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Neue Meierei in Viöl : Das Viöler Millionen- Projekt

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Heiße Testphase im Neubau der Meiereigenossenschaft Viöl: Kürzlich wurde durch hunderte Meter Stahlrohre Wasser gepumpt, jetzt läuft der Probebetrieb mit Milch.

Wie viele Leitungen hier genau verbaut sind, kann Ingenieur Harald Jakob nicht auf Anhieb sagen – aber es müssen viele hundert Meter sein. Der Neubau der Meierei in Viöl ist so gut wie fertig. Ab und zu begegnet einem ein Handwerker oder Molkereifachmann, um für die Feinabstimmung zu sorgen. Zur Zeit läuft noch der Probebetrieb. Vom Jahresende an soll dann die eigentliche Produktion aufgenommen werden, um Rohmilch, Sahne und Magermilch herzustellen. Daher wird das bisherige Werk, das seit 1956 mitten im Ort produziert, auch erst zu diesem Zeitpunkt abgeschaltet.

Mittlerweile laufe der Probebetrieb sogar schon mit Milch und nicht mehr mit Wasser, erklärt Harald Jakob, der Projektleiter des Bau-Unterfangens ist. Er arbeitet bei der Münchner Firma IE Food, die sich auf die Planung von Lebensmittel-verarbeitenden Fabriken spezialisiert hat. So ein Testlauf sei enorm wichtig, denn bei der Vielzahl von unterschiedlichen Rohrleitungen können schon falsch gesetzte Abzweigungen Probleme verursachen. „Außerdem wird hier auf Basis von Bakteriologie und Hygiene gearbeitet, da muss alles stimmen und es dauert seine Zeit, bis man grünes Licht hat. Am Dienstag ist dann auch der Veterinär vor Ort und prüft, ob alles okay ist.“

Seit 123 Jahren produziert die Meierei Viöl Milchprodukte. Doch das 60 Jahre alte Gebäude ist nicht mehr zeitgemäß, das Gelände zu klein geworden und eine Erweiterung nicht mehr möglich. Schon lange hatte die Genossenschaft über einen Neubau nachgedacht, 2014 beschloss sie dann, eine neue Anlage am Ortsrand zu bauen. Vor rund einem Jahr konnten die Bauarbeiten beginnen. „Am 6. März 2016 sind wir auf die Koppel gefahren und schon im April dieses Jahres konnte der Probebetrieb starten“, sagt Ulrich Lembcke, Geschäftsführer der Meiereigenossenschaft Viöl, und lässt zufrieden seinen Blick durch den Produktionsraum schweifen. 18,5 Millionen Euro kostet das Projekt. Mit dem Umzug verdoppelt die Meiereigenossenschaft ihre Kapazität. Dann können bis zu 200 Millionen Liter Rohmilch im Jahr beziehungsweise 30.000 Liter pro Stunde verarbeitet werden. Die Anzahl des Personals bleibt gleich. Die Produktion wird von zwei Mitarbeitern gesteuert, ein weiterer überwacht den technischen Bereich.

Aus Rohmilch werden zwei Produkte hergestellt: Sahne und Magermilch-Konzentrat. Ein Zehntel der Anlieferungsmenge wird zu Sahne verarbeitet. Dafür muss die Milch entrahmt werden. Der größte Teil der Milch aber wird erst zu Magermilch und anschließend im Eindampfer zu Magermilchkonzentrat weiterverarbeitet. „Wir haben darauf geachtet, dass wir am Ende eine gute Energiebilanz haben“, fügt Projektleiter Jakob hinzu. Durch ein eigenes Blockheizkraftwerk und die neue moderne Anlage im Neubau sinken die Energiekosten um 30 Prozent. Sogar eine eigene Kläranlage hat das Werk. „Damit machen wir uns von der Kommune unabhängig“, so Jakob. 135 Bauern beliefern die Meierei momentan. Kein Hof ist weiter als 40 Kilometer entfernt, betont Lembcke, der hofft, bei so viel Leistungsfähigkeit noch mehr Mitglieder aus der Region gewinnen zu können.

Das Herzstück der neuen Anlage, die Schaltzentrale, wirkt auf den ersten Blick eher unscheinbar. In einem kleinen Büro im Verwaltungsgebäude sind vier Bildschirme nebeneinander aufgereiht. „Hier werden alle Prozesse gesteuert, überwacht und protokolliert. Von der Schranke über die Andock-Anlage für die Milchlieferanten bis hin zur Produktion. Auch die Kläranlage wird von hier aus gesteuert“, erklärt Jakob.

Und was passiert mit dem alten Werk? Dort verbleiben nur noch die Lkw-Garagen und das Archiv. Doch beides soll langfristig auch an den neuen Standort ziehen, so die Pläne des Geschäftsführers. Während einige Tanks der alten Meierei auch in der neuen weitergenutzt werden, sollen die restlichen Altanlagen Stück für Stück demontiert und veräußert werden. „Aber das macht man nicht mal eben in einer Woche, das wird ungefähr zwei Jahre dauern“, schätzt Lembcke. Danach sollen auch Gebäude und Grundstück verkauft werden.

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erstellt am 11.Jun.2017 | 14:00 Uhr

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