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Abschied nach 13 Jahren : Der Bischof ruft – Pastor Jordan geht

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Friedrichstädter Seelsorger verlässt nach 13 Jahren am 1. Dezember die Stadt. Eine Nachfolge ist noch nicht geklärt, doch die Vertretung, gerade zu Weihnachten, ist für Friedrichstadt und Koldenbüttel geregelt.

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erstellt am 12.Nov.2014 | 13:00 Uhr

Ein wenig Wehmut ist schon zu spüren, denn er hat nicht nur die Menschen, sondern auch die Stadt selbst zu schätzen gelernt. 13 Jahre als Pastor, Seelsorger, Freund, Gesprächspartner und Chef sind nicht einfach mal so beiseite zu schieben. Dennoch hat sich der 1965 in Wolfenbüttel (Niedersachsen) geborene Michael Jordan für einen beruflichen Neuanfang entschieden. Am Montag, 1. Dezember, beginnt er seine Tätigkeit als Referent in der Bischofskanzlei in Schleswig.

Für die Familie Jordan heißt dies Koffer packen, das schöne Pastorat an der Gracht verlassen. „Aber“, so der bekennende Fußballfan, „es sieht gut aus, dass wir in Husum eine schöne neue Bleibe finden.“ Von dort aus will er dann mit dem Zug zur neuen Arbeitsstelle fahren, seine Frau Britta zu ihrer im evangelischen Regionalzentrum in Breklum. Für die beiden Söhne Paul und Simon verkürzt sich der Schulweg zur Hermann-Tast-Schule, während Nesthäkchen Marit wohl für das letzte halbe Jahr von der Grundschule Friedrichstadt nach Husum wechseln wird.

Mit dem Neuanfang hat Michael Jordan Erfahrung. Schließlich ist er gelernter Bäcker und Konditor. Doch dann hat er sein Abitur nachgeholt und in Kiel, Hamburg sowie Jerusalem Theologie studiert. Nach seinem Vikariat in Heikendorf bei Kiel übernahm er als junger Pastor die Gemeinde St. Christophorus. „Ich bin mit offenen Armen empfangen worden.“ Einen Vorteil habe es sicherlich gehabt, vorher im „richtigen“ Leben gestanden zu haben. Er wisse genau, habe es selbst erfahren, wie sehr ein Chef das Arbeitsumfeld beeinflussen könne. Daher sei es sein Bemühen gewesen, dass die Kirchenmitarbeiter gern zur Arbeit kommen, es sei immer mit offenen Karten gespielt worden. Gleichzeitig unterstreicht er aber auch, dass ohne die vielen haupt- und ehrenamtlichen Helfer eine Gemeinde nicht funktionieren könne – in Friedrichstadt, und seit zweieinhalb Jahren auch in Koldenbüttel, laufe das einfach prima.

Sein Berufseinstieg im Holländerstädtchen war nicht ganz einfach, denn schon nach kurzer Zeit machte die Gemeinde Schlagzeilen. Sie bot einer kurdischen Familie Kirchenasyl. Dabei sei er auch von den anderen Kirchen der Stadt unterstützt worden. In Friedrichstadt leben heute Remonstranten, Mennoniten, Katholiken und evangelisch-lutherische (Dänen und Deutsche) Christen. Jordan ist ein großer Verfechter der Ökumene. Gemeinschaft und Toleranz werden von den verschiedenen Glaubensrichtungen bei aller Verschiedenheit auch gelebt. Das zeigt sich auch beim Neujahrsempfang von Ökumene und Stadt, der 2005 ins Leben gerufen wurde, sowie bei diversen ökumenischen Gottesdiensten. Das gemeinsame Mitteilungsblatt „Kirche in Friedrichstadt“ zeugt zudem vom guten Miteinander.

Vorgaben, wie das Gemeindeleben auszusehen hat, will Jordan einem Nachfolger nicht machen. Noch gibt es keinen Kandidaten, „vielleicht“, so der scheidende Pastor, „wird es wie vor 13 Jahren ein Neuling. Auf alle Fälle findet er ein bestelltes Feld vor. Der Kirchenvorstand ist aufgeschlossen, man probiert gern etwas Neues aus.“ So gibt es den Gottesdienst auf dem Wasser oder den Wandergottesdienst zu Pfingsten, die Alltagshilfen, den Gospelchor und Glaubens- und Bibelkurse.

Besonders wichtig ist ihm aber, dass die Gemeinde in Friedrichstadt eine gastfreundliche und offene Kirche ist. Daher wird nach vielen Gottesdiensten gemeinsam gegessen und getrunken, um Leib und Seele zusammenzuhalten. Und zum Thema offene Kirche verweist er auf das Gemeindehaus, das vielen Gruppen kostenlos zur Verfügung gestellt wird.

In seinem neuen Job muss er keine Gottesdienste mehr halten, daher ist er schon gespannt, wie er den Weihnachtsabend als Kirchenbesucher erlebt. Seinen Weggang kurz vor Weihnachten sieht er nicht so problematisch, „denn Jesus wird auch ohne Pastor Jordan geboren“. Vermissen wird er allerdings den intensiven Kontakt mit den Friedrichstädtern und Koldenbüttlern sowie seinen allmorgendlichen Gang in die prächtige St.-Christophorus-Kirche, wo er am Gebetsleuchter innehält.

Ob es am neuen Arbeitsplatz in Schleswig montags Gelegenheit gibt, mit Kollegen über das Bundesligawochenende zu sprechen, weiß Jordan noch nicht, aber der Gladbach-Fan will auf alle Fälle seinem Hobbys weiter frönen und in der Altliga von Blau-Weiß kicken.

Offiziell verabschiedet wird Jordan am Sonntag, 7. Dezember, in einem ökumenischen und musikalischen Gottesdienst in der St.-Christophorus-Kirche.

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