zur Navigation springen

Nachklapp zur Ferien-Aktion : Das zweite Leben der Lüttsum-Häuser

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Spielbauten der großen Ferienaktion des Husumer Nordsee-Museums und des Jugendforums BISS sind in heimischen Gärten angekommen. So findet das Projekt seine Fortsetzung im privaten Bereich.

Ein Bürgermeister, der in der Tischlerei Feuerwehr spielt? In Lüttsum war das ganz normal. In den Sommerferien hatten das Kinder- und Jugendforum der Stadt Husum BISS und das Nordsee-Museum im Innenhof des Museums die Kinderstadt Lüttsum errichtet, in denen zwei Wochen lang das Leben tobte. Am letzten Tag wurden die Häuser, die die jungen Bürger von Lüttsum selbst gebaut und angemalt hatten, meistbietend versteigert. Auch wenn Rathaus, Gärtnerei und Co. nun einzeln in Husumer Gärten stehen – das Leben in ihrem Inneren geht weiter.

Das Atelier zum Beispiel zog zu Sascha Schulz nach Schobüll und das Rathaus ging an die Stadt Husum, die es als Dank für die Unterstützung mit Material und Arbeitskraft vor der Firma Haselund-Holzhäuser wieder aufbauen ließ.

Der ehemalige Bürgermeister von Lüttsum, Jeldrik-Tammo (7), und sein großer Bruder Adrian-Leon (15) erwarben die Tischlerei. Sie steht nun im kleinen Garten der Familie Gruner auf Stelzen. „Ich wollte immer schon ein Baumhaus haben“, sagt Jeldrik-Tammo erfreut. Damals, in den Sommerferien, hatte er als Bürgermeister zwei Bodyguards. Zu seinen Aufgaben gehörte es, den Tag mit den Worten „Guten Morgen, Lüttsum“ zu beginnen, viel auf dem Spielplatz zu baggern und sich mit dem Bürgermeister von Husum auszutauschen. Seit das Projekt zu Ende ist, residiert er in der Tischlerei, dessen Seitenwände von Adrian-Leon selbst gestaltet wurden. Weitere Umbauten, wie ein Fußboden, eine Terrasse und ein richtiges Glasfenster, machten das Haus zum perfekten Spielplatz. „Ich spiele Überschwemmung, Polizeiwache, Feuerwehr und Krankenwagen mit meinem Bruder oder mit Freunden“, sagt Jeldrik-Tammo. Im Frühjahr, wenn er Geburtstag hat, will er dort sogar mit seinen Freunden übernachten. Dankbar sind die beiden Brüder natürlich besonders ihren Eltern, deren finanzielle und tatkräftige Unterstützung das Baumhaus erst möglich gemacht hat.

Der achtjährige Jason Fürst, auch ein Ex-Bürger von Lüttsum, konnte seine Eltern davon überzeugen, den Kulturtempel zu kaufen. Der steht nun im Garten zwischen Trampolin und Schaukel. Geschmückt mit Gardinen und Bildern, ausgestattet mit einer Klingel und Lampen ist es zum neuen Lieblingsplatz geworden – nicht nur für Jason, sondern auch für seine drei Geschwister, Freunde und Nachbarskinder. „Das Haus hatte uns auf Anhieb gefallen“, sagt Mutter Nadine Fürst. „Und wenn es machbar ist, wollen wir nächstes Frühjahr eine Rutsche vom Dach des Hauses bauen.“

Leonie Hinrichs (8), stolze Besitzerin der Schneiderei, hat ihr Haus ebenfalls mit Fußboden, Gardinen, Bildern und Regalen ausgestattet. „Wir spielen hier Familie“, sagen sie und ihre Freundin Julin Schilling. „Oder wir malen etwas.“ Die beiden haben auch in Lüttsum schon gemeinsam Häuser angemalt und T-Shirts gestaltet. Leonies kleiner Bruder Levin hat seine Werkbank ebenfalls in die Schneiderei verlegt und ist dort schwer beschäftigt. „Ohne Haus hätte ich gar nicht heimkommen dürfen“, erinnert sich Mutter Monique Hansen-Hinrichs schmunzelnd. „Die Kinder haben den ganzen restlichen Sommer dort gespielt und nächstes Jahr wollen wir eine Terrasse mit Vorgarten anlegen.“

Die Gärtnerei schließlich ist im Garten des Ehepaars Annette und Martin Böhm gelandet. „Das war ein Aufwand. Die ist mit dem Kran über unser Haus gehoben worden und hätte uns um ein Haar das Dach beschädigt“, erzählt Annette Böhm. Bespielt wird es nun von Enkelin Hanna Rüsch (7) und ihrer Freundin Marie Diallo (6). „Blume an der Nordsee“ haben die beiden das Haus genannt. Schon in Lüttsum waren sie begeisterte Gärtner, haben mit Blumen gearbeitet und Kränze gebunden. „Danach haben sie sich einfach Spielgeld und Erde besorgt und hier weitergemacht“, sagt Annette Böhm erfreut. Für ihren Mann und sie ist es schön zu sehen, wie schnell ihre Enkelin, die erst im Juni aus Hamburg hergezogen war, in Lüttsum Freunde gefunden hatte.

Die Häuser haben alle zwischen 110 und 130 Euro gekostet. Das Geld fließt zurück in das erfolgreiche Projekt Lüttsum, das nächstes Jahr in den Sommerferien wieder auferstehen soll – dann aber unter dem Motto „Rungholt“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen