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Ausverkauf im Husumer Kaufhaus : Der Herr der Prozente

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Von 30.000 Teilen auf Null: Christian Rugen leitet den Total-Räumungsverkauf des Husumer Kaufhauses und berichtet im Interview, wie man so ein Geschäft leer bekommt.

Bis Ende August soll es leer sein, das ehemalige Husumer Hertie-Haus. Damit die T-Shirts, Schuhe und Jacken an den Mann oder die Frau kommen – das Sortiment des Husumer Kaufhauses umfasste vergangene Woche noch rund 30.000 Teile –, sorgt Christian Rugen, Einkaufsleiter bei C. J. Schmidt, dafür, dass der derzeitige Total-Räumungsverkauf möglichst effektiv über die Bühne geht. Im Interview spricht er über Eskalationsstufen, die Gefahr von Ramsch und warum Kunden am Ende auch Schneeanzüge im August kaufen.

Ihr Total-Räumungsverkauf läuft nun seit gut einer Woche. Wie funktioniert es bisher?

Wir haben in der ersten Woche dreieinhalb Tausend Teile verkauft. Das ist gut, das liegt über unserer Planung.

Ihre Planung beinhaltet ja, dass der Laden am Ende wirklich leer ist, also kein einziges T-Shirt mehr am Bügel hängt. Kann man das wirklich schaffen?

Jein. Bis auf den letzten Artikel ausverkauft zu sein, wird schwierig. Aber der Puffer, den wir eingeplant haben, ist nicht groß. Grundsätzlich ist unsere Planung schon so aufgebaut, dass wir hier mit Null rausgehen.

Wie läuft denn so eine Total-Räumung ab? Da gibt es doch wahrscheinlich Regeln, nach denen man das macht, oder?

Erst einmal muss man natürlich darauf aufmerksam machen, dass es die Räumung gibt. Das ist der erste Anstoß. Und dann kommen natürlich weitere Eskalationsstufen  .  .  .

.  .  .  sprechen Sie wirklich von „Eskalationsstufen“?

Ja (lacht). Dann wird geguckt, wie viel Ware wir noch in welchem Bereich vorrätig haben. Und die Verkaufsfläche wird im Lauf des Ausverkaufs immer weiter verkleinert. Man lässt die Fläche immer weiter schrumpfen, damit der Raum für den Kunden attraktiv bleibt. Vergangene Woche haben wir 200 Quadratmeter abgeteilt, das wird jetzt wöchentlich weiter gehen, peu à peu, bis nachher vielleicht noch die Hälfte der Fläche da ist. Man geht einfach nicht in einen Laden rein, in dem auf einer großen Verkaufsfläche nur drei Teile hängen. Gleichzeitig wird die Ware weiter reduziert. Wir haben im Husumer Kaufhaus bis vor wenigen Wochen ein normales Geschäft betrieben, in dem fast alles Schwarz-Preise hatte. Im Modebereich sind wir jetzt im Schnitt bei einer Reduzierung von ungefähr 40 Prozent.

Und wie sieht die letzte „Eskalationsstufe“ aus?

Schwer zu sagen. Zunächst einmal liegt die Reduzierung bei ungefähr 70 bis 80 Prozent. Und die letzte Eskalationsstufe sind dann glatte Preise, ein Euro, fünf Euro, 15 Euro .  .  . Irgendwann ist das einfacher.

Wie groß sind denn die Verluste bei so einer Total-Räumung?

Wir versuchen, es kaufmännisch erträglich zu veranstalten. Man kann bei so einer Total-Räumung Umsatz generieren, aber eine Rendite zu erwirtschaften ist schwierig. Unterm Strich werden wir hier nicht mit einem Plus rausgehen, ich hoffe, dass wir bei plus/minus Null liegen werden. Wir haben ja aus den ersten Monaten einen Rohertrag erwirtschaftet, der schrumpft jetzt jeden Tag. Das ist in Ordnung so – für uns ist wichtiger, dass wir am Ende keine Ware mehr da haben.

Gelegentlich wird ja bei einer Total-Räumung auch noch Ware zugekauft, damit ganz am Ende die Kleiderständer nicht so leer aussehen. Werden Sie das auch machen?

Das ist nicht geplant. Als phasenweise große Kaufhäuser in Deutschland aufgelöst worden sind, wurde am Ende ja auch ein Aufkäufer geholt. Das ist so ungefähr das schlimmste, was man machen kann. Das wollen wir nicht. Die Aufkäufer geben einem entweder Kilo- oder Paletten-Preise für die Ware. So lange wir noch einen Euro für das Teil kriegen, ist es mehr als das, was der Aufkäufer uns gibt. Da steht außerdem auch ein bisschen kaufmännische Ehre hinter: Ich möchte doch an den Verbraucher verkaufen, nicht an andere Kaufleute.

Können Sie schon absehen, was am schwersten zu verkaufen ist, hier also am längsten hängen bleibt?

In den Preislagen, in denen wir uns am Ende bewegen werden, bei ein, zwei, drei, fünf Euro, wüsste ich jetzt nicht, was hängen bleiben sollte. Generell ist es so: Alles, was nicht saisonal ist, wird sicherlich schwieriger zu verkaufen. Die kurze Hose nehmen Menschen jetzt eher mit, eine Winterjacke müssten sie erst einmal in den Schrank hängen. Momentan hängen hier auch noch Schneeanzüge für Kinder, die laufen natürlich auch noch nicht so. Aber wenn da nachher der richtige Preis dran ist, werden auch die weggehen.

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erstellt am 21.Jun.2016 | 15:00 Uhr

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