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Gute-Laune-Nachmittag : Demente Menschen: Allein der Spaß zählt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Sing- und Malkreis für Menschen mit Gedächtnisschwäche und Angehörige von Betroffenen wird in Breklum gut angenommen. Laut Forschung ist Singen hilfreich für die Patienten.

„Singe wem Gesang gegeben“ – sagt ein Sprichwort. Gesangspädagogen gehen einen Schritt weiter. Sie sagen, dass Singen grundsätzlich erlernbar und vor allem gut für Seele und Gesundheit ist. Fröhlich schallen Lieder aus dem kirchlichen Gemeindesaal im Lutherhof in Breklum. „Lustig ist das Zigeunerleben“ wird einstimmig und mit Elan gesungen. 21 sangesfreudige Menschen – hauptsächlich Frauen und einige wenige Männer – haben sich im Kreis um die Ehrenamtlerin Dorothea Petersen geschart. Sie gibt beim offenen Singen nicht nur den Ton an, sondern auch den Takt. „Das hat gut geklungen“, lobt sie und schon geht es weiter. „Lasst uns doch mal einen Kanon probieren“, sagt sie. Den Vorschlag aus der Runde „Vom Aufgang der Sonne“ zu singen, greift sie gern auf.

Nicht jeder Ton würde durchgehen, wäre es eine Übungsstunde des Kirchenchores. Doch der Spaß an der Sache zählt hier allein. „Singen befreit und macht gute Laune“, weiß die ehrenamtliche Leiterin aus eigener Erfahrung. Sie singt seit Jahren im Kirchenchor Breklum mit und hat viele Jahre die Flötengruppe geleitet. „Vor einem Jahr wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, das offene Singen zu leiten. Ich habe ja gesagt und ich bin froh darüber. Das gibt mir selbst viel“, berichtet sie mit strahlenden Augen. Jeden dritten Montag im Monat wird um 15 Uhr begonnen. Unterbrochen von einer geselligen Kaffeerunde endet der Gute-Laune-Nachmittag jeweils um 17 Uhr. Willkommen ist jeder der Freude am Singen hat. „Wir singen einfache Lieder, meist Volkslieder, die jeder kennt“, sagt die Leiterin. Es komme allein auf das gemeinsame Tun und den Gedankenaustausch an.

Aber noch etwas Besonderes haben die Treffen. Sie sind auch offen für Menschen mit Demenz und deren Angehörige. Und diese nutzen es gerne, rund die Hälfte der Teilnehmer gehören diesem Kreis an. „Gerade Singen und Malen sind ideale Therapiemittel bei dementen Menschen. Meistens können sie die alten Kirchen- oder Volkslieder auswendig. Das stelle ich beim offenen Singen immer wieder fest“, sagt Dr. Carsten Thoroe, Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Nordfriesland. Wenn die Leiterin in die Runde nach Wünschen frage, kämen auch meist als erstes Vorschläge von den Demenzerkrankten. Das zeige ihm, dass die Entwicklung der Krankheit sogar damit gebremst respektive hinausgezögert werden könne. Das hätten auch Forschungsergebnisse renommierter Wissenschaftlicher gezeigt.

Getragen wird die Veranstaltung von der Kirchengemeinde und den Ehrenamtlern der Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz der Gemeinden Breklum, Struckum sowie der Stadt Bredstedt. Jedes Mal ist die ehrenamtliche Kümmerin der Aktionsgruppe, Ute Petersen, dabei. Zum einen singt sie selbst gern, andererseits geht es ihr darum, Kontakte zu knüpfen, mit den Menschen zu reden, und gegebenenfalls Bedürfnisse und Wünsche auszuloten, helfend einzugreifen. Das gehört zu ihrem vielfältigen Aufgabenfeld. Die Arbeit für die vor einem Jahr gegründete Gruppe macht ihr Spaß. Diesmal ist auch Bredstedts Bürgermeister Knut Jessen mit von der Partie. So oft es sein Dienstplan erlaubt, singt er gern mit. Auch Dr. Carsten Thoroe ist meist da. Beide arbeiten ehrenamtlich im Beirat der Lokalen Allianz. „Ziel ist es, gemeinsam mit allen Bürgern, Vereinen, dem Gewerbe und Bildungseinrichtungen ein immer dichteres Netzwerk aufzubauen, um die Lebenssituation der Menschen mit Demenz und ihren Familien dauerhaft zu verbessern. Wir sind auf gutem Weg“, erklärt Bredstedts Stadtoberhaupt. Viele Angebote seien bereits vorhanden, wie beispielsweise Spielenachmittage, Sitztanz, Tanz, Gedächtnistraining, Gesprächskreise, Betreuungsgruppen oder Schulungsangebote.

Erfreulich sei, dass das Thema eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung hat. Wichtig ist es, Betroffene möglichst lange am normalen Leben teilhaben zu lassen. „Wer Interesse hat bei uns mitzumachen und damit am Aufbau des Netzwerkes, ist willkommen“, so Ute Petersen. Aber auch sonst steht die Kümmerin für alle Fragen zur Verfügung. Kurse für den Umgang mit Demenz werden laufend angeboten. Sobald sich sechs Interessierte melden, startet ein neues Seminar. Übrigens, das nächste offene Singen findet am Montag, 17. November, ab 15 Uhr im Lutherhof statt. Info: www.demenznetzwerk-bredstedt.de oder unter Telefon 04671/600549 (Ute Petersen).











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