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Neues von Vierkanttretlager : Der Finger in der eigenen Wunde

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Für ihr neues Album „Krieg & Krieg“ hat sich die Husumer Band Vierkanttretlager zwei Jahre Zeit gelassen – zum Abschluss der Tournee geht es in den Speicher.

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erstellt am 18.Apr.2015 | 16:00 Uhr

Erst schlägt die Umwelt zurück – und dann bekämpfen sich die Menschen auch noch gegenseitig. Und das gleich nach dem Motto „doppelt hält besser“. Bis am Ende keiner mehr lebt und das große Schweigen eingekehrt ist. Drei Jahre nach Erscheinen des Debütalbums „Die Natur greift an“ hat Vierkanttretlager am Freitag, 17. April, „Krieg & Krieg“ veröffentlicht. Auf den ersten Ton ein martialisches Statement, das die Vorzeige-Musiker aus Husum da abgeben – jene Band, die 2012 mit dem Lied „Fotoalbum“ beim Bundesvision Song Contest den sechsten Platz für Schleswig-Holstein holte und sich zuvor bei Stefan Raabs „TV Total“ als Vertreter des nachdenklichen und aggressiven Independent-Rocks outete.

Das mit der Schwermütigkeit hat sich nicht geändert. Mehr noch: Die aus der Feder von Max Leßmann stammenden Texte klingen noch eindringlicher und tiefsinniger als bei der angriffslustigen Natur. „Lass uns den Verstand verlieren“, singt der 23-Jährige etwa. „Bis wir tot sind, leben wir für immer. Und wenn wir tot sind, sind wir immer tot...“ Harter Tobak. Nichts für Gelegenheitshörer, die sich nur berieseln lassen wollen.

Das neue Album von Vierkanttretlager sei vielschichtig, eingängig und widerborstig, brutal und voller Mitgefühl, konstatiert denn auch Stephan Glietsch auf dem Titelblatt der achtseitigen Zeitung, die der Langspielplatte beiliegt. Der befreundete Autor, der einst für das Popkultur-Magazin Spex schrieb und seine Begeisterung für die Husumer Jungs bei einem Konzert in Köln entdeckte, bezeichnet die zweifache Kriegserklärung als „Liebeslieder singende Weltuntergangsmaschine, zugleich Schlag in die Magengrube und Finger in der eigenen Wunde“.

Gedankenexperiment nennen Leßmann und Gitarrist Christian Topf (22) ihren zweiten Streich dagegen schlicht. Eines, bei dem sie vom Publikum eine gewisse Eigenleistung erwarten, wie die beiden in Abwesenheit ihres 24-jährigen Schlagzeugers Leif Boe beim Ortstermin in einem Husumer Café ergänzen. Die Entscheidung, ob die Menschheit wirklich rettungslos verloren ist, soll schließlich nicht in den Ohren der Zuhörer fallen, sondern in ihren Köpfen – mit kreativem, offenem Ausgang.

Ein solches Gedankenspiel, das dazu noch „leider Gottes stark in der Wirklichkeit verankert ist“ (Leßmann), braucht natürlich seine Zeit. Zwei intensive Jahre hat die Gruppe, die mittlerweile ohne Bassisten auskommt und in Hamburg sesshaft geworden ist, denn auch daran gearbeitet. „In dieser Zeit haben wir unglaublich viel geschrieben“, so Topf: „35 Lieder!“ Zehn davon finden sich auf „Krieg & Krieg“ wieder, wurden nacheinander in verschiedenen Studios eingespielt – „wo gerade mal eins frei war“. So traf man sich zu Aufnahmen in Bremen, Berlin, Stuttgart, Bochum, Hamburg. Und sogar in Prießeck, einem kleinen Kaff im Wendland, aus dem Madsen stammt – jene bekannte Indie-Rock-Band, deren Auftritte Vierkanttretlager einst im Vorprogramm begleitet hat. Auch für Rapper Casper und die Band Kraftklub stand man als Support auf der Bühne, die dabei auch schon mal etwas größer ausfiel.

Viel unterwegs und Gigs in beschaulichen Clubs und ausladenden Hallen. Da tut es gut, zwischendurch mal wieder ins heimatliche Husum zurückzukehren – in „die Stadt, die immer schläft“, wie es im Kopf der erwähnten Zeitung ebenso augenzwinkernd wie liebevoll heißt. Um die Familie wiederzusehen und viele alte Bekannte zu treffen. Den Schlusspunkt hinter eine Tour (die nächste beginnt am 13. Mai in Zürich und führt in zehn Städte) im Speicher zu setzen, das ist für die drei mit der Vier im Bandnamen denn auch eine Herzensangelegenheit mit Tradition. „Wir freuen uns schon sehr auf das Doppelkonzert am 5. und 6. Juni“, sagt Topf – und übernimmt in Ermangelung des Schlagzeugers mal eben selbst das Trommeln: „Liebe Husumer, kommt recht zahlreich zu unseren beiden Partys!“

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