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Integration durch Fussball : Der Ball kommt ins Rollen

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bei der Husumer SV gibt es jetzt eine feste Fußballmannschaft, in der Flüchtlinge aus vier Ländern spielen. Den Impuls für dieses Integrationsprojekt gaben die Migranten selbst.

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erstellt am 16.Apr.2016 | 15:00 Uhr

„Erstmal Schuhkontrolle!“, ruft Dieter Harrsen und stürmt gut gelaunt in den Versammlungsraum des Sportlerheims im Husumer Friesenstadion. Der Landrat ist voller Tatendrang. Gleich ist Anpfiff für ein Trainingsspiel der besonderen Art – und er übernimmt die Rolle des Unparteiischen. Junge Fußballer aus Syrien, Irak, Afghanistan und Eritrea haben sich zu einer Mannschaft zusammengefunden und treten gegen eine Auswahl der Husumer Sportvereinigung (HSV) an. Das Außergewöhnliche daran: Die Flüchtlinge selbst waren die Impulsgeber für das Integrationsprojekt.

Doch von vorn. „Die Nordfriesen tun viel für uns, aber wir wollen auch selbst dazu beitragen, dass wir hier heimisch werden“ – mit diesem Ziel machten sich drei in Husum wohnende Flüchtlinge (zwei Syrer und eine Irakerin) auf die Suche nach Mitstreitern. Schnell bildete sich eine Arbeitsgruppe, an der sich neben Felix Carl, dem Migrationsberater des Kreises, auch Hilke Holthuis von der Stadt Husum und die Geschäftsführerin des Husumer Speichers, Noren Fritsch, beteiligen. Später schlossen sich das Diakonische Werk und weitere Flüchtlinge an. „Die Migranten sind fremd in Deutschland, kennen sich aber auch untereinander kaum. Sie brauchen einen Raum der Begegnung, in dem sie Kontakte mit anderen Flüchtlingen und ebenso mit Deutschen knüpfen können“, erklärt Carl. Einen solchen Raum bietet das Diakonische Werk in der Familienbildungsstätte Husum nun an. Er ist sonntags ab 14 Uhr geöffnet.

Doch die Migranten und ihre Unterstützer wollten noch einen Schritt weiter gehen. Sie suchten nach einem gemeinsamen Nenner, einer Aktivität, die verbindet. Carl brachte König Fußball ins Spiel. „Meine Leidenschaft für den Fußball wird von vielen Flüchtlingen geteilt. Vereinssport ist im Nahen Osten und in Afrika wenig verbreitet, aber Straßenfußball spielt man überall“, sagt der 36-jährige Sozialpädagoge. Als Verstärkung holte er sich den Vorstandsvorsitzenden des HSV, Klaus Kasparek. Der Verein war schnell bereit, sportbegeisterte Flüchtlinge aufzunehmen. Doch der Ball kam nicht so recht ins Rollen. Die Migranten kamen nur kleckerweise ins Stadion, waren verschüchtert. Also gingen die Initiatoren in die Offensive und gründeten eine ganze Mannschaft aus Flüchtlingen. Mit festen Trainern und Zeiten, einem Platz, Haftpflichtversicherung, offizieller Beitragsfreistellung – und natürlich einem Namen: Nord-Hafen. Zwei Coaches hat das Team: Felix Carl und Kevin Claußen. Der Migrationsberater und der Lehrer aus Wester-Ohrstedt kennen sich seit 25 Jahren und haben lange im Verein gespielt. Am 31. März fand das erste Training mit 15 Teilnehmern statt. Beim zweiten Mal hatten sich schon 30 Leute eingefunden. Einige Mannschafts-Mitglieder schwingen sich extra aufs Fahrrad und radeln von Hattstedt oder Ostenfeld nach Husum, um beim Donnerstags-Training dabei zu sein. Sprecher der Mannschaft wurde Mohammed Kezzeh. „Unter den Spielern haben sich schon feste Freundschaften gebildet“, berichtet der 27-jährige Syrer, der zwar schon etwas Deutsch gelernt hat, aber vorsichtshalber lieber Englisch spricht. „Fußball versteht jeder – auch ohne Sprachkenntnisse. Der Sport vereint die ganze Welt“, ist Klaus Kasparek überzeugt. Auch Trikots gibt es. Sie werden von Nuvital (Sportlernahrung), einer Tochterfirma des Husumer Mineralbrunnens, gesponsert.

Mittlerweile steht Harrsen in schwarzem Dress und mit Trillerpfeife um den Hals auf dem Rasen. Der geprüfte DFB-Schiedsrichter beginnt, sich warmzulaufen. Der Landrat war lange Zeit ehrenamtlicher Fußballobmann und Vorstandsmitglied des Sportzentrums Arlewatt. „Ich finde es vorbildlich, in welcher Form Migranten hier Eigeninitiative zeigen“, betont er. Wie viel Ehrgeiz in ihnen steckt, zeigen beide Mannschaften in einem hart umkämpften Spiel. Am Ende steht es zwar 5  :  1 für die deutsche Auswahl, vom Spielfeld gehen aber alle Kicker mit leuchtenden Augen. Auch die Trainer des außergewöhnlichen Teams hat der Ehrgeiz gepackt. Sie wollen ihre Spieler jetzt fit machen für die Kreisliga.

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