Museumsquartier abgeholt“, erzählt Biermann. Als Prägestuhl besorgte er sich aus Bayern einen uralten Schlachterstock. Unterstützt wurde die Nachprägung durch Peter Koch. Er spendete die Rohlingsmünzen aus Sterlingsilber 925.

Dann kam der große Moment: Schon der erste Schlag mit einem Vorschlaghammer auf den Kopf des Prägestempels begeisterte die kleine Runde. Und Biermann, der den ersten Prägeschlag gemacht hatte, hielt stolz die 24 Millimeter große und 10,2 Gramm schwere Silbermünze in seiner Hand. Die Vorderseite zeigt das „Bildnis Friedrich I. mit der Umschrift „FREDERICUS o DEI o GRA o SLESVICEN o ET o HOLSAC o DUX o (Friedrich von Gottes Gnaden Herzog von Schleswig und Holstein).“ Auf der Rückseite ist das Wappenschild Friedrichs (Norwegen, Schleswig, Holstein und Stormarn) mit oldenburgischem Mittelschild und der Umschrift „MONET o NOVA o ARGENTA“ eingeprägt.

Die Nachprägung unterscheidet sich allerdings deutlich vom Original, wie Articus erläutert. „Das hat nämlich einen Durchmesser von 39 Millimetern und wiegt fast 30 Gramm.“ Mit dem Husumer Taler habe der Landesherr Friedrich Neuland im Münzwesen betreten, so Articus weiter. „Sie ist nicht nur die erste Talerprägung in Schleswig-Holstein, sondern gilt auch als eine der ersten richtigen Porträtmünzen des Nordens.“

Wer den Münzstempel damals graviert hat, ist unsicher. „Genannt werden hier der Holzschnitzer Hans Brüggemann und der Stempelschneider Matthias Goldschmied“, sagt Articus. Nach seinen Recherchen soll die Münze in Husum bereits seit 1514 in Gebrauch gewesen sein. „Und es gibt Hinweise, dass sie das bis mindestens 1533/34 war.“

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