Schobüller Vertretung in Husum : Dem Wildwuchs vorbeugen

Schobüll ist, was seine Grundstücke angeht, kein Ort wie jeder andere.
Schobüll ist, was seine Grundstücke angeht, kein Ort wie jeder andere.

Die Schobüller Vertretung will prüfen, ob die Bebauungspläne des Ortsteils noch zeitgemäß und rechtssicher sind. Bürgermeister sagt Hilfe zu und will ein Stimmungsbild einholen lassen.

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18. Juni 2018, 13:00 Uhr

Seit 2007 ist Schobüll Ortsteil von Husum. Und obgleich die einstige Nachbargemeinde, die ihrerseits aus den Ortsteilen Schobüll, Halebüll, Wobbenbüll und Lund bestand, noch immer über eine eigene Vertretung verfügt, ist weitgehend geräuschlos zusammengewachsen, was vormals nicht zusammengehörte. Dessen ungeachtet ist in Schobüll manches anders als in Husum, und das sorgt für Gesprächsstoff. Ein Thema spielte dabei für die Schobüller von Beginn an eine besondere Rolle und dominierte auch jetzt die Diskussion in der Ortsteil-Vertretung.

„Kürzlich erhielt ich einen Anruf von einem Schobüller, der ein 2000-Quadratmeter-Grundstück hat, darauf aber nur ein Haus mit 80 Quadratmetern Grundfläche bauen dürfte“, führte die Vorsitzende der Vertretung, Isabell Thomas, in das Thema ein. „Er würde dort aber gern ein Doppelhaus errichten.“ Solche und ähnliche Gemengelagen gibt es in Schobüll zuhauf. Gleichzeitig müsse jedoch dafür gesorgt werden, dass das Ortsbild mit seinen großflächigen grünen Grundstücken durch eine allzu laxe Auslegung der Bebauungspläne nicht nachhaltig beschädigt werde. Kein leichter Spagat, räumte auch Bürgermeister Uwe Schmitz ein.

Dennoch: „Um herauszufinden, ob unsere Bebauungspläne noch zeitgemäß und vor allem rechtssicher sind, müssen wir uns eingehend mit ihnen beschäftigen“, erklärte Hermann Wichmann, der bereits in der Schobüller Vertretung saß, als die Gemeinde noch nicht zu Husum gehörte. Doch das bedeutet Arbeit, denn Schobüll hat nicht weniger als neun Bebauungspläne.

Verschärft wird die Situation aus Sicht von Isabell Thomas dadurch, dass es „allein in Halebüll und Schobüll rund 400 Häuser gibt, die in den kommenden Jahren ins Erbe gehen werden“. Dem müsse man schon jetzt Rechnung tragen, damit es später kein böses Erwachen gebe. Aber dafür ist es nach Auffassung einiger Schobüller in Teilen bereits zu spät. Sie monieren, dass in Schobüll seit Jahren gebaut werde, wie es den Bauherren in den Kram passe – ohne Rücksicht auf Ortsbild und Bebauungspläne. Das habe eine lange Tradition, sagte eine Anwohnerin und nannte als Beispiel das Haus der Westküste, das wohl nur wirklich gut finden könne, wer von dort aufs Meer hinausschaue. Aber auch sonst würden Bebauungspläne munter umgangen und beispielsweise eben keine Klinker, dafür jedoch glänzende Dachpfannen verwendet.

Ob das Bauamt denn überhaupt prüfe, was gebaut werde, wollte die Anwohnerin wissen. Thomas bejahte dies, doch die Mehrheit der Anwesenden widersprach. Und Bürgermeister Schmitz bestätigte, dass seine Leute personell gar nicht in der Lage seien, das zu überprüfen. Dafür seien sie auf Hinweise angewiesen. „Das ist ja ein toller Einstieg in gutnachbarschaftliche Beziehungen, wenn ich den Bauherrn von nebenan beim Bauamt anschwärze, weil er sich nicht an die Vorschriften hält“, entfuhr es einem Bürger. Und eine andere Besucherin tat sich schwer „übereinzukriegen, dass auf einem 3000-Quadratmeter-Grundstück ein Carport beanstandet wird, das 20 Zentimeter zu breit ausgefallen ist, während unten an der Reithalle auf engstem Raum gebaut wird“.

Schmitz bezeichnete es ungeachtet der fehlenden Kontrollen als „enormes Risiko, nicht so zu bauen, wie der B-Plan es vorsieht“, und versprach, von den Schobüllern zeitnah ein Meinungsbild einzuholen – wohl wissend, dass es viele Interessen gebe. Den Vorwurf, die Stadt solle ihre Probleme „nicht zu unseren machen“ und selbst prüfen, was wo gebaut werde, wollte der Bürgermeister so nicht stehen lassen: „Wir haben da ein gemeinsames Problem, das wir gemeinsam lösen müssen“, sagte er.

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