Küstenschutz-Tagung : Deiche auch im Jahr 2100 noch sicher

Der Meeresspiegel steigt. Aber auch im Jahr 2100 sind Nordfrieslands Deiche noch sicher. Das ist die Botschaft einer Fachtagung von Ingenieuren aus ganz Schleswig-Holstein in Husum.

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14. Juni 2014, 14:00 Uhr

Der Klimawandel ist in vollem Gange, der Meeresspiegel steigt. Die Fakten sind nicht zu leugnen, aber die Menschen werden auch im Jahr 2100 hinter den Deichen Nordfrieslands geschützt leben können. So eine Grundaussage anlässlich der Fachtagung des Bundes der Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Kulturbau (BWK) im Alten Gymnasium in Husum.

Dr. Johannes Oelerich vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN) sagte dazu: „Die heutigen und geplanten Maßnahmen unseres Küstenschutzes greifen.“ Jährlich werden aus Landes-, Bundes- und EU-Mitteln 30 Millionen Euro für den Küstenschutz aufgewendet. 250 Millionen Euro insgesamt sollen es bis 2025 sein, die dafür sorgen, dass die Deiche neuen Belastungen Stand halten und im Notfall weiter erhöht werden können.

„Die Bewohner der Küste sind sehr aufmerksam, wenn es um ihr Umfeld geht“, erläuterte er. „Es ist gut, uns Phänomene vor Ort zu melden.“ Auch bei den Küstenschutz-Projekten würden die Menschen vor Ort mit ihren Sachkenntnissen frühzeitig eingebunden. Es sei sehr wichtig, diese von Anfang an mitzunehmen. Das fördere auch die Akzeptanz von notwendigen Maßnahmen.

Welchen Stellenwert der Küstenschutz hat, zeigte nicht zuletzt der Sturm „Xaver“. Die Deiche hatten die Bewährungsprobe durch die einhergehende schwere Sturmflut bestanden, so Oelerich. Der Naturschutz habe nicht immer die gleichen Interessen, denn hier stehe der Erhalt der ursprünglichen Landschaft im Vordergrund. „Gemeinsames Ziel von Natur- und Küstenschutz muss sein, das Wattenmeer in seiner Einzigartigkeit zu erhalten – auch angesichts des Klimawandels“ heißt es somit in der „Strategie Wattenmeer 2100“ des Landesbetriebs.

Um später dort eingreifen zu können, wo es dringend erforderlich ist, werden nach Aussagen von Oelrich derzeit Fakten aller Art gesammelt. Auch für Sandvorspülungen müsse ausreichend Nachschub vorhanden sein. Die Flächen des Abbaus müssten genauso bestimmt werden wie jene der Auffüllung.

Fakt ist nach neuesten Studien, dass der Meeresspiegel bis zum Ende des 21. Jahrhunderts um bis zu 55 Zentimeter steigen kann, ohne Emissionsbeschränkungen sogar um 82 Zentimeter. Deichverstärkungen müssten daher konsequent neu überdacht und – wo nötig – umgesetzt werden. Die Teilnehmer der Tagung konnten sich bei einer Exkursion zum Alten Koog auf Nordstrand gleich ein Bild davon machen. Dort wird zwischen Norderhafen und Strucklahnungshörn der Landesschutzdeich auf einer Strecke von rund 2,5 Kilometern verstärkt. Dabei wird er nicht nur auf 8,70 Meter über Normalhöhennull (NHN) erhöht, sondern erhält auch als erster Deich in Schleswig-Holstein das neue Klimaprofil mit einer Deichkronenbreite von fünf Metern.

Die Fachtagung soll dazu beitragen, dass sich die unterschiedlichen Interessen und Positionen von Natur- und Küstenschutz weiter annähern, erläuterte der BWK-Landesvorsitzende Wolfgang Meier. Dazu gelte es, auch die europäischen Richtlinien zu kennen und umzusetzen. Das Interesse in Fachkreisen sei groß, so Meier. Seit drei Jahren veranstalte man den BWK-Küstenschutztag mit namhaften Referenten. Der Landesverband hat gut 400 Mitglieder und kümmert sich unter anderem um die Schulung von Multiplikatoren, wie Lehrern, so der Landesvorsitzende. Dazu fördere der Verband durch den Studienpreis junge Menschen, die sich in ihren Master- und Diplomarbeiten mit den Bereichen Wasser- oder Abfallwirtschaft auseinandersetzen. Der mit 1000 Euro dotierte Studienpreis 2014 wurde bei der Tagung von Professor Wolfgang Dickhaut an die Mexikanerin Zamna Rodriguez Castillejos für ihre Masterarbeit zum Thema „Mexico City Adaption“ überreicht.

Mehr Informationen zur Arbeit des Verbandes gibt es unter www.bwk-nord.de, Aktuelles zum Nordstrand-Projekt unter www.heute-schon-deich-geguckt.de.

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