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MohnLiebe : „Dat Wispern vun den Blötenstoff“

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Karl-Heinz Groth hat Liebeslyrik von Therese Chromik ins Plattdeutsche übertragen. Mohn-Fotos von Uwe Lorenzen vervollständigen den Band, der jetzt unter dem Titel „MohnLiebe“ bei Husum Druck veröffentlicht wird.

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erstellt am 14.Apr.2017 | 08:00 Uhr

Es ist nicht ihr erstes Buch – und auch nicht das erste in zwei Sprachen, aber das erste in Hochdeutsch und Plattdüütsch. Die Husum Druck- und Verlagsgesellschaft und eine Gruppe von Menschen, die einander geradezu finden mussten, machen es möglich. Beim gemeinsamen Kaffeekränzchen freut sich die Husumer Autorin Therese Chromik wie eine Schneekönigin, dass die Übertragungen ihrer Gedichte ins Niederdeutsche so „süß und saftig“ geraten sind.

Ausgangspunkt der publizistischen Trias aus Lyrik, Übertragungen und Fotografie war allerdings nicht das Wort, sondern das Bild. Die Vorlage lieferte ein „Schleswiger Jung“ mit fotografischem Gen und Auge. Es sind „Kleinheiten, Feinheiten und Merkwürdigkeiten“, die Uwe Lorenzen immer wieder entdeckt – auch vor der eigenen Haustür. In diesem Fall bildeten Fotos von Mohnblumen aus seinem Garten die Grundlage für das neue Büchlein mit dem Titel „MohnLiebe“.

„Wir haben uns Uwes Bilder angesehen und überlegt, welche meiner Gedichte dazu passen würden“, nimmt Therese Chromik den Faden auf. Am Ende wählte sie 30 Gedichte aus 34 Jahren aus – von 1983 bis heute, bereits erschienene, aber auch unveröffentlichte. Und „weil das Thema Liebe ja nicht nur mit Glücksgefühlen verbunden ist, sondern auch die Flüchtigkeit des Augenblicks, Trauer und Verlust umfasst“, ist ein lyrischer Strauß entstanden, der mit den Wachstumszyklen des Lorenzenschen Gartenmohns mehr als korrespondiert. Bild und Text scheinen tatsächlich einem gemeinsamen Nährboden zu entspringen, miteinander in ständiger Zwiesprache zu sein.

Karl-Heinz Groth, der Dritte im Bunde, schließt für einen Moment die Augen. Das habe er nach der Lektüre von „Thereses Gedichten“ auch immer getan, blickt der Autor und Übersetzer zwischen zwei Tassen Kaffee zurück: um die Bilder wirken zu lassen und die passenden Übertragungen ins Plattdeutsche zu finden. Beide Sprachen seien einander so unähnlich, dass die Möglichkeit einer direkten Übersetzung erst gar nicht in Betracht komme. Deshalb habe er sich erst einmal in die Situation „des lyrischen Ichs hineinversetzen müssen“, sagt Groth.

Im so gar nicht niederen Niederdeutschen gebe es zum Beispiel keine Aneinanderreihungen von Substantiven, fährt Groth unvermittelt fort. So wird aus Chromiks „Blütenstaubgeflüster“ „dat Wispern vun den Blötenstoff“. Und in dem Gedicht „Nachtvogel“ heißt es im Original „die Liebenden, ihr Atem hüllt sie ein“ – und bei Groth „inmummelt in jemehr Aten“. Solche Übertragungen entzücken Therese Chromik ebenso wie Uwe Lorenzens „Kleinigkeiten im Großen“, die er nicht zuletzt in der universellen Pracht einer Mohnblüte findet.

Wie sehr die Herangehensweise der Lyrikerin mit der ihrer Partner korrespondiert, beschreibt Uwe Lorenzen: Seine Mohnbilder seien über viele Jahre entstanden. Und so nahe kommen konnte er den Blumen wohl auch nur, weil „ich ihnen immer Gelegenheit gegeben habe, sich an mich zu gewöhnen“.

Als Vierter im Bunde musste sich Verleger Ingwert Paulsen nicht zweimal bitten lassen, „MohnLiebe“ herauszubringen. Und so waren es – mit Therese Chromiks Worten gesprochen – „am Ende ganz schön viele Leute, die dieses kleine Buch möglich gemacht haben“.

„MohnLiebe“, Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, ISBN 978-3-89876-872-6.

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