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Wiederwahl mit Wermutstropfen : Der alte ist auch der neue Amtsdirektor

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Herbert Lorenzen bleibt Leiter der Amtsverwaltung von Eiderstedt. Der Amtsausschuss sprach ihm für weitere sechs Jahre das Vertrauen aus – allerdings nicht alle der 23 Mitglieder. In ihren Reihen waren sieben Kritiker seiner Arbeit, die ihm nicht ihr Ja gaben.

Herbert Lorenzen bleibt Amtsdirektor von Eiderstedt. In der geheimen Abstimmung in der Amtsausschuss-Sitzung erhielt der 53-Jährige 16 von 23 Stimmen. Damit wird er vom 1. August an für weitere sechs Jahre die Verwaltung für die 16 Gemeinden leiten. Zusätzlich besteht mit der Stadt Tönning eine Verwaltungsgemeinschaft. Weitere Kandidaten gab es nicht für den Posten, denn der Amtsausschuss hatte sich in seiner vorigen Sitzung mehrheitlich gegen eine Ausschreibung ausgesprochen. Amtsvorsteher Christian Marwig gratulierte Lorenzen zur Wiederwahl: „Sie haben es sich verdient.“ Der alte und neue Amtsdirektor dankte für das Vertrauen. Vieles laufe gut, vieles sei aber auch noch zu verbessern. Er reiche jedem die Hand, der nicht für ihn gestimmt habe, die Dinge sollten gemeinsam angepackt werden, appellierte er an seine Kritiker. „Mit meiner Mannschaft und ihnen allen zusammen, werden wir eine ganze Menge bewegen können“, wandte er sich an das gesamte Gremium.

Zu Beginn der Sitzung ging es um ein großes Zukunftsprojekt, dass das Amt Eiderstedt gemeinsam mit den Ämtern Viöl und Nordsee-Treene sowie den Städten Tönning und Husum angeschoben hat: die Versorgung des südlichen Nordfrieslands mit schnellem Internet per Glasfaser. Um das Vorhaben zu realisieren wurde am 1. Februar 2012 die Bürger-Breitband-Netzgesellschaft (BBNG) gegründet. Die Geschäftsführerin Ute Gabriel-Boucsein stellte das Projekt, das auch in der überegionalen Presse große Beachtung findet, und seinen derzeitigen Stand vor. Der erste Ort, Löwenstedt im Amt Viöl, wird in den nächste Wochen angeschlossen. Bis 2019 sollen dann alle Gemeinden versorgt sein, so das ehrgeizige Ziel. In welcher Reihenfolge die Kommunen drankommen, ist noch offen. „Da müssen wir flexibel sein“, sagte sie. Zu beachten gelte es, ob beispielsweise irgendwo Leitungen verlegt werden sollen, und die Wirtschaftlichkeit. Manche Gemeinden seien günstiger, andere teurer ans Netz zu bringen – je nachdem wie verstreut die Häuser liegen.

Derzeit ist die Finanzierung der Dreh- und Angelpunkt. Die öffentliche Hand stelle nicht die notwendigen Mittel zur Verfügung, obwohl sowohl Landes- wie auch Bundesregierung die flächendeckende Versorgung als poltisches Ziel formuliert haben. Die BBNG hat ein Eigenkapital von 2,435 Millionen Euro, das von den 917 Gesellschaftern beigesteuert wurde. Die Summe teilt sich wie folgt auf: 948 000 Euro von 783 Privatpersonen, 941 000 Euro von 81 Firmen und 546 000 Euro von 53 Gemeinden. Um das Glasfasernetz in den 59 Gemeinden einzuführen, werden 70 Millionen Euro an Investitionen fällig. Das Ausbaugebiet umfasst 26 000 Haushalte. Das Streckennetz beträgt rund 1600 Kilometer. Derzeit führt die BBNG mit Nospa, Volksbank und Investitionsbank sowie mit vier Geschäftsbanken Gespräche, um 48 Millionen Euro zu finanzieren.

Das Projekt sei technisch komplett durchgeplant, erklärte Ute Gabriel-Boucsein auf Nachfrage. Und die verwendete Technik der BBNG werde ein Gigabit übertragen können, verwies sie auf dieZukunftsfähigkeit.

Um künftige Projekte ging es auch in einem anderen Tagesordnungspunkt: Für St. Peter-Ording soll ein Stadtplaner in der Amtsverwaltung eingestellt werden. Die Gemeinde wird die Kosten erstatten. In der Sitzung lag nun der öffentlich-rechtliche Vertrag auf dem Tisch. Oldensworts Bürgermeister Frank-Michael Tranzer bemängelte, dass keine konkreten Zahlen vorlägen und dass die Gemeindevertretung von St. Peter-Ording ihren Beschluss erst am 3. März fassen wird. „Aber der Amtsausschuss soll in einem laufenden Verfahren bereits tätig werden.“ Und Wilfried Massow, Oldensworts zweiter Vertreter im Ausschuss, bemängelte, dass der Stadtplaner in Garding sitzen soll, und nicht im Nordseebad. St. Peter-Ordings Bürgermeister Rainer Balsmeier erwiderte: „ Es wäre doch ein Leichtes unter Vorbehalt der Zustimmung der St. Peteraner Gemeindevertretung diesen Beschluss zu fassen.“ Das Geld, das derzeit sowohl im Amts- wie auch im Gemeindehaushalt eingestellt sei, werde locker reichen, da der Planer nicht vor Mitte des Jahres anfangen werde. „Die Gemeinde wird 100 Prozent der Kosten übernehmen.“ Ferner mache es keinen Sinn, den Planer von seinem Fachbereich in Garding abzukoppeln. Gemeindevertreter Wolfgang Voutta ergänzte, dass durch die Einstellung des Stadtplaners die Amtsverwaltung deutlich entlastet wird. „Dafür will St. Peter-Ording keine Erstattung haben.“ Der Amtsausschuss stimmte dann bei einer Enthaltung für den Vertrag.

Zu Beginn hatte Ehrenamtsvorsteher Albert Pahl das Gremium gebeten, sich Gedanken über die künftige ärztliche Versorgung auf Eiderstedt zu machen. „Sitzen sie es nicht aus, sondern bemühen sie sich rechtzeitig.“ Herbert Lorenzen verwies auf das Pilotprojekt Kooperationsraum, das die Region zwischen Westerhever und Vollerwiek umfasst. Die medizinische Versorgung wird dabei Thema sein.

Auf die Diskussion um Pro Eiderstedt bezog sich Peter Theodor Hansen (Osterhever). Es handele sich dabei nicht um einen Verein, sondern um eine Bürgerinitiative. Es müssten also keine Jahresversammlungen abgehalten werden.

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erstellt am 23.Feb.2014 | 21:00 Uhr

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