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Schlecht-Wetter-Urlaub : Den vielen Regen gelassen ertragen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zuletzt hat es in Husum viel geregnet. Doch selbst Camping-Urlauber ertragen das Schmuddelwetter mit Fassung und machen das Beste daraus. Feuerwehr und Stadtwerke haben keine Probleme mit den Wassermassen von oben.

„Was leiten die denn da ein?“, will eine Urlauberin wissen, als wie von Geisterhand drei große glänzende Stahlklappen aufspringen und sich aus allen dreien ein Meter langer Wasser-Schwall in den Binnenhafen ergießt. Ihr Mann zuckt mit den Achseln. „Keine Ahnung.“ Die Erklärung liegt sprichwörtlich in der Luft, denn die ist an diesem Morgen ausgesprochen wasserlastig. Bis zu 60 Liter pro Quadratmeter hatten Meteorologen vorhergesagt. Eine gigantische Wassersäule, die im Normalfall durchaus geeignet wäre, Keller unter Wasser zu setzen oder das städtische Abwasserkanalnetz an den Rand seiner Kapazitäten zu bringen. Und so wird der Hafen dann schon mal zu einer Art Überlaufbecken. Das ist es, was die beiden Urlauber sehen und sich auch aus trockener und sicherer Entfernung auf den ersten Blick nicht erklären können.

Bis vor drei Wochen herrschten in Nordfriesland tropische Witterungsverhältnisse. Auch da war die Luft feucht. Aber was dieser Tage über uns hereinbrach, ist natürlich von anderem Kaliber und mit dem Kinderlied „Es regnet, und die Erde wird nass, und wenn es genug geregnet hat, dann hört es wieder auf“ nur äußerst unzureichend beschrieben. Urlaubsgästen wie Einheimischen stellt sich da eher schon die Frage: „Wann hört es endlich wieder auf?“ Wer will die schönste Zeit des Jahres – von gelegentlichen Aussetzern mal abgesehen – schon im Schleudergang einer Waschmaschine verbringen – und mag sie auch noch so natürlich sein. Dennoch: Auf den Campingplätzen in und um Husum nehmen die Touristen die extrem nasse Witterung vergleichsweise gelassen hin. So auch Andrea und Steffen Heimberger aus Hamburg. Mit ihren Kindern Larissa (3) und Maurice (7) sind sie derzeit mit ihrem Wohnwagen auf dem Campingplatz Lundenbergsand zu Gast. „In der ersten Woche unseres Urlaubs hatten wir noch sehr schöne Tage“, sagen sie und beteuern, auch mit Regen gut zurechtzukommen. Zwar müssen jetzt, wenn der Wohnwagen verlassen wird, immer Gummistiefel angezogen werden, da der Rasen durch den Regen „doch sehr aufgeweicht ist“. Doch auch das trägt die junge Familie mit Fassung. „Auf dem Campingplatz gibt es ein tolles Kinderprogramm. Und sonst würden wir nach Husum reinfahren“, denn dort hat der siebenjährige Sohn schon eine wertvolle Entdeckung gemacht: „Es gibt es eine Schwimmhalle. Da gehen wir ab und zu hin.“

Ein ähnliches Bild bietet sich auf dem Campingplatz am Dockkoog. Hier haben es sich Reinhold und Dirk Schönrock aus Gronau an der Leine in einem großen Zelt gemütlich gemacht. Noch bis Ende des Monats wollen sie hierbleiben. „Und natürlich schränkt der Regen unsere Möglichkeiten schon etwas ein“, räumt Reinhold Schönrock ein. „Andererseits genieße ich die Freiheit, bei jedem Wind und Wetter rauszugehen“, so der 59-Jährige. Als Fernfahrer verbringe er die Nächte meist in Hotels oder in der Enge seines Lkw-Führerhauses. Auch sein 33-jähriger Sohn, der Mechaniker ist, kann dem wechselhaften Wetter nichts Negatives abgewinnen. „Der Regen macht mir nichts aus. Entweder zieht man sich entsprechend an und unternimmt etwas. Oder man sitzt im Zelt und genießt es, einfach einmal nichts zu tun.“

Annette und Ralph Ostermann aus Pforzheim, die einige Meter entfernt in ihrem Wohnwagen sitzen, haben da schon größere Schwierigkeiten. Zusammen mit ihren drei Kindern Wolfgang (3), Imanuel (6) und Renate (10) sind sie erst vor wenigen Tagen am Dockkoog angekommen und „müssen zuerst einmal sehen, was Husum für Kinder an solch verregneten Tagen zu bieten hat“. An Regentagen durch die Geschäfte zu schlendern – „das allein kann es ja nicht sein“, sagen sie.

Für Katrin und Ralf Schoden aus Laufen am Neckar ist die Nordsee eine ganz neue Erfahrung. „Wir sind zum ersten Mal hier, und bisher noch nicht einmal im Wasser gewesen.“ Aber das ist auch gar nicht so schlimm. „Wir wollen uns vor allem die Landschaft anschauen. Und dabei stört der Regen nur bedingt.“ Mit Gummistiefeln und in Regenjacken inspizieren die beiden den Campingplatz in Schobüll. In diesem Jahr haben sie eine Ferienwohnung gemietet. Und darüber sind sie angesichts des vielen Regens auch nicht unglücklich: „Ich könnte mir vorstellen, dass es im Zelt bei Dauerregen weniger leicht ist, den Urlaub zu genießen“, vermuten sie.

Wer zu Hause geblieben oder schon aus dem Urlaub zurück ist, sorgte sich zuletzt wohl vor allem darum, dass bei all dem Regen sein Keller trocken bleibt. Aber wegen Überschwemmungen musste die Husumer Feuerwehr in den vergangenen Tagen nicht ein einziges Mal ausrücken. „Darüber sind wir selbst überrascht“, sagt Erhard Fredermann und hofft natürlich, dass es so bleibt.

So gut wie keine Probleme mit den Wassermassen von oben haben auch die Stadtwerke Abwasserentsorgung. Bis auf ganz wenige verstopfte Regenwassereinläufe auf einzelnen Straßen hat Mitarbeiter Theodor Jensen auf Anfrage unserer Zeitung „nichts Außergewöhnliches“ zu vermelden. „Unsere Kläranlage hat zuletzt drei Mal soviel Abwasser aufgenommen wie sonst – 15 000 Kubikmeter.“ Die Hydraulik könne leicht noch einmal die doppelte Menge verkraften, so Jensen.

Über den aktuellen Stand an der Wasserfront informiert ein Link im Internet. Unter der Adresse www.hsi.schleswig-holstein.de gibt es alle Einzelheiten zu Niederschlägen und jeweiligen Wasserständen. Zuletzt waren Nordfrieslands Flüsse relativ voll. Doch inzwischen sinken die Pegel wieder. Angesichts der zuletzt recht starken westlichen Winde, weist die Nordsee allerdings auch bei Tideniedrigwasser relativ hohe Pegelstände auf. Damit reduzierten sich zugleich die Entwässerungsleistungen an den Deichsielen, hieß es dazu vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN).

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