Dauerblinken soll ein Ende haben

Windkraftanlagen sollen künftig nur bei Annäherung von Flugzeugen und Hubschraubern blinken.
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Windkraftanlagen sollen künftig nur bei Annäherung von Flugzeugen und Hubschraubern blinken.

Im Windpark in den Reußenkögen wird unter Beweis gestellt, wie es ohne zusätzliche Strahlungen geht

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26. März 2019, 20:55 Uhr

Die roten Blinklichter der Windenergieanlagen im Windpark Reußenköge leuchten nachts künftig nur noch bei Bedarf. Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan PhilippAlbrecht drückte symbolisch einen „Buzzer“ und gab damit bei der Firma Parasol das Startzeichen für dunkle Nächte in der Region.

„Mit der Inbetriebnahme der bedarfsgesteuerten Nachtkennzeichnung fördern wir die Akzeptanz der Windenergie,“ betonte Geschäftsführer Claas Arlt. In der Nordhälfte der Reußenköge ist das nächtliche Blinken demnach schon abgeschaltet – ebenso mittels des Passiv-Radar-Systems von Parasol. Nach dem bevorstehenden Technologie-Update ist auch die Südhälfte des Windparks Reußenköge so ausgerüstet, dass im Laufe der nächsten Wochen an allen 50 Windenergieanlagen das nächtliche Dauerblinken abgeschaltet werden kann.

„Wir haben uns seit Jahren für eine bundesweit verpflichtende Regelung zur bedarfsgesteuerten Nachtkennzeichnung eingesetzt“, so Energiewendeminister Albrecht. Das Projekt auf dem Dirkshof sei wegweisend. „Ich hoffe, dass weitere folgen werden, so dass es in Schleswig-Holstein – wie im Koalitionsvertrag vereinbart – nachts bald dunkel ist“, erklärte der Umweltminister.

Claas Arlt beschreibt Funktionsweise des umweltfreundlichen Passiv-Radar-Systems: „Unser System ist die zurzeit sinnvollste Lösung, die es auf dem Markt gibt. Wir erzeugen keine zusätzlichen Strahlungen, stattdessen nutzen wir bestehende Signale,“ so Arlt zum Vorteil der Technik. Inzwischen sind mittels mobiler Antennen-Einheiten weitere Messungen an anderen Standorten in Schleswig-Holstein vorgenommen worden, damit weitere Parks folgen können.

Parasol wurde einer Mitteilung zufolge vom Dirkshof zusammen mit dem Fraunhofer Institut entwickelt und wird zur bedarfsgesteuerten Regulierung der Nachtkennzeichnung an Windenergieanlagen eingesetzt. Die Passiv-Radar Technik besteht aus mindestens drei im Windpark zu montierenden Sensoren, die jeweils mit zwei Antennen rund um die Uhr Fernseh- und Mobilfunksignale empfangen. Datentechnisch miteinander verknüpft werden Reflexionen erkannt, die sich durch ein sich näherndes Flugobjekt ergeben. Da Parasol keine eigene Frequenzzuteilung durch die Bundesnetzagentur benötige und durch Anerkennungen der Deutschen Flugsicherung freigeschaltet ist, sei es sofort flächendeckend einsatzbereit.

Claas Arlt ging gegenüber dem Minister auch auf die aktuellen Herausforderungen durch das Energiesammelgesetz ein. Darin wurde die bedarfsgesteuerte Nachtkennzeichnung ab dem 1. Juli 2020 als verpflichtend festgeschrieben. Aber: „Die derzeitige technologiespezifische Formulierung hat zu Irritationen der Windparkbetreiber geführt, denn das Gesetz ist nicht technologieoffen formuliert. Stattdessen wird einer einzigen Technologie, der sogenannten Transponder-Technologie, ein Privileg eingeräumt“, verdeutlichte Arlt. Er fordert die Unterstützung der Landespolitik in Berlin : „Wir hoffen, dass diese irritierende Gesetzesvorlage angepasst wird, eine technologieoffene Ausgestaltung muss das Ziel sein. Dann können Windparkbetreiber selbst die beste Technik wählen.“

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