zur Navigation springen

Volles Haus in Friedrichstadt : Den Leerstand gemeinsam angehen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Volles Haus beim Friedrichstädter Workshop zur Wiederbelebung der Innenstadt. Mehr als 100 Interessenten tauschten direkt am Marktplatz ihre Meinungen aus, was man tun kann.

von
erstellt am 05.Feb.2015 | 16:00 Uhr

In der ehemaligen Schreibwarenhandlung Kruse am historischen Marktplatz in Friedrichstadt brannte Licht, Stimmengewirr war zu hören. Doch was der Besucher des Workshops „Weiterentwicklung der Stadt Friedrichstadt“ mit dem Schwerpunkt Leerstand dann beim Betreten des Gebäudes Markt 20 erlebte, war für Friedrichstädter Verhältnisse eher ungewohnt. Geschätzt 120 Menschen drängten sich in den Räumen, um sich an der Diskussion über das unter den Nägeln brennende Thema zu beteiligen, und das, obwohl an diesem Abend der zweite Spieltag der Fußball-Bundesliga nach der Winterpause angesetzt war.

Die Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft Nordfriesland mit ihren beiden Friedrichstadt-Beauftragten Michael Schäfer und Tilmann Meyer sowie die Stadt selbst hatten eingeladen. Schon in seinem Eingangsstatement unterstrich Schäfer dabei, dass er keine vorgefertigten Lösungen anbieten könne, vielmehr solle es darum gehen, die vielen Ideen zu sammeln, miteinander ins Gespräch zu kommen und nach Lösungen zu suchen. Gleich danach ging es aus der Wärme der überfüllten Räume hinaus in die eisige Altstadt. Eingeteilt in sechs Gruppen sollten nämlich die Workshop-Teilnehmer überall dort, wo sie einen Leerstand entdeckten, ein rundes Schildchen „Leerstandsmelder“ anbringen. Der erhoffte Effekt: Jeder wird sich der Problematik viel bewusster, wenn Dutzende von Schildchen geklebt werden. Bei der Rückkehr im Tagungsraum setzte dann übergangslos eine Diskussion ein. Die unterschiedlichsten Ansichten waren zu hören, das Spektrum reichte von „So viel, das hätte ich nicht gedacht“, bis „ich hatte mit wesentlich mehr gerechnet“.

Bei Getränken und von der Schlachterei Nehlsen spendierten heißen Würstchen begann dann schnell eine Gesprächsrunde, in der jeder offen und ehrlich seine Meinung kundtat, und in der auch schnell ein grundsätzliches Problem des Holländerstädtchens recht deutlich wurde. Da wurden selbst die Bewohner am Rand der Altstadt als „die von da draußen“ bezeichnet. Die, die im Osten der Stadt einen Gewerbebetrieb führen, beklagten ihre Isolation. Obwohl Friedrichstadt mit seinen rund 2600 Einwohnern eigentlich nur ein „Dorf“ ist, zeigte sich, hier wird nicht mit einer Stimme gesprochen.

Dennoch wurde unter der Moderation von Michael Schäfer deutlich, dass der viele Leerstand, nicht nur der Geschäfte, die Einwohner beschäftigt. Durch die Bank allerdings war die Kritik an den zu hohen Mieten und dem schlechten baulichen Zustand der zu vermietenden Objekte beklagt worden. Während die Geschäftsleute betonten, dass sie gern alle Friedrichstädter als Kunden begrüßen würden, hieß es auf der anderen Seite, dass vorwiegend Waren für die Touristen angeboten werden. Einig waren sich wiederum alle, dass die Innenstadt möglichst wieder attraktiver werden müsste. Ein Makler berichtet, dass er viele Interessenten von außerhalb in seiner Kartei habe. Es gebe allein rund 25 Anfragen für Häuser bis 100 Quadratmeter Wohnfläche. Die Altstadtbewohner hingegen sehen im Verkauf nach außerhalb große Risiken, denn nur wenige Wochen im Jahr genutzte Häuser würden langfristig die Stadt entvölkern. Junge Familien bliebe nämlich der Zuzug versperrt, und den Geschäftsleuten würden aufs Jahr gesehen die Kunden wegbrechen.

Immer wieder wurde die Frage nach konkreten Maßnahmen gestellt, ob etwa Existenzgründern in der Stadt geholfen werde. Dr. Matthias Hüppauff, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft, informierte darüber, dass in seinem Haus Seminare und Kurse angeboten werden. Zudem könne jederzeit ein Beratungsgespräch vereinbart werden, in dem unter anderem über konkrete Hilfen informiert werde.

Nach schließlich mehr als zweistündiger Diskussion endete der Workshop in vielen kleinen Gesprächsrunden, jedoch ohne ein richtig greifbares Ergebnis. Allerdings wurde viel miteinander und nicht wie sonst vielfach üblich übereinander geredet. Doch etwas Konkretes wurde auch beschlossen. Die Teilnehmer wollen Leerstände melden, wenn möglich auch die Besitzer oder Mieter, so dass auch dort Kontakt aufgenommen werden kann. Das Gebäude Markt 20 soll als eine Art Kontaktstätte dienen, denn wenn zwei Parteien miteinander über ein Problem erst einmal ins Gespräch kommen, dann sei eine Lösung im Bereich des Möglichen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen