Städtebau : Denkmalschutz als letztes Mittel?

Nach Ansicht der IG Baupflege Nordfriesland 'erhaltenswerte Kulturdenkmale': Mietwohnungen in der Hebbelstraße  .  .  .
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Nach Ansicht der IG Baupflege Nordfriesland "erhaltenswerte Kulturdenkmale": Mietwohnungen in der Hebbelstraße . . .

Mietwohnungen in der Hebbelstraße und der Verkaufs-Pavillon an der Marienkirche sollen unter Denkmalschutz gestellt werden. Die IG Baupflege Nordfriesland hält sie für "erhaltenswert", das Landesamt hingegen nicht.

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19. September 2008, 07:23 Uhr

Husum | Die Stadt Husum ist zwar nicht groß. Aber dennoch ist sie reich an bemerkenswerten geschichtlichen und städtebaulichen Kulturdenkmalen. Über 40 schutzwürdige Zeugnisse aus vergangenen Zeiten hat das Kieler Landesdenkmalamt seit 1967 für Husum in das Denkmalbuch des Landes Schleswig-Holstein eingetragen. Sie zu erhalten, liegt nun im öffentlichen Interesse. Ohne Genehmigung der Denkmalschutzbehörde dürfen sie weder verändert noch gar beseitigt werden.

Doch nicht alles, was für zukünftige Generationen durchaus erhaltenswert ist, wird auch schon geschützt. Aus der Vielzahl dafür möglicher Objekte hat die Interessengemeinschaft (IG) Baupflege Nordfriesland & Dithmarschen jetzt zwei Architektur-Beispiele in den Fokus ihres Interesses gerückt: ein Ensemble von Mietwohnungen in der Hebbelstraße aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und den Verkaufs-Pavillon hinter der Marienkirche von 1950. Beide Objekte sind nach Ansicht der IG Baupflege in ihrem jeweiligen Baustil repräsentative Zeugnisse ihrer Bauepoche und haben das Stadtbild mitgeprägt. Sie in ihrem jetzigen Zustand zu erhalten, sollte Anliegen der Eigentümer und auch der Stadt Husum sein.
Besondere Bedeutung fehlt

Nach Meinung des Landesamtes für Denkmalpflege in Kiel sind die Objekte als Kulturdenkmale anzusehen, liegt ihr Erhalt doch aufgrund ihres städtebaulichen Wertes im öffentlichen Interesse. Doch in beiden Fällen fehlt die "besondere Bedeutung", beurteilt Dr. Astrid Hansen vom Kieler Landesamt die Bauwerke. Das aber sei laut Gesetz die notwendige Voraussetzung für einen Eintrag in das Denkmalbuch, der erst den Schutz gewährt. Die Kommunen - und somit auch die Stadt Husum - hätten eigene Möglichkeiten, erhaltenswerte Kulturdenkmale zu schützen. So gäbe es die Handhabe, eine Erhaltenssatzung zu erlassen. Damit ließe sich regeln, wie das Erscheinungsbild von Bauwerken oder sogar Straßen gesichert werden kann, weist Denkmalpflegerin Dr. Hansen auf die rechtlichen Mittel der Stadt hin.

Gerd Kühnast, Vorsitzender der IG Baupflege, hat daran jedoch seine Zweifel. Die Stadt Husum habe sich mit einer Erhaltungssatzung "bislang nicht hervorgetan", schreibt er in der Vereinspublikation "Der Maueranker" (Heft 2/2008). So bleibt der Denkmalschutz nach seiner Ansicht "das letzte Mittel".
Gebäude prägten Stadtbild

Beide Objekte, die nach Ansicht von Kühnast erhalten werden sollten, haben das Stadtbild prägend mitbestimmt. Die Wohnbebauung in der Hebbelstraße ließ zum Teil der Arbeiterbauverein nach Plänen des Husumer Architekten Werner Schröder erbauen. Drei der Doppel-Häuser sind im Besitz der Stadt. Ein Gebäude steht mittlerweile leer und soll nach Auskunft der Stadtverwaltung verkauft werden, die anderen sollen folgen. Die Anlage ist noch weitgehend unverändert. Die IG Baupflege befürchtet, dass nach einem Verkauf jeder neue Eigentümer seinem Teil des Doppelhauses "den individuellen Stempel aufdrückt" und damit dem Quartier das "Schicksal privatisierter Bergarbeitersiedlungen droht".

Nicht nur eine äußere Veränderung, sondern sogar die Abrissbirne steht dem Verkaufs-Pavillon an der Ecke Süderstraße / Kirchgang bevor. Dieses 1950 vom Husumer Architekten und Maurermeister Werner Thordsen im Stil der Zeit errichtete Gebäude gehört dem Asmussen-Woldsen-Vermächtnis. Nach Ablauf der Pachtverträge am 31. Dezember 2009 soll es nach einem Beschluss der Gremien des Vermächtnisses abgerissen und an seiner Stelle ein mehrstöckiger Neubau mit Ladenlokalen im Erdgeschoss, darüber Wohnungen und Arztpraxen, errichtet werden.

Die Stiftung zur Erhaltung des Husumer Stadtbildes betrachtet diesen Pavillon als ein "Denkmal der Zeitepoche". Ein möglicher Neubau muss der überregionalen Bedeutung der Marienkirche "seine Reverenz erweisen" und damit qualitativ hochwertig sein, meint Dr. Ulf von Hielmcrone. Wenn dieses architektonische Zeitzeugnis schon abgerissen werden muss, dann sollte an seiner Stelle etwas "städtebaulich Besseres" geplant werden.

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