Interview mit Jutta Albert : „Den Schuh ziehe ich mir nicht an“

Jutta Albert
Jutta Albert

Im Interview spricht Husums Tourismusdirektorin Jutta Albert über die Aufgaben von Stadtmarketing und die Kritik an der TSMH.

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02. März 2018, 09:31 Uhr

Wie kann Husum im Stadtmarketing besser werden? Antworten auf diese Frage sollen in diesem Jahr in zwei Workshops mit Vertretern aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik gefunden werden. Im Interview erklärt die Leiterin der Tourismus und Stadtmarketing Husum GmbH, Jutta Albert, wie sie diese Debatte bewertet.

Wie bewerten Sie die aktuelle Diskussion über das Thema Stadtmarketing?

Es ist grundsätzlich sinnvoll, regelmäßig inne zu halten und sich zu fragen: Wo stehen wir als Stadt eigentlich? Rahmenbedingungen ändern sich, und es stellt sich gelegentlich auch die Frage, wer eigentlich was macht. Ich halte es also für absolut legitim und für positiv, über Stadtmarketing zu diskutieren und daher ist es nachvollziehbar, dass die Wirtschaft hierfür den Anstoß gegeben hat.

Was Stadtmarketing genau ist, lässt sich nicht ganz einfach definieren.

Es gibt ja bei 15 Leuten häufig 15 verschiedene Interpretationen eines Begriffs. Und Stadtmarketing ist in dieser Hinsicht bestimmt einer der schillerndsten Begriffe. Auf jeden Fall wird es damit sehr individuell gehalten – je nach Profil der jeweiligen Stadt. So lassen sich beispielsweise die Standorte Niebüll und Husum schlecht vergleichen, sind doch die Herausforderungen in den beiden Städten ganz unterschiedlich.

Es gibt ja die Kritik, es würde zu wenig gemacht im Stadtmarketing – ziehen Sie sich diesen Schuh an?

Nein, den ziehe ich mir nicht an. Ich weiß, was wir machen. Unser Stadtmarketing ist stark kulturell und touristisch ausgerichtet. Ich bin zudem im Vorstand der Marketingkooperation der Städte in Schleswig-Holstein. Da geht es darum, dass die Städte im Landestourismus wahrgenommen werden. Unser Profil ist grundsätzlich eher am Nordseetourismus und Städtetourismus ausgerichtet. Die Grenze vom Städtetourismus zum klassischen Stadtmarketing, das man normalerweise eher als Innenstadtmarketing versteht, sind dabei natürlich fließend.
Wir kümmern uns bei der TSMH seit Jahren auch um das Kongress- und Tagungsmarketing. Damit sind wir deutschlandweit wahrscheinlich die kleinste Stadt, die so etwas macht.
Natürlich gibt es ständig neue Herausforderungen, vor denen besonders der Handel steht. Da muss man immer überlegen: Was kann der Unternehmer selbst tun, und wo können wir unterstützend tätig werden – im Rahmen der Möglichkeiten, die wir haben.
Ich finde es aber legitim, zu schauen, wo noch Lücken sind. Darüber müssen wir in der Stadt miteinander sprechen. Und natürlich wünsche ich mir, dass wir mehr machen könnten, beispielsweise klassisches Standortmarketing, um attraktiv für Arbeitnehmer/-innen, aber auch für Unternehmen zu bleiben. Aber: Ist das nicht eher Aufgabe der Wirtschaftsförderung? Wir müssen prüfen, wer in dieser Stadt welche Aufgaben bereits wahrnimmt. Dabei geht es nicht unbedingt darum, eine neue Organisation zu schaffen, sondern vielleicht einfach nur, Aufgaben zu klären und Prozesse eventuell zu verändern.

Es wurde ja schon angedeutet, dass man ein neues Stadtmarketing vielleicht bei der Messe ansiedeln könnte. Wenn ich Sie richtig verstehe, halten Sie das nicht zwangsläufig für sinnvoll.

Das muss ergebnisoffen diskutiert werden. Ich denke schon, dass die Messe Husum ein Schwergewicht ist, auch durch die Kraft, die sie haben kann. Selbst wenn sie vielleicht nicht unbedingt extrem viele finanzielle Mittel zur Verfügung hat. Mir ist auch bewusst, dass es in dieser Region eine Herausforderung ist, solch ein Haus zu führen.
Ich glaube aber, dass die Messe Husum zunächst einmal ihr eigenes Haus vermarkten muss und die Events, die dort stattfinden. Ob darüber hinaus weitere Aufgaben übernommen werden können, muss die Diskussion, die jetzt geführt werden soll, ergeben. Danach ist ja überhaupt erst klar, welche neuen Aufgaben es geben soll. Ein komplettes Stadtmarketing einschließlich Tourismusmarketing bei der Messe anzusiedeln, halte ich aber für äußerst diskussionswürdig.

Und wenn es getrennt wird? Das Stadtmarketing zur Messe und die TSMH macht weiter wie bisher?

Ich finde, wir müssen erst über Aufgaben reden und dann sehen wir, wo sie hingehören. Und stetige Veränderung gehört bereits jetzt bei allen zum laufenden Geschäft. Beim Stadtmarketing ist es jedoch ganz wichtig, Husum als Ganzes im Blick zu haben. Wenn man Stadtmarketing aber als reines wirtschaftliches Standortmarketing begreift, kann man sich natürlich fragen, ob es neben der TSMH Organisationen gibt, die dies professionell übernehmen können. Stadtmarketing als Ganzes aber bei der Messe Husum anzusiedeln, halte ich aus jetziger Perspektive nicht für sinnvoll.

Wenn auf die TSMH neue Aufgaben zukommen: Wie viel können Sie und ihre Leute denn mit einem Jahresbudget von 770 000 Euro im Jahr noch zusätzlich leisten?

Wir sind mit den Aufgaben in der Tourist Information und im Marketing ziemlich am Limit – für weitere Kampagnen oder ähnliches ist bei den jetzigen Aufgaben kein Geld mehr da. Und es geht auch um personelle Ressourcen. Jemanden abzustellen, der sich speziell mit dem Stadtmarketing beschäftigt, ist im Moment nicht drin. Wenn man das Aufgabenspektrum erweitern will, dann müsste man die TSMH finanziell und personell besser ausstatten.

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