Kreisbehörde droht Husum : Denkmalschützer gegen Residenz

Das neue Gebäude wird ebenso hoch wie das ehemalige Parkhotel nebenan.
Das neue Gebäude wird ebenso hoch wie das ehemalige Parkhotel nebenan.

Eine geplante Seniorenwohnanlage in Husum ist ins Visier der Unteren Denkmalschutzbehörde geraten – aber weder Politik noch Verwaltung der Stadt sind willens, den Bedenken zu folgen.

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05. Dezember 2018, 14:22 Uhr

Husum | Der Bebauungsplan Nr. 78 „Seniorenresidenz Erichsenweg“ ist in trockenen Tüchern – oder zumindest fast. Der Umwelt- und Planungsausschuss votierte einstimmig für die Annahme des Durchführungsvertrags des siebengeschossigen Neubaus mit 58 Wohneinheiten auf dem Areal der ehemaligen Kongresshalle sowie für den Beschluss der entsprechenden Satzung. Obwohl es bei den im Rahmen der Beteiligung von Öffentlichkeit und Behörden eingegangenen Stellungnahmen von einer Seite massive Bedenken gab – nämlich von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Nordfriesland. Und die verband ihre Kritik sogar mit der Drohung, die für den Bau erforderliche denkmalrechtliche Genehmigung nicht zu erteilen.

Begründung: Der Eindruck des Kulturdenkmals „Schlosspark“ würde durch die Errichtung des massiven Gebäudekomplexes wesentlich beeinträchtigt, der zudem das denkmalgeschützte Amtsgericht sowie die ebenfalls geschützte benachbarte Jugendstil-Villa in der Theodor-Storm-Straße überragen und damit deutlich sichtbar sei. Der Neubau, so moniert die Untere Denkmalschutzbehörde, würde zwischen den beiden Denkmalen deutlich in Erscheinung treten und diese über die Länge von 55 Metern optisch verbinden.

Diese angebliche Beeinträchtigung von Durchblick und Sichtachsen konnte allerdings weder von der Politik noch von der Verwaltung nachvollzogen werden. „Daher empfehlen wir auch, diese Stellungnahme nicht zu berücksichtigen“, so Bauamtsleiter Jörg Schlindwein. Der für den Bau der Residenz federführende Hamburger Stadtplaner Jo Claussen-Seggelke ergänzte: „Wir haben dazu einen Verwaltungsrechtler befragt. Die Bedenken der Behörde werden keinen Bestand haben, städtebauliche Erfordernisse und die Planungshoheit der Stadt werden als Rechtsgut höher bewertet. “ Man könne es daher ruhig auf einen Streit ankommen lassen. „Ich vermute aber, dass eine Nichtberücksichtigung des Einwandes keine rechtlichen Folgen haben wird.“ Und Schlindwein hieb noch einmal in dieselbe Kerbe: „Die Genehmigung für das Bauvorhaben kann nur bei einer wesentlichen Beeinträchtigung versagt werden. Das ist hier nicht der Fall.“

Auch bei den Stadtpolitikern sorgte der Einwand der Denkmalschutzbehörde für Befremden. „Die Argumentation mit der Verbindung der beiden Denkmale wirkt konstruiert“ , befand SPD-Fraktionschef Horst Bauer, und sein Parteigenosse Ulf von Hielmcrone sprach von „Willkür“. Am Ende folgte der Ausschuss der Empfehlung der Verwaltung.

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