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Strecke Westerland-Hamburg : Defekte Eiderbrücke – Zugverkehr rollt wieder

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Eiderbrücke sollte lediglich für eine Schiffsdurchfahrt geöffnet werden. Doch sie ließ sich anschließend nicht zurückdrehen. Wegen eines Defekts stand der Zugverkehr zwischen Heide und Husum still.

shz.de von
erstellt am 12.Dez.2013 | 16:05 Uhr

Friedrichstadt | Nichts ging mehr am Donnerstag ab 13.45 Uhr auf der Hauptverkehrsstrecke der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) zwischen Westerland und Hamburg-Altona. Nachdem ein kleines Schiff die Eiderbrücke bei Friedrichstadt passiert hatte, ließ sich diese nicht mehr in ihre Ausgangsstellung zurückdrehen. Das große Segment blieb in Flussrichtung über der Eider hängen. Damit gab es keine Verbindung mehr zwischen den Ufern, war der Schienenstrang blockiert. Die Züge auf der Strecke konnten nicht mehr durchfahren. Nach Angaben der Deutschen Bahn, die für die  Gleisanlagen zuständig ist, funktionierte der Antrieb zum Öffnen und Schließen in der Mitte des mehr als 100 Jahren alten Bauwerks nicht. 

Auf den Bahnhöfen saßen zunächst hunderte Reisende fest. Die NOB richtete ab 14.15 Uhr einen Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen Husum und Heide ein, wie das Unternehmen auf Anfrage erklärte. Die Zügen zwischen Husum und Westerland sowie zwischen Heide und Altona fuhren im Pendelverkehr. Auch am Bahnhof in Husum war die Aufregung groß. Hunderte Zuggäste sorgten sich um ihre Weiterfahrt. So auch Stefanie Rüchel, die an diesem Wochenende eine Fortbildung in Essen besuchen wollte. „Uns wurde zunächst nur gesagt, dass der Zug nach Westerland zurückfährt und wir hier auf den Nächsten warten sollen“, berichtete sie. Bis 15.30 Uhr musste sie mit vielen weiteren Fahrgästen in der Kälte ausharren, bis die ersten Ersatzbusse eintrafen. „Wenn ich die Verbindung nicht mehr bekomme, wird es eng. Dann hätte ich viel Geld und einen Arbeitstag verloren“, sagte Rüchel.

Auch Urlauber waren von den Ausfällen betroffen. „Ich bin heute mit der ersten Fähre von Amrum aus gestartet“, erzählte Michael Korz, der zusammen mit seiner Frau einen einwöchigen Urlaub auf der Nordseeinsel verbracht hatte. „Wir müssen noch nach Nürnberg. Aber so wie es aussieht, werden wir wohl nochmal woanders übernachten müssen.“ Dabei mussten er und seine Frau bereits auf der Hinfahrt  ihre Reise in Husum unterbrechen, da der Orkan „Xaver“ zu Störungen im Zugverkehr geführt hatte.

„So etwas ist einfach höhere Gewalt“, resümierte Lars Landgraf aus Nordhausen, der ebenfalls Bekanntschaft mit „Xaver“ gemacht hatte. „Ich habe einem  Freund auf Amrum geholfen die Sturmschäden zu reparieren“, sagte er. Ob er seine Verbindung nach Nordhausen bekommen würde, stand da  nicht fest. Manch anderer hatte da schon aufgehört, sich aufzuregen. „Wir machen jetzt keine Panik“, sagte Rene Rühmann, der mit seiner Familie zurück nach Hamburg fahren wollte. Auch er kam von Amrum und musste, wie so viele Reisende an diesem Tag, in Husum aussteigen. „Da können wir jetzt auch nichts daran ändern“, befand er und stieg danach in einen der Ersatzbusse nach Heide.

Nicht alle Reisenden waren aber auf den Ersatzverkehr angewiesen. Die beiden Berufsschüler Christian und Rico  aus Lunden  wurden  von ihren Eltern am Bahnhof abgeholt. „Uns wurde gesagt, dass wir mit mehreren Stunden Verspätung rechnen müssen“, berichtete Christian.

Derweil gestaltete sich die Reparatur schwierig, da der Antrieb der Brücke auf einem Pfeiler mitten in der Eider montiert ist. Die Friedrichstädter Feuerwehr wurde gerufen, um Techniker der Bahn überzusetzen. Doch gibt es in der Nähe der Brücke keine Einsetzstelle für größere Boote. Schließlich holte ein Angestellter der Bahn sein eigenes, kleineres Schlauchboot. Die Feuerwehr ließ es mit den Technikern an Bord von den Gleisen aus zu Wasser. Über eine Leiter konnten sie dann in den Wartungsraum unterhalb des Drehkranzes einsteigen und mit der Arbeit beginnen – durch diese Umstände allerdings erst gegen 17 Uhr.

Eine halbe Stunde später war dann eine Hilfspumpe installiert, die allerdings nur ein Zehntel der Leistung hatte, wie ein Bahnsprecher auf Anfrage mitteilte. Entsprechend langsam schloss sich die Brücke. Gegen 18.15 Uhr war auch das geschafft. Die Züge konnten wieder rollen. Das Bauwerk soll nun in dieser Position bleiben, bis eine neue Pumpe eingebaut ist, wie ein Bahnsprecher erklärte. Für größere Schiffe gibt es an dieser Stelle vorerst also kein Durchkommen.

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