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Junges Experiment-Theater : Das Wow-Gefühl auf der Bühne macht süchtig

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auch die Laienspieler des jungen „eXperimenttheater“ sind mit Leidenschaft dabei. Die Gruppe, die bereits seit 20 Jahren besteht, sucht jetzt dringend Nachwuchs – auch mit Blick auf ein Jubiläumsstück.

Ein Jahr nach der Hauptgruppe des „eXperimenttheater“ feiert nun auch die 1995 gegründete Jugendgruppe ihr 20-jähriges Bestehen. Welches Stück zu diesem Anlass einstudiert und ein halbes Jahr später aufgeführt werden soll, steht bisher nicht fest, denn die Gruppenleiterinnen Johanna Laage und Svenja Morawe möchten diese Entscheidung gemeinsam mit den Akteuren treffen. Und ihr Ensemble ist noch nicht vollzählig: „Wir suchen derzeit Nachwuchs für unsere Jugendgruppe, nachdem uns einige unserer Talente aus beruflichen Gründen verlassen haben oder altersbedingt in die Hauptgruppe gewechselt sind“, sagt Johanna Laage.

Sie hofft nun auf viele interessierte Jungen und Mädchen, die Lust auf Schauspielerei, Maske, Requisite, Technik oder Regie-Arbeit haben. Denn in all diese Bereiche können die Jugendlichen hineinschnuppern, um für sich den richtigen Platz am Theater zu finden. „Genau richtig ist bei uns, wer zwischen 12 und 18 Jahre alt ist und ein anspruchsvolles Hobby sucht, in dem man sich ausprobieren kann“, sagt Svenja Morawe. Die Gruppe trifft sich mittwochs von 18 bis 19.15 Uhr im Speicher. Interessierte sind immer herzlich willkommen.

Wie ernst die Schauspielerei von allen genommen wird, zeigte sich bei einer Probe, an der „alte Hasen“ der Jugendgruppe ebenso teilnahmen wie einige neue Gesichter. „Sucht euch ein Outfit aus“, lud Svenja Morawe ihre Schützlinge in den Kostümfundus ein und staunte nicht schlecht, als sich der einzige junge Mann in der Gruppe ausgerechnet ein „Oma“-Kleid aussuchte. „Wann habe ich sonst schon mal die Gelegenheit, so etwas anzuziehen“, sagte Tjerk schmunzelnd, während er sich in das enge Kostüm zwängte. Mona hingegen entschied sich lachend für ein rotes Miederkleid mit Hut, das aus ihr eine kesse Piratenbraut machte, während Henrike ein edles Königinnen-Kleid wählte. Aus Katharina wurde ein grauer Sherlock Holmes, aus Maiken ein armer Bettler, aus Lorin ein böser Zombie, aus Marleen eine alkoholabhängige Diva und aus Lisa eine irre Mörderin.
Und weil Kostüme allein für eine überzeugende Darstellung der Persönlichkeit nicht ausreichen, ging es anschließend gleich in die Maske. Die Jugendlichen lernten, sich gegenseitig zu schminken. Wozu brauche ich eine Grundierung im Gesicht? Wie wähle ich den richtigen Hautton für das Make-up aus? Wie kann ich verhindern, dass mein Gesicht im Scheinwerferlicht wie eine Speckschwarte glänzt? Um solche Fragen ging es und natürlich um die „special effects“: Tjerk brauchte für sein Oma-Gesicht weiße Haare und Falten, die auch in der letzten Reihe noch zu erkennen sind, während die Mörderin blutrünstig wirken sollte. Blutunterlaufene Augen wurden ebenso geschminkt wie Narben und Wunden. Klar wurde auch: Eitelkeit ist fehl am Platz, wenn die Rolle zerzauste Haare oder das Tragen einer Perücke erfordert. Und dass die Haut unter einem aufgeklebten Schnurrbart heiß wird und zu jucken beginnt, war eine Erfahrung, die Katharina erst verunsicherte. Doch dann wagte auch sie einen Blick in den Spiegel und staunte, wie sehr sie mit Kostüm und Schminke zu Inspector Holmes geworden war.

So ausstaffiert fiel es den jungen Akteuren nicht mehr schwer, auf der Bühne in die Rolle zu schlüpfen, die sie sich ausgesucht hatten. Und während Maiken noch mit der Frage beschäftigt war „Wie redet eigentlich ein Bettler?“, fand Königin Henrike sofort in eine vornehme Haltung und sprach so geziert, dass alle lachen mussten. Marleen trank immer wieder aus der (mit Wasser gefüllten) Schnapsflasche und war schon bald kaum noch in der Lage, einen klaren Satz zu formulieren. Besonders überzeugend aber agierte die geistesgestörte Mörderin. Doch das wurde durchaus auch von ihr erwartet, denn Lisa ist bereits seit zwei Jahren mit viel Spaß und noch mehr Engagement dabei. Aufgrund eines Ortswechsels muss sie die Jugendgruppe nun leider verlassen. „Mit ihr geht ein großes Talent“, sagte Johanna Laage mit Bedauern.

Auf die Frage, warum gerade das Theater so ein tolles Hobby ist, fand Tjerk die passenden Worte für das süchtig machende „Wow“-Gefühl, das Lisa zuvor beschrieben hatte: „Es ist das große Ganze, das man erleben darf, vom ersten Öffnen des Textbuches bis zu dem Moment, wo der Applaus unsere Arbeit belohnt“, sagte er und beschrieb auch das Lampenfieber als positive Erfahrung, weil es „danach“ von einer riesengroßen Erleichterung abgelöst wird. „Das ist ein absolutes Hochgefühl“, so Tjerk, der jetzt schon weiß, dass er die Schauspielerei ernsthaft betreiben möchte.

 

 

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