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Fotoaktion im Rathaus : Denk’ ich an Husum, wird’s richtig bunt

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Projekt „Du und dein (W)Ort – Porträts grenzenlos“ brachte viel Persönliches ans Licht. Laurenz-Alexander Schettler und Ann-Kristin Jahrmann fotografierten Menschen, die zu ihrem Bild einen Satz über die Storm-Stadt sagen sollten.

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erstellt am 08.Feb.2014 | 12:00 Uhr

„Es ist nicht vorhersehbar, wie solche Projekte angenommen werden, aber in Husum sind die Leute immer sehr aufgeschlossen“, sagt Laurenz-Alexander Schettler. Wochentag und Ort schienen aber auch richtig gewählt für das Kunstprojekt „Du und dein (W)Ort – Porträts grenzenlos“ von ihm und seiner Partnerin Ann-Kristin Jahrmann.

Am Wochenmarkttag hatten die beiden Künstler aus Kappeln die Kamera im Foyer des Rathauses aufgestellt. Wer wollte, durfte sich mit einem Gegenstand seiner Wahl kostenlos fotografieren lassen und wird nun Teil einer Ausstellung. Im Vorgespräch wurde – neben dem Einholen der Einverständniserklärung zur Ablichtung – das Projekt erläutert.

Nach Plön, Niebüll, Barmstedt, Nortorf, Schleswig und Bornhöved war nun Husum an der Reihe. Weitere Städte in Schleswig-Holstein sollen noch folgen.

„Es ist oft erstaunlich, wie offen die Menschen ihre Geschichte erzählen – wenn sie erst einmal den Mut gefasst haben, mitzumachen, sich einzubringen und die Skepsis beiseite zu schieben“, sagt Schettler. Dabei geht es nicht um ausgewählte Models, sondern um Menschen, die auf ihre ganz normale Weise etwas Besonderes sind. Gekrönt wird das Foto mit einem Satz, den jeder frei ergänzen durfte. Die Vorgabe war „Denk‘ ich an Husum . . .“

Die Husumerin Silvia Katherina Petersen hatt sich spontan zum Mitmachen überreden lassen. Sie strahlt mit dem Scheinwerfer um die Wette, lässt sich von Schettler führen und fragt lachend nach Fotobearbeitungsprogrammen, um vorteilhaft ins Bild zu kommen. Nötig hätte sie es sowieso nicht, aber es soll auch nichts geschönt werden. Das Porträt und die Hände als Spiegel des Lebens und der Seele sollen den Reiz ausmachen. Ihre Husum-Aussage „Die bunte Stadt am Meer“ passt zur 49-Jährigen und ihrem offensichtlichen Sinn für Humor.

Auch der 72-jährige Heinz Sadlutzki aus Mildstedt ist dabei – mit „Denke ich an Husum, denke ich an den Wochenmarkt“, den er regelmäßig besucht. Seine Begründung zum Mitmachen liefert er in seiner Ansage an Ann-Kristin Jahrmann: „Sie sind so nett, da konnte ich nicht widerstehen“ – und das meint er ganz ehrlich zur sichtlich gerührten Künstlerin.

Karin Brumm aus Husum hatte von der Aktion in unserer Zeitung gelesen und kommt schon vorbereitet ins Rathaus. Gleich zwei Sätze hat sie dabei. Beide umfassen mehr, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. 30 Jahre war sie in ihrem Leben nicht in ihrer Heimatstadt und fasst es auf Platt zusammen: „Denk ik an Husum, nümmt mien Lengen överhand.“ Noch heute kämpft sie mit Tränen der Rührung, wenn sie an das große Heimweh denkt, dass sie in dieser Zeit verspürte. Passend dazu die zweite Aussage, die darauf abzielt, dass sie seit 1998 wieder in der Storm-Stadt lebt: „Denk ik an Husum, denn bün ik glücklich, wedder hier to sien.“ Besser kann man ein Gefühl kaum beschreiben, was Husum einem Menschen bedeuten kann.

Jede Stadt soll zum Ende des Jahres eine Ausstellung bekommen, wo nicht nur die nun Abgelichteten ihre Fotos und Aussagen auf der Leinwand wiederfinden, sondern auch alle anderen Interessierten in die Vielfalt eintauchen können, die mit den Sätzen und Porträts verbunden sind. Angedacht ist auch, nach etwa zwei Jahren dieselben Menschen wieder zu fotografieren und zu befragen, um Änderungen und Entwicklungen festzuhalten. Vielleicht wird es auch eine Wanderausstellung mit den schönsten Fotos aus allen Städten geben, hofft Schettler.

Die beiden Initiatoren haben unterschiedliche Wege zur Kunst eingeschlagen. Laurenz-Alexander Schettler studierte an der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel und an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und arbeitet als Dozent und experimenteller Künstler. Ann-Kristin Jahrmann studierte Deutsch und Mathematik auf Lehramt in Kiel und gehört dem Verband Freier Deutscher Autoren an. Zahlreiche Ausstellungen und Lesungen im Norden wurden von ihnen geprägt. Husum werden sie spätestens dann wieder besuchen, wenn ihre Fotografien einem breiten Publikum vorgestellt werden.

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