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Wirtschaft in Nordfriesland : Der gebremste Aufschwung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Unternehmensverband Unterelbe-Westküste freut sich über gute Zeiten – sieht die Konjunktur von morgen allerdings durch politische Untätigkeit gefährdet.

von
erstellt am 15.Dez.2015 | 18:36 Uhr

Die Entwicklung im Wirkungsbereich des Unternehmensverbandes Unterelbe-Westküste ist positiv – die Gefühlslage aber nicht überall gleich gut. Für das Tief im Stimmungshoch sorgt wieder einmal Nordfriesland, eh nicht bekannt dafür, „dass immer gleich alle Ausschläge mitgenommen werden“, wie es Sebastian Koch ausdrückt. Der Unternehmensverbands-Geschäftsführer ist mit Ken Blöcker, der sich den Job mit ihm teilt, und dem stellvertretenden Vorsitzenden Dieter Wade, Boss der Tönninger Elektrobau-Firma Adolf Nissen, nach Husum gekommen, um die konjunkturelle Situation zu beleuchten und zu analysieren. Als Gastgeber der halbjährigen Bilanzkonferenz fungiert diesmal Ole Singelmann, Geschäftsführer des örtlichen Hagebaumarktes.

Zunächst einmal freuen sich alle über die „herausragende Beteiligung“ an der Dezember-Umfrage: 119 der rund 400 Mitgliedsbetriebe – und damit noch einmal fünf Prozent mehr als vor sechs Monaten – lieferten das Material für die jüngste Statistik. Die beiden wichtigsten Erkenntnisse aus den belastbaren Aussagen: Der bürokratische Aufwand – zwei von drei Unternehmen fühlen dadurch ihre Handlungsfähigkeit eingeschränkt – bleibt eine wirtschaftliche Bremse und es fehlt geeigneter Nachwuchs. Die Situation auf dem Lehrstellenmarkt habe sich nochmal verschärft, erklärt Blöcker dazu: „Gaben im Sommer lediglich 14 Prozent an, dass der Mangel an Ausbildungskräften die eigene wirtschaftliche Entwicklung belastet, sind es inzwischen 22.“

Erfreuliche Fakten förderte die Konjunkturumfrage in den Kreisen Nordfriesland, Dithmarschen, Steinburg und Pinneberg sowie in der Region Norderstedt zutage. So ist die Zahl der Auftragseingänge bei 29 Prozent der Betriebe gestiegen (plus acht Prozent im Vergleich zum Sommer) und bei 53 Prozent gleich geblieben. Eine Folge davon: Nur noch elf (zuletzt 21) Prozent der Unternehmen gaben an, ihre Investitionen im zurückliegenden Halbjahr eingeschränkt zu haben.

Volle Auftragsbücher und die vermehrte Einstellung von Personal dürften allerdings nicht über einige große Probleme hinwegtäuschen, so Blöcker, Koch, Wade und Singelmann: „Weder Bundes- noch Landespolitik verbessern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, um mehr öffentliche und private Investitionen zu fördern. Die Lohnstückkosten sind zuletzt deutlich gestiegen und das Arbeitsrecht darf nicht noch weiter reguliert werden.“ Eine Ankündigungspolitik, die keinerlei Umsetzung nach sich ziehe, gefährde die Konjunktur und den Wohlstand von morgen.

An der Westküste wird die wirtschaftliche Entwicklung der zurückliegenden Jahreshälfte indes nicht so rosig gesehen wie im Unterelberaum. 61 der rund 200 dazugehörigen Unternehmen haben sich im hiesigen Bereich an der Umfrage beteiligt. 19 Prozent davon geben ein schlechteres Urteil ab (Verbandsdurchschnitt: 16 Prozent). Lediglich elf Prozent der Nordfriesen bewerten die Entwicklung besser (26 Prozent). Und nur sieben Prozent berichten von einer gestiegenen Zahl an Auftragseingängen – deutlich weniger als in Dithmarschen (39 Prozent).

Dass im äußersten Norden der Republik der Tritt auf die Euphoriebremse nicht von ungefähr kommt, macht Ole Singelmann deutlich. Da ist zum einen die fehlende westliche Elbquerung im Zuge der geplanten Autobahn 20 und der ebenso ausbleibende Ausbau der Bundesstraße 5. Darüber hinaus fühlt sich die Wirtschaft in Nordfriesland genötigt, das für den schnellen Datentransfer unerlässliche Breitbandnetz in Eigenregie aufzubauen – ein Nachteil, der die Attraktivität der Region für neue Betriebe und Fachkräfte nicht unbedingt erhöht. Auch die Diskussion um das Klinikum und die damit verbundene gesundheitliche Grundversorgung spielt dabei laut Singelmann eine Rolle.

Zur mangelhaften infrastrukturellen Anbindung und der damit zusammenhängenden „Unfähigkeit der Landesregierung, entsprechende Projekte zur Ausschreibungsreife zu bringen“ (Blöcker und Koch), kann auch Dieter Wade einiges sagen: Seine Tönninger Spezialfirma verkauft überall hin Sicherheitstechnik für Baustellen – „nur nicht in Schleswig-Holstein!“

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