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Bürgermeister machtlos : Der Bärenklau breitet sich weiter aus

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In der Südermarsch hat die eingeschleppte gefährliche Pflanze einen idealen Standort gefunden. Die Bekämpfung im Vorjahr hat nach Einschätzung des Bürgermeisters zu spät eingesetzt. Die Jäger wollen jetzt mit Beweidung gegen den Bärenklau vorgehen.

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erstellt am 07.Mai.2014 | 11:00 Uhr

Glücklich ist er nicht, der Bürgermeister von Südermarsch. Karl-Jochen Maas wird nämlich immer wieder von Passanten angesprochen, ob er nicht etwas gegen die Ausbreitung des Riesenbärenklau auf dem Gemeindegebiet unternehmen könne. Doch Maas ist machtlos. „Die Pflanzen stehen auf einem Gelände, das der Kreisjägerschaft Nordfriesland gehört. Ich kann auf fremden Grund nichts machen.“

Häufiger habe er die Problematik schon angesprochen, doch leider sei nicht so richtig etwas erfolgt. Im vergangenen Jahr seien die großen Stauden zwar teilweise abgehackt und mit anderem Buschwerk geschreddert worden, doch erst nach dem Samenfall, wie Maas erläutert. Nach seiner Ansicht könnte dies auch der Grund sein, warum sich die auch Herkulesstaude genannte Pflanze in diesem Jahr so massiv in der Südermarsch ausgebreitet hat, denn viel Samen dürften beim Abtransport des Schredderguts vom Hänger gefallen sein.

Die Bekämpfungsaktion hat seiner Überzeugung nach nichts gebracht. Sie hat einfach zu spät stattgefunden. Auch in diesem Jahr fühlt sich der eingewanderte Kaukasier nämlich an dem Standort in der Südermarsch sichtlich wohl. Während er anderenorts um die 30 Zentimeter gewachsen ist, hat er dort stellenweise schon locker einen Meter Höhe erreicht. Kein Wunder, im Vorjahr wuchs Pflanze in der Südermarsch bis auf eine Höhe von 4,50 Meter auf. „Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, um die Pflanze zu bekämpfen“, sagt der Bürgermeister. Da das Areal auf moorigem Grund liege, könne nicht mit Feuer gearbeitet werden, sagt der Gemeinde-Chef. Das besagte Gelände am Osterweg ist nicht das einzige in Südermarsch, wo sich der Bärenklau prächtig entwickelt hat. In der Vergangenheit gab es bereits ein weiteres Vorkommen. Dort hat die Gemeinde eine Bekämpfungsaktion nach Rücksprache mit dem Land und unter Auflagen vorgenommen. Diese waren so streng, dass eine chemische Bekämpfung auf dem Gelände der Jägerschaft wohl nicht in Betracht komme, da die Pflanzen überwiegend in Nachbarschaft von Bäumen und in sumpfigen Gelände siedeln.

Jochen Muxfeld, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, sagte gegenüber unserer Zeitung, dass er zum ersten Mal von diesem Problem höre. „Ich werde das Thema ansprechen, und es wird etwas geschehen. Allerdings weiß ich nicht, ob das Areal womöglich verpachtet ist.“ Seinem Schatzmeister Kurt Beneditz aus Mildstedt, der für die Südermarsch zuständig ist, ist das Problem hingegen bekannt. Nach seinen Angaben soll der Bärenklau ohne Chemie durch Beweidung bekämpft werden. Rinder und Schafe würden durch den Kontakt mit der Pflanze und durch das Abfressen nicht gefährdet. Der Pächter des Grünlandes werde einen Zaun bauen, damit die Tiere mit der Beweidung beginnen könnten.

Die Herkulesstaude oder Riesenbärenklau stammt aus dem Kaukasus. 1815 schenkte Zar Alexander I dem Fürsten Metternich eine Vase voller Samen, die dieser in einem Treibhaus seiner Sommerresidenz in Böhmen als Zierpflanze ausbrachte. Der riesige Doldenblütler wurde Ende des 19. Jahrhundert im restlichen Europa als Gartenpflanze populär. Der Verbreitung auch in der freien Natur waren dadurch Tür und Tor geöffnet. Die Staude, die innerhalb weniger Monate bis zu viereinhalb Meter hoch wird, ist eine gefährliche Art. Die Berührung und der Aufenthalt in ihrer Nähe kann gesundheitliche Folgen für Mensch und Tier haben. Nach dem Hautkontakt und der anschließender Bestrahlung mit Sonnenlicht, kann die Reaktion von der einfachen Rötung bis hin zu sehr schmerzhaften, entzündlichen Blasen reichen. Zudem gibt die Pflanze bei Sonnenlicht auch Gase ab, die Atemnot und sogar eine langanhaltende schwere Bronchitis verursachen können. Für Kleinkinder kann der Kontakt im allerschlimmsten Fall sogar tödlich enden.

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