Struckum : Der Fall ist klar: Der Gärtner war’s

<p>Ernst Friedrichsen ist ein begeisterter Hobbyautor. Thematisch unterscheiden sich seine Bücher voneinander.</p>
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Ernst Friedrichsen ist ein begeisterter Hobbyautor. Thematisch unterscheiden sich seine Bücher voneinander.

Die Bücher von Ernst Friedrichsen sind eine Mischung aus Kriminal- und Liebesgeschichten, gewürzt mit viel Humor und ein wenig Horror. Von Beruf ist er Gärtner.

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12. Juni 2018, 15:00 Uhr

Ernst Friedrichsen strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Vielleicht liegt es an seinem Beruf. Der 63-Jährige Struckumer arbeitet als Gärtner bei der Stadt Husum – „doch sein Hobby ist mörderisch“ – und gespickt mit viel Friesenhumor. Er ist Autor.

Angefangen hatte alles vor gut sechs Jahren. Als er krank geschrieben war, brachte Ernst Friedrichsen erste Gedanken erstmals zu Papier. Einfach nur so. So erzählt er die Geschichte einer Polizeibeamtin, die in den hohen Norden versetzt wird und in ein Haus zieht, um die Fernbeziehung mit einem Erotik-Spielzeug-Vertreter zu festigen. Doch es kommt anders. Bei ihren Ermittlungen erhält sie zudem Unterstützung von einem 250 Jahre alten Hausgeist. Letzterer wird – und bleibt – aber nur dann sichtbar, wenn man jede Menge Kaffee intus hat.

Heraus kam ein Buch unter dem Titel „Haus im Grünen – Hausgeist inklusive“. Verlegen wollte es niemand, also ging Ernst Friedrichsen die Sache selber an. Über das Internet fand er einen guten Lektor, den Tradition-Verlag für Selbstverleger – und über einen Artikel eine Möglichkeit, seine Bücher anzubieten: ein Café mit angeschlossenen Buchläden, wo Schriftsteller ohne Verlag ihre Bücher auf gemieteten Regalplätzen präsentieren können. Friedrichsens Werk bestand die „Aufnahmeprüfung“, die Testleser waren begeistert.

„Meine Bücher sind deutschlandweit zu bekommen, aber sie stehen nicht in den Regalen der Buchhandlungen. Man muss die Titel kennen und im Handel gezielt danach fragen. Dann werden sie bestellt.“ Erstaunt ist Ernst Friedrichsen über seinen Erfolg. Denn mittlerweile hat er mehr Exemplare verkauft, als je gedacht. „Das kann nicht alles nur Familie oder Freundeskreis sein“, sagt er schmunzelnd. Er wird auf der Straße und bei der Arbeit von fremden Menschen erkannt und angesprochen, auch um Autogramme gebeten. Eine Resonanz, über die sich der Nordfriese freut.

Wie geht er beim Schreiben vor? „Sonnabends sitze ich häufig nachmittags in Husum im Café eines Supermarktes und beobachte interessante Charaktere.“ Hinzu kommen eigene Erlebnisse und Szenen aus seinem Familienleben mit zwei Kindern und drei Enkeln. Alles wird aufgesogen, umgeschrieben, so dass sich niemand wiedererkennt oder brüskiert fühlen muss. Zu Hause bearbeitetet Friedrichsen seine vor Ort gemachten Notizen an seinem Laptop, verfasst Seiten und ergänzt sie immer wieder. Die Geschichten sollen nicht zu schwer, nicht zu tiefgründig werden, sondern gut verständlich sein. „Wenn ich das Gefühl habe, dass sie gut sind, gebe ich sie Birgit.“ Seine Ehefrau ist auch seine härteste Kritikerin. „Mein Mann hat einen bestimmten Humor, der ist für Fremde manchmal ein Problem“, sagt sie lachend. Nicht selten komme es auch mit seinem Lektor zu Diskussionen. Aber einig geworden sind sich die Beiden immer. Gezielt setzt der Autor Witz ein, ohne lächerlich zu machen. Lustige Alltagsszenen finden sich in seinem dritten Buch „Drei Geschichten über Gott, Friesland und das Grillen“ wieder.

Geist Alfons ist bei den Frauen unter Friedrichsens Lesern übrigens besonders beliebt. Zur Figur verrät er lächelnd: „Ich denke, da steckt eine Menge von mir drin oder von dem, was ich gerne wäre.“ Geplant war eigentlich nur ein Buch, für eine seiner Hauptcharaktere hatte Ernst Friedrichsen den Tod vorgesehen. Doch das ließ seine Leserschaft nicht zu. Und so gab es einen zweiten Band mit Kommissarin Sibylle Raumann und ihrem Geist unter dem Titel „Haus im Grünen – Wer mordet denn da?“, ein drittes Abenteuer in der Planung. „Dann ist Schluss.“

Insgesamt hat er neun Bücher fertig. Eine Besonderheit ist ein Kinderbuch über die Abenteuer in einem Einhornland, dass er eigens für seine vierjährige Enkelin Lea geschrieben hat. Erscheinen wird es wohl nie, denn die Illustrationen, ohne die ein Kinderbuch nicht auskommt, seien zu kostspielig. „Aber ich kann mir jedes einzelne Fabelwesen sehr gut vorstellen“, schwärmt Ehefrau Birgit.

Gedruckt wird demnächst „Grabgeflüster“ – und es wird sich von seinen Vorgängern unterscheiden. Es geht um das Böse, dass sich in Husum – auf dem Cover-Entwurf als schwarze Gestalt vor der Marienkirche dargestellt – ausbreitet und für die Menschen unsichtbar ist. „Doch wer es erst einmal entdeckt hat, für den bleibt es sichtbar“, so der Autor. Ein Redakteur der Tageszeitung kommt dem Phänomen auf die Spur. „Aber ich will nicht zuviel verraten.“

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