Nordfriesland: Region mit Zukunft : Dem demografischen Wandel den Schrecken nehmen

Geschafft: Diese Führungsriege von Kreis, Land und Bund überzeugte die Menschen, gemeinsam den eigenen  Lebensraum zu gestalten. Foto: juk
Geschafft: Diese Führungsriege von Kreis, Land und Bund überzeugte die Menschen, gemeinsam den eigenen Lebensraum zu gestalten. Foto: juk

Für den Kreis Nordfriesland gibt es jetzt einen Masterplan "Daseinsvorsorge". Das Handlungskonzept richtet sich an alle Bürger, Organisationen und Verwaltungen. Es ist im Rahmen des Modellprojekts Region schafft Zukunft entstanden.

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04. April 2011, 09:52 Uhr

Nordfriesland | Der erste Schritt ist bekanntlich der schwerste. Die Nordfriesen haben Mut bewiesen und ihn gemacht, den Schritt in die Zukunft, hin zu einer bedarfsgerechten Gestaltung des Kreises. Im Rahmen des Projekts "Region schafft Zukunft" erarbeitete die Verwaltung mit Hilfe vieler Bürger, Wissenschaftler und Politiker von Kommunal- bis Bundesebene, einen "Masterplan" speziell für Nordfriesland. Entstanden ist ein Werk voller Daten, die teilweise extra für dieses Vorhaben erhoben worden sind und die lokalen Unterschiede im Kreisgebiet berücksichtigen. Die Daten sind wissenschaftlich aufbereitet worden und Grundlage der Erkenntnisse, die für die Entscheidungen der kommenden Jahre richtungsweisend sein werden. Sie sind für alle Generationen und gesellschaftlichen Bereiche von Bedeutung.
Regionale Stärken voll genutzt

Den Masterplan "Daseinsvorsorge" präsentierte die Kreisverwaltung unter Landrat Dieter Harrsen Donnerstagabend während einer Veranstaltung im Husumer Nordsee-Congress-Centrum. Die 280 Gäste erlebten eine Podiumsdiskussion und erhielten einen Einblick in den Masterplan. Das Podium war hochkarätig besetzt. Hagen Eyinck, Ministerialrat für Raumordnung und Stadtentwicklung im Bundesbauministerium, begleitet das Vorhaben seit langem - und ist begeistert von der Leistung der Nordfriesen: "Sie haben dem demografischen Wandel den Schrecken genommen. Sie haben es positiv besetzt." Der Professor zeigte sich auch beim abendlichen Umtrunk noch beeindruckt. "Eine im Bundesvergleich vielleicht schwächer gesehene Region hat es verstanden, ihre Stärken voll zu nutzen."
Arbeitsplätze auf dem Land schaffen

Auslöser für den "Masterplan Daseinsvorsorge", der im Rahmen von "Region schafft Zukunft" umgesetzt worden ist, waren neben anderen Aspekten die Entwicklung der gesellschaftlichen Altersstruktur und die der Haushalte. Der demografische Wandel ist nicht aufzuhalten. Die Gesellschaft kann ihn aber lenken, wie Prof. Eyinck sagte. Nordfriesland muss zwangsläufig überlegen, wie es den Bevölkerungsrückgang bei gleichzeitiger Alterssteigerung und knappen Kassen auffangen will. Zu bedenken sind dabei vor allem die Grundversorgung in den Dörfern und Städten, die Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, die medizinische Versorgung und Betreuung und bei allem auch die Infrastruktur. Der Ministerialrat und der Innenminister sind sich einig, dass weniger künftig mehr ist. "Wir müssen unser Denken ändern", sagte Prof. Eyinck. Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie sieht das ähnlich: "Wenn wir den Individualverkehr aus ökologischen Gründen zurückdrängen wollen, müssen wir auch für ortsnahe Arbeitsplätze sorgen."
Zu wenig Retter?

Der Minister ist dankbar, dass sich Nordfriesland bei dem Bundeswettbewerb beworben hatte. Die Bürgerinnen und Bürger hätten die große Chance, ihr Umfeld zu bedarfsgerechten Funktionsräumen umzugestalten. Als Beispiel führte er die Feuerwehren an. Den 136 nordfriesischen Ortswehren gehören derzeit 4000 Aktive an. In 15 Jahren werden es nur noch 2500 aktive Retter sein. Die Mitglieder arbeiteten immer weiter vom Wohnort entfernt und stünden in der Woche nicht für Einsätze zur Verfügung. Das verlange auch ein Umdenken bei den Arbeitgebern. Der Rückgang bei den Mitgliedern könne nur durch Kooperationen (auch kreisübergreifende) aufgefangen werden. "Wir brauchen neue Formen des Miteinanders, gerade auf dem Land."
Wünsche gehen in Erfüllung

Bereits praktischen Nutzen hat die Gemeinde Arlewatt aus dem Projekt ziehen können. Bürgermeisterin Silke Clausen berichtete, wie unter anderem das Gemeinschaftshaus im Sinne der Einwohner modernisiert worden ist. Die Bürger hätten ihre Hilfe angeboten. Nicht nur das Miteinander habe funktioniert. Die Einwohner hätten registriert, dass ihre Wünsche in Erfüllung gegangen seien. Sehr gut hätten dabei Arlewatt, Horstedt und Olderup zusammengearbeitet - "eine glückliche Ehe", wie Clausen sagte.
Netz von Bus und Bahn ist unzureichend

Dass der öffentliche Nahverkehr bei allen Themen eine Schlüsselrolle einnimmt und völlig unzureichend ist, führte Dr. Gabriele Lamers aus. Die Leiterin des Fachbereichs Jugend, Soziales, Arbeit und Senioren beim Kreis stellte mit ihrem Kollegen Burkhard Jansen, Leiter des Fachbereichs Kreisentwicklung, Bau und Umwelt, die wichtigsten Erkenntnisse des Masterplans vor. Lamers hält die bestehende Nahverkehrsplanung, deren Schwerpunkt einige Hauptachsen sind, für unzureichend.
Wandel ist Chance

Der 103 Seiten starke Masterplan gibt den ersten Schritt in die Zukunft wieder. Der nächste Schritt, die praktische Umsetzung, muss nun erfolgen. Bleibt zu hoffen, dass Nordfriesland die Chance ergreift und sich für den Wandel entscheidet. Was für die Nordfriesen nicht ungewöhnlich wäre.
Masterplan Daseinsvorsorge
Das Handlungskonzept Masterplan entstand im Rahmen des Modellvorhabens "Region schafft Zukunft - Demografischer Wandel für Nordfriesland" (Start 2007) und wurde vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung finanziert. Nordfriesland setzte sich, wie auch der Werra-Meißner-Kreis (Hessen) gegen 33 andere Bewerber durch. Angesetzte Kosten: 2,3 Millionen Euro insgesamt, rund 870 000 Euro sind förderfähig. Der Kreis informiert über den Masterplan online: www.nordfriesland.de.

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