zur Navigation springen

Filmarbeiten im Husumer Untergrund : Den „Kanalratten“ entgeht kein Haarriss

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mit der Kamera in den Untergrund: Spezialisten filmen das Abwassersystem in der Stadt ab – vorher müssen die Rohre allerdings noch gespült werden.

Spülmeister Thomas Straaß hat das rund eine halbe Million Euro teure Gefährt mit dem Zwölf-Kubikmeter-Tank rückwärts von der Gaswerkstraße auf die Bankette gesetzt. Nun hebt der 45-Jährige den Gullydeckel hinter seinem orangefarbenen Hochdruckspül- und Saugwagen an und führt einen Spülschlauch in den Kanalschacht ein. Eine daran befestigte Reinigungsdüse treibt den Schlauch mit 170 Bar – einem Druck, dem ein Taucher in 1700 Meter Meerestiefe ausgesetzt wäre – in dem Abwasserrohr voran.

Rund 80 Meter westwärts steht Kollege Vitali Götz am nächsten Schacht – Fachleute nennen die Entfernung zwischen zwei benachbarten Kanaleingängen eine Haltung. Der Spülwagenfahrer wartet am Heck des auf Kamerabefahrungen spezialisierten Inspektionsfahrzeugs darauf, dass die Lanze bei ihm ankommt und eine Motorwinde den Schlauch zurückzieht. Denn das ist für den 33-Jährigen das Zeichen: Das Hochdruck-Spülverfahren hat die Ablagerungen gelöst, aus der Haltung herausgespült und entfernt – nun ist dieser Abschnitt bereit für den Einsatz der Kamera, die der Fachangestellte langsam hinablassen kann.

Götz und Straaß gehören zu jenem Team der Firma Schweerbau aus Stadthagen, das seit Anfang März etwa 18 Kilometer Schmutz-, Regen- und Mischwasserrohre in Husum auf Schäden untersucht. Der Dritte im Bunde ist Kanalinspekteur Richard Scholz. Der 42-Jährige ist das „Auge“, das die vier Monitore im Inneren des mit modernster Kameratechnik bestückten, rund 340  000 Euro teuren Sprinters immer im Blick hat. Jetzt werden die letzten Meter des Paketes abgefilmt, das die Stadtwerke Abwasserentsorgung öffentlich ausgeschrieben hatte. 800 Meter arbeiten die Experten durchschnittlich an einem Tag ab.

Wenn das Trio aus Niedersachsen fertig ist, sind endlich auch die letzten Rohrleitungen des 240 Kilometer langen Netzes unter Husum digitalisiert. „Früher wurde alles gefilmt und auf Kassetten gespeichert“, erklärt Peter Hempel, der bei den Stadtwerken als Teamleiter Abwasserentsorgung tätig ist. Alle zehn Jahre müsse das gesamte Kanalsystem einmal „durchgefilmt“ werden – jedes Jahr ein anderer Abschnitt.

Die Absprachen mit der Spezialfirma, die sich gegen 14 andere Anbieter durchgesetzt hat, trifft Bernd Wilkens. Der Mann aus der Abteilung Netzbetrieb weiß zu jeder Zeit, in welcher Haltung die „Kanalratten“ gerade unterwegs sind. Entdeckt die mit Fahrwagen und schwenkbarem Kopf ausgestattete Spezialkamera eine schwerwiegendere Schadstelle, kann er bei Bedarf gleich tätig werden. Der rund 30 Kilogramm schwere Roboter eines Kieler Elektronikgeräte-Herstellers ist ab einem Rohrdurchmesser von 200 Millimetern einsetzbar. 450 Meter am Stück kann Scholz damit abfahren, dabei auch Details heranzoomen. Der Apparat legt zwischen zehn und 15 Zentimeter pro Sekunde zurück – die Richtgeschwindigkeit, damit Haarrisse auch noch mit bloßem Auge zu erkennen sind.

Die Elektronische Datenverarbeitung der Stadtwerke speichert das auf diese Weise gesammelte Material im Geografischen Informationssystem (GIS) ab – auf einem Extra-Server, der nur für Video-Dateien bestimmt ist. Wilkens: „Die Daten werden auf einer Festplatte gespeichert, über eine Schnittstelle in unser Kanalkataster eingelesen und sind jederzeit abrufbar!“

zur Startseite

von
erstellt am 21.Apr.2015 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen