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Mühle Lütjenshöft in Bredstedt : Der Berg bekommt seine Mühle zurück

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Straße wurde nach ihr benannt, doch 1934 wurde sie abgerissen: Jetzt entsteht Am Mühlenberg ein kleinerer Nachbau der ursprünglichen Windmühle. Im Januar soll der Rohbau stehen.

Als Reiner Hinsen die ehemalige Windmühle Lütjenshöft vor gut sechs Jahren kaufte, wusste er, dass er sich einiges vorgenommen hatte. Er wollte das Gebäude so originalgetreu wie möglich wieder herrichten und außerdem wieder bewohnbar machen. Zunächst musste dazu allerdings die Feuchtigkeit aus dem Gemäuer, die Fassaden Stück für Stück erneuert werden – und vor allem musste der Bau des Mühlenturms erst einmal genehmigt werden. „Ich habe mich jahrelang darum bemüht“, sagt Hinsen. Inzwischen liegt aber offiziell eine Baugenehmigung vor, bestätigt Hans-Martin Slopianka vom Kreis Nordfriesland.

Angefangen hat das ganze Unternehmen für Reiner Hinsen mit einer Unterschriftenaktion. „13 Nachbarn haben unterzeichnet“, sagt er. „Jeder Einzelne musste dem Vorhaben zustimmen, da es sich um eine Sondergenehmigung handelt.“ Ganz dem Original wird die neue Windmühle zwar nicht entsprechen – sie soll ihr aber optisch so weit ähneln, wie es möglich ist. „Ich hätte gern höher gebaut“, sagt der Eigentümer, „aber das wäre nicht genehmigt geworden.“ Anstatt der ursprünglichen etwa 17 bis 18 Meter hohen Mühle Lütjenshöft entsteht nun ein knapp elf Meter hoher und insgesamt drei Stockwerke umfassender Nachbau.

Die Bauweise soll dem Original dabei möglichst nachempfunden werden: Die massiven und bis zu 13 Meter langen Holzbalken für das Ständerwerk liegen bereits auf dem Hof, rundherum soll der Turm mit Holz verkleidet werden. Und auch die Galerie – der Balkon um den Mühlensockel – wird wieder hergerichtet. Aufgrund der Höhe des Gebäudes und der Lage werde das einer der höchsten Punkte der Stadt, sagt Reiner Hinsen. „Von da oben hat man einen wunderbaren Blick auf die Inseln und Halligen.“ Die Flügel werden am Nachbau allerdings fehlen. Auch die wären in dem reinen Wohngebiet, in dem sich das Gebäude inzwischen befindet, nicht genehmigt worden, sagt der Bauherr.

Wann genau die Windmühle Lütjenshöft ursprünglich errichtet wurde, ist laut der Chronik der Stadt Bredstedt nicht bekannt. In das Brandregister wurde sie 1748 eingetragen. 1849 wurden der Hof und die Mühle allerdings durch Blitzschlag zerstört und zwei Jahre später nach einem Wiederaufbau wieder in Betrieb genommen. 1934 wurden Flügel und Kappe schließlich entfernt sowie der Mühlenturm bis auf das Erdgeschoss abgerissen. Der Müllereibetrieb wurde zunächst mit Elektromotor fortgesetzt. Seit 1971 wurde der Unterbau ausschließlich als Wohnraum genutzt. Die Wohnung im Erdgeschoss ist inzwischen wieder bewohnt.

Der jetzige Eigentümer lebt seit 30 Jahren in Schleswig-Holstein und hat bereits mehrere historische Gebäude gekauft und wieder so hergerichtet, wie sie ursprünglich einmal ausgesehen haben – unter anderem einen alten Fähr-Gasthof in der Nähe von Rendsburg oder ein Stadthaus in der Husumer Neustadt. Ein lohnendes Geschäft sei das nicht, gibt Hinsen zu. „Dafür muss man einfach eine Leidenschaft haben“, sagt er. Ihm ginge es viel mehr darum, Kulturgüter zu erhalten.

Nach Bredstedt ist er durch einen Zufall gekommen, da er die Tochter der letzten Eigentümerin der Mühle kennt, die ihr Elternhaus seit einigen Jahren verkaufen wollte. Wie genau er das Gebäude dann nach dem Ende der Arbeiten nutzen will – ob für Mietwohnungen oder Ferienunterkünfte – wisse Hinsen allerdings noch nicht. Aber eines sei laut Bauleiter Remo Krehmke relativ sicher: „Wenn alles glatt läuft, sollte der Turm Ende Januar stehen – zumindest im Rohbau.“

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erstellt am 16.Dez.2015 | 17:54 Uhr

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