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Lyrikpreis für Husumerin : Den Grundstein legte Theodor Storm

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Husumer Autorin Gudrun Thomas-Feuker ist vom Förderverein für zeitgenössische Literatur mit dem Lyrikpreis 2015 ausgezeichnet worden. Die frühere Lehrerin schreibt nicht nur, sie malt auch.

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erstellt am 27.Dez.2015 | 19:36 Uhr

Einmal Nordsee – immer Nordsee? Gudrun Thomas-Feuker ist viel herumgekommen, hat an der Kieler Muthesius-Schule Kunst studiert und fast zwei Jahrzehnte lang als Lehrerin an einer Realschule in Heikendorf gearbeitet. Weitere 20 Jahre lebte die heute 71-Jährige in Berlin, unterrichtete Kunst, Deutsch und Darstellendes Spiel an einem Gymnasium in Friedenau. Reisen führten sie um die halbe Welt. Doch geboren wurde sie in List auf Sylt, hat Kindheit und Jugend in Husum verbracht. Das prägt. „Spätestens alle sechs Wochen musste ich an die Nordsee“, blickt sie auf ihr aktives Berufsleben zurück. Die 96-jährige Mutter lebt heute noch in Husum. Ein Grund mehr, ihr nach dem aktiven Schuldienst hierher zu folgen.

Dass sie ihren Beruf früher als vorgesehen an den Nagel hängte, hat aber noch einen anderen Grund. „Ich war gern Lehrerin“, sagt Gudrun Thomas-Feuker. Noch heute hat sie Kontakt zu Schülern und Lehrern ihrer Berliner Schule, aber auch zu Studienkollegen aus Kiel. Eine andere Leidenschaft sei in all den Jahren jedoch zu kurz gekommen: Sie schreibt Gedichte und Prosa, ist Mitglied der Schleswiger Autorengruppe „CoLibri“. Vom Förderverein für zeitgenössische Literatur Nordbuch ist sie jetzt mit dem Lyrikpreis 2015 ausgezeichnet worden.

Stereotyper hätten Gudrun Thomas-Feukers erste Erfahrungen mit Gedichten nicht sein können: In der vierten Klasse musste sie Theodor Storms „Graue Stadt“ auswendig lernen. Doch während sich andere die Haare rauften, sog sie die Zeilen förmlich auf. „Ich fand Rhythmus und Klang so schön“, erinnert sich die Rückkehrerin. Und „Knecht Ruprecht“ sei keine Alternative gewesen. Die Leidenschaft war jedenfalls geweckt – und blieb. „Neben dem Malen habe ich immer auch geschrieben“, sagt sie. Doch erste Veröffentlichungen fielen in die Zeit nach ihrer Pensionierung.

Erinnerung
In mein Haus ist Frieden eingekehrt /
Auf meine Stille will ich mich besinnen /
Und auf mein weites Land /
Sehnsucht hängt an jeder Tür /
Und ich versuch’ die Weite einzufangen /
Und in mein Haus zu tragen /
Heimlich – nachts /
Mit einem langen Band /
.  .  .  ich seh’ sie an  .  .  . /
Mein Haus ist viel zu klein.

Ihre Themen findet Gudrun Thomas-Feuker in sich selbst oder draußen vor der Tür. „Es ist schon seltsam“, sagt sie lächelnd, „meine Lyrik ist ernst, aber meine Prosa heiter.“ Die 71-Jährige liebt es, Menschen zu beobachten, an ihrem Alltag teilzuhaben und ihn in Geschichten zu bannen. Bei der Lyrik ist es anders. „Ich glaube, das Leid und die Ängste der Menschen haben zugenommen“, sagt sie nachdenklich. Davon zeugt auch ihre eigene Lyrik. Gedichte seien unmittelbar, duldeten keine Ausflüchte. Sie brächten Gefühle zum Ausdruck, spiegelten – im Gegensatz zur Prosa – eine „innere Realität“. Dennoch ergebe sie am Ende kein einheitliches Bild. Im Gegenteil: Lyrik zementiere das Bewusstsein nicht, „sondern konzentriert es“. Dadurch erhalte die Leerstelle, das Ungesagte zusätzliche Bedeutung. „Jeder kann für sich etwas Eigenes darin finden. Und wenn das nicht der Fall wäre, machte Kunst auch gar keinen Sinn“, findet sie.

Wie ihre Kollegen von „CoLibri“ schreibt auch sie allein, „aber ohne den regelmäßigen Austausch mit Kollegen wären die Ergebnisse nur halb so gut“, räumt sie ein. „Am eigenen Text bist du viel zu nah dran.“ Deshalb braucht es kompetente Kritik. Und die ist in der „CoLibri“-Gruppe garantiert. Gern kombiniert sie auch Malerei und Dichtung, denn bei beidem gehe es um Momente der Verwesentlichung. In der Malerei sieht sie sich selbst als eine Art Filter für Landschaften und Lichtspiele, die nach außen drängten.

„Die Spaß- und Verdrängungskiste ist voll“, sagt Gudrun Thomas-Feuker unvermittelt. Wie wahr. Und wie schön, das es da noch etwas anderes gibt.

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