Interaktive Ausstellung in Breklum : „Der 8. Tag“ mahnt zur Umkehr

Energie und dann Musik erzeugt mit Muskelkraft: Präses Andreas Tietze fährt Rad – Zuschauer sind Friedemann Magaard, Theologischer Leiter des Kollegs, und Pranita Biswasi, die Interessierte gern durch die Ausstellung führt.
Energie und dann Musik erzeugt mit Muskelkraft: Präses Andreas Tietze fährt Rad – Zuschauer sind Friedemann Magaard, Theologischer Leiter des Kollegs, und Pranita Biswasi, die Interessierte gern durch die Ausstellung führt.

Im Breklumer Kolleg ist die Klima-Ausstellung „Der 8. Tag“ noch bis 2016 zu sehen und durch verschiedene Mitmach-Aktionen auch zu erleben. In der kirchlichen Einrichtung wird so für nachhaltige Zukunftsplanung geworben.

shz.de von
22. Januar 2015, 14:00 Uhr

Zur feierlichen Eröffnung der Klima-Ausstellung „Der 8. Tag“ trat Dr. Andreas Tietze, Präses der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, kräftig in die Pedale. Mit Muskelkraft brachte er eine Lampe zum Leuchten und sorgte dafür, dass das Lied „Living next door to Alice“ von Smokie aus dem Radio erklang.

Diese Art von Mitmach-Aktionen sowie interaktive Exponate machen die besondere Ausstellung im Christian-Jensen-Kolleg in Breklum aus. Sie ist greifbar, begreifbar und bietet damit den Besuchern die Möglichkeit, sich aktiv mit in die Zusammenhänge von Klima und Klimagerechtigkeit einbeziehen zu lassen. Außerdem werden alle dazu ermutigt, einen eigenen Beitrag zum Thema zu leisten. Mittels einer Vielfalt an Angeboten wird eindrucksvoll informiert – und wer etwas Zeit braucht, um in Ruhe über das eigene Verhalten mit Blick auf die Klimaveränderung nachzudenken, hat die Möglichkeit, sich in einen Raum mit dem Namen „Der 9. Tag“ zurückzuziehen.

„Die Ausstellung bildet einen von vielen wichtigen Meilensteinen auf dem Weg zu einer klimaneutralen Kirche, denn sie trägt dazu bei, dass Menschen über die notwendigen Veränderungen informiert und daran beteiligt werden“, betonte der Präses. Die Welt, in der wir heute lebten, sei geprägt von den Versuchen des Menschen, diese komplett nach seinen Bedürfnissen zu gestalten. „Am achten Tag finden wir uns in einer Situation vor, in der wir versuchen, die Voraussetzungen, die wir aus optimistischem Fortschrittsglauben, Machbarkeitswahn und Profitstreben heraus geschaffen haben, wieder in den Griff zu bekommen.“ Für Andreas Tietze steht fest, dass die Grenzen des Wachstums längst erreicht sind. Die Einsicht in den notwendigen Wandel würden aber noch zu keinem Ergebnis führen. Der Mensch sei geübt in der Erschaffung neuer Realitäten, wenig begabt aber darin, die einmal geschaffenen Standards sozial-ökologisch so zu transformieren, dass sie zu mehr Gerechtigkeit, mehr Teilhabe und einer nachhaltigen Zukunftsplanung führten. „Da braucht es noch viel Übung und Einsicht.“ Manche Menschen in der Kirche halten das Thema „Klima“ für nachrangig, weiß Tietze. „Ich halte dagegen, dass uns schon das Bekenntnis zu Gott dazu verpflichtet, unseren Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten und für Gerechtigkeit einzutreten. Klimaschutz und Klimagerechtigkeit sind von daher Kernaufgaben der Kirche“, sagte der Präses, der nicht „verhehlen“ wollte, dass es deshalb in einigen Kirchenkreisen auch „Konflikte“ gegeben hatte. Dennoch: Das Bewusstsein für die Notwendigkeit dieses Umdenkens sei an vielen Stellen der Kirche vorhanden und habe bereits zur Bildung stabiler Netzwerke geführt.

Dr. Klaus Schäfer, Direktor des Zentrums für Mission und Ökumene, berichtete von der Bedeutung des Klimawandels in anderen Ländern und von Anfragen der dortigen Partnerkirchen, was denn in Deutschland zu diesem Thema unternommen wird. Für Schäfer steht fest: „Erde ist nicht Umwelt, sondern Mitwelt.“ Die Ausstellung ist deshalb in seinen Augen eine „wunderbare Gelegenheit, auf die Schöpfung zu hören“.

„Der 8. Tag“ wird mit einem großzügigen und auffälligen Banner am Kolleg-Gebäude beworben. Regelmäßige Öffnungszeiten können nicht angeboten werden, wie Hans Baron, Theologischer Referent und Verantwortlicher für die Ausstellung, erklärte. „Aber täglich gibt es eine halbstündige Kurzführung um 13 Uhr.“ Treffpunkt ist die Rezeption im Martineum, wo Pranita Biswasi die Besucher empfängt. Sie ist Inderin und absolviert im Jensen-Kolleg ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Auf Englisch erzählte sie während der offiziellen Eröffnung von ihren Eindrücken während der Weltklimakonferenz in Lima (Peru), an der sie als Jugenddelegierte teilgenommen hatte. Gefördert wird „Der 8. Tag“ durch das Bingo-Lotto, den Kirchlichen Entwicklungsdienst und andere Einrichtungen der Nordkirche. Der Eintritt ist kostenfrei.

Interessierte können die Ausstellung auch ohne Begleitung besuchen; für Jugendliche und Gruppen bietet sich eine Rallye durch die Räume an. Die Ausstellung endet im Juni 2016. Anmeldung: unter Telefon 04671/91120.

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