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Husumer Nachrichten

18. Dezember 2017 | 04:35 Uhr

Demenz - ein schleichender Abbau

vom

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2013 | 03:59 Uhr

breklum | "In Deutschland leben zurzeit 1,5 Millionen Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Bis zum Jahr 2050 soll sich die Zahl verdoppeln." Christine Schäffer von der Breklumer Bücherstube macht die Dimension deutlich. In Nordfriesland sind es derzeit 2500 Demenkranke. Grund genug, um das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu holen, es zu enttabuisieren und den Schrecken zu nehmen, wie Angelika Lies feststellt. Als Vorstandsmitglied der Alzheimer Gesellschaft Nordfriesland und Mitarbeiterin im Pflegestützpunkt NF ist Lies froh, dass die Bücherstube eine Lesung mit David Sieveking organisiert hat. Der Autor und Regisseur ist von Berlin nach Breklum gekommen, um aus seinem Buch "Vergiss mein nicht" vorzulesen. Der gleichnamige Film, den der 36-Jährige über seine an Demenz erkrankte Mutter gedreht hat, läuft zurzeit im Husumer Kinocenter.

Frisch und geradeheraus, manchmal mit einem spitzbübischen Lächeln, manchmal mit einem vielsagenden Blick in die Menge - rund 80 Zuhörer sind ins Christian-Jensen-Kolleg gekommen - erzählt er, liest vor, gibt seine schmerzvoll gemachten Erkenntnisse weiter, hat Tipps. "Sie sollten probieren, aus der Gegenwart das Beste zu machen", sagt er zum Beispiel eindringlich. Nachdem er und seine Familie den Schmerz über Gretels Krankheit überwunden hatten, "haben wir echt noch viel Spaß zusammen gehabt". Ganz von alleine habe sich der Film zu einem Liebesfilm entwickelt. Denn die Eltern entdeckten ihre Liebe zueinander neu. Sievekings Schilderung über den schwierigen Entscheidungsprozess: Magensonde legen lassen oder nicht? löst bei den Zuhörern zahlreiche Wortmeldungen aus. Man müsse sich rechtzeitig um eine Patientenverfügung kümmern, fordert ein Mann. Darin werde festgelegt, ob man lebensverlängernde Maßnahmen haben möchte. Eine Betroffene hält dem entgegen: Der Angehörige müsse stets den Konflikt mit sich ausmachen und hinterher dann mit der Entscheidung leben. Häufig sei es auch so, dass sich das Bewusstsein des Kranken ändere und dieser dann doch dankbar für jeden Tag ist, den er länger leben darf.

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