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Nordfriesen in Ostfriesland : Daseinsvorsorge mit Weitblick

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Luftrettung nebst Telemedizin: Das Dienstleistungsangebot eines Hubschrauber-Unternehmens in Emden stößt nicht nur beim Bürgermeister von Hallig Hooge auf Interesse.

Wie weit der Rettungsweg von der Hallig bis ins Husumer Krankenhaus sein kann, hat Hooges Bürgermeister Matthias Piepgras gerade am eigenen Leib erfahren, als er wegen des Verdachts auf Herzinfarkt von seinem Eiland geholt werden musste. Piepgras geht es wieder gut, doch die mehrstündige Odyssee hat ihn nachdenklich gemacht.

Für den Hallig-Bürgermeister ein guter Grund, sich einmal mit weiteren Vertretern aus Nordfriesland im ostfriesischen Emden über das Leistungsangebot der Northern HeliCopter GmbH (NHC) als mögliche Ergänzung zum bestehenden Rettungskonzept zu informieren. Der Offshore-Rettungshubschrauber des Unternehmens ist seit April 2015 in St. Peter-Ording stationiert und wird nur bei Bedarf für subsidiäre Einsätze alarmiert – also dann, wenn die in Rendsburg und Niebüll stationierten Rettungshubschrauber nicht fliegen können oder ausgelastet sind. „Wir sind als Offshore-Luftretter für die Windparks in der Deutschen Bucht tätig und wollen keinesfalls als Konkurrenten auftreten“, machte NHC-Betriebsleiter Herbert Janssen gleich zu Anfang deutlich. Damit nahm er seinen Gästen – neben Piepgras noch Manfred Uekermann, Vorsitzender der Insel- und Halligkonferenz, Sabine Müller, Geschäftsführerin der Biosphäre Die Halligen, Thomas Frank vom Zweckverband Daseinsvorsorge auf den Halligen sowie Thomas Nissen, SPD-Fraktionsvorsitzender im Kreistag – die Sorge, bewährte Rettungsstrukturen antasten zu wollen.

Mit dem Ambulanzflugdienst unterhalb eines Notarzteinsatzes ist das Luftrettungsunternehmen seit 2008 Schnittstelle zwischen der medizinischen Versorgung auf den Ostfriesischen Inseln und den Krankenhäusern auf dem dortigen Festland. Die Einsätze – bisher mehr als 4500 – werden über die Kooperative Regionalleitstelle Ostfriesland geregelt. „Der Ambulanzhubschrauberdienst ist eine Ergänzung des bestehenden Lufftrettungssystems und keine Konkurrenz zu den Standorten“, so der Betriebsleiter.

2011 hat seine Firma ein ganzheitliches medizinisches Offshore-Rettungskonzept für die Notfallrettung in Windparks in der Deutschen Bucht entwickelt. Die Offshore-Luftrettung erfolgt derzeit von NHC ausschließlich von St. Peter-Ording aus. Allein in diesem Jahr wurde der Hubschrauber zu mehr als 70 Einsätzen gerufen. „Die geografisch exponierte Lage des Flugplatzes auf der Spitze Eiderstedts ist alternativlos. Kurze Wege vom Festland zu den Offshore-Windparks und eine funktionierende Hinterland-Logistik prädestinieren diesen Standort“, sagte Sönke Dorn, Pilot und Stationsleiter der Offshore-Luftrettungsstation.

Der Rettungshubschrauber des Typs AS 365 Dauphin ist für die Offshore-Rettung medizinisch bestens ausgestattet und steht in St. Peter-Ording rund um die Uhr bereit. Er ist grundsätzlich mit zwei Piloten, einem Windenführer sowie je einem in Höhenrettung ausgebildeten Notarzt und Rettungsassistenten besetzt. „Die Situation in den Windparks ist mit denen auf der Hallig und den Inselwelten vergleichbar. Denn auch hier kommt es auf sofortige und qualifizierte Hilfe an“, bemerkte Uekermann. Als einen weiteren Vorteil lobte er im Gespräch die Winschvorrichtung an Bord. Bei Landunter auf den Halligen könnte die Crew des Rettungshubschraubers Menschen bergen, sagte er.

Zum Offshore-Rettungskonzept gehört auch die Telemedizin. Auf den Konverter-Plattformen und Versorgungsschiffen auf der Nordsee ist ein Rettungsassistent, der das telemedizinische Gerät bedienen und im Notfall unter ärztlicher Anordnung die empfohlene Therapie einleiten kann. Die Zentrale für Offshore-Telemedizin ist am Klinikum Oldenburg angesiedelt. „Dort macht sich ein Ärzte-Team anhand der übertragenen Vitaldaten ein genaues Bild vom Gesundheitszustand des Patienten und entscheidet, welche Maßnahmen bis zum Eintreffen des Hubschraubers ergriffen werden müssen“, erklärte Dr. Rüdiger Franz. Der Ärztliche Leiter bei NHC erläuterte den Gästen das Telemedizin-Konzept, das abgewandelt, auch mit einem Ambulanzdienst, auf die Nordfriesischen Inseln und Halligen übertragbar wäre.

Matthias Piepgras kann sich ein auf die hiesige Hallig- und Inselwelt zugeschnittenes Konzept als Ergänzung des bestehenden Angebots sehr gut vorstellen: „Diese unterstützende Leistung ist eine gute Lösung für die Menschen, die dort leben. Auch sie sollen vernünftiger versorgt sein.“

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erstellt am 25.Okt.2015 | 12:00 Uhr

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