24-Jähriger verurteilt : Dating-Affäre: Nach Gewalt vor Gericht

Das Amtsgericht in Husum.
Das Amtsgericht in Husum.

Wegen versuchter Vergewaltigung: Schöffengericht Husum verurteilt 24-Jährigen zu Bewährungsstrafe.

shz.de von
09. Juli 2018, 19:00 Uhr

Sie hatten sich auf einem Dating-Portal kennen gelernt, später auch Sex miteinander gehabt. Da ahnten die heute 21-jährige Frau und der 24-jährige Mann nicht, dass sie sich vor dem Husumer Schöffengericht wiedersehen sollten. Er wurde des schweren sexuellen Missbrauchs angeklagt.

Per WhatsApp hatte er am 24. Mai 2016 um ein neues Treffen gebeten. Sie lud ihn nach eigener Aussage zum Gespräch ein, betonte aber, dass sie nicht mehr mit ihm schlafen wolle. Kaum war er da, bedrängte er sie jedoch. Laut der Anklage küsste er sie, griff ihr in den Ausschnitt und versuchte, sie zu entkleiden. Dann packte er sie an den Haaren, hielt ihr die Hand an die Kehle und schlug ihr mit der flachen Hand ins Gesicht. Als er auch noch seine Hose ausgezogen und von ihr Oralverkehr verlangt habe, trat sie laut Staatsanwalt erst gegen seinen Oberkörper und dann noch in seine Genitalien. Erst dann habe er von seinem Opfer abgelassen.

Weil der Verteidiger sogleich erklärte, sein Mandant werde von seinem Recht Gebrauch machen und sich zum Sachverhalt nicht äußern, blieb dem Opfer eine Aussage als Zeugin nicht erspart.

Der Anwalt holte überdies zu einer umfangreichen Beschwerde aus: Die junge Frau trat nämlich zusätzlich als Nebenklägerin auf und hatte sich dazu in die Obhut eines eigenen Anwaltes begeben. Nebenkläger schließen sich der Anklage des Staatsanwaltes an und haben besondere Rechte wie die ständige Anwesenheit in der Hauptverhandlung und das Recht, Zeugen und den Angeklagten zu befragen.

Der Verteidiger des Angeklagten vermutete, dass der Anwalt des Opfers die komplette Ermittlungsakte an die junge Frau gegeben haben könnte und daher auch die Einlassungen des Angeklagten habe lesen können. Dadurch werde vor Gericht die unabhängige Beweiserhebung beeinträchtigt, weil die Frau ihre Aussagen an die jeweilige Verfahrenslage anpassen könne.

Das löste ein Fachsimpeln zwischen den Juristen aus. Der Staatsanwalt sah in einer ersten Reaktion „allenfalls eine abstrakte Möglichkeit zu einer Aussagevorbereitung“. Der Anwalt der Nebenklägerin bat um eine Pause, um seine Erklärung mit seiner Mandantin abzusprechen und betonte danach, dass er die Ermittlungsakte „weder kopiert, noch ausgehändigt“ habe, sondern mit ihr nur den Ablauf durchgegangen sei. Diese Beschwerde hatte keinen direkten Einfluss auf die weitere Verhandlung.

Die junge Frau bestätigte in weiten Teilen den Ablauf wie er in der Anklage formuliert worden war, wobei sie angesichts der vielen Details nach denen alle fragten, gelegentlich ins Stocken geriet. „Ich habe mich mit Händen und Füßen gewehrt“, sagte sie und unterstrich ihr klares Nein.

Am Ende wurde der Täter wegen versuchter Vergewaltigung, verbunden mit Körperverletzung, zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt – mit Bewährung. Zusätzlich hat der Angeklagte 300 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Das Gericht folgte damit dem Antrag des Staatsanwaltes.

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